Umfassendes Kompendium der Trinkwasserinstallation: Verlegeregeln, Sicherheitsnormen und technische Verfahren
Verlegeregeln für Abblaseleitungen von Sicherheitsventilen
7 Zentrale Verlegeregeln: * Die Leitung muss korrosionsbeständig ausgeführt sein. * Die Verlegung muss zwingend mit Gefälle erfolgen. * Die Leitung muss frostfrei verlegt werden. * Die Dimensionierung der Abblaseleitung muss mindestens eine größer sein als die der Sicherheitsventileingangsleitung. * Bei Einhaltung der vorgenannten Dimensionierung darf die Leitung höchstens eine Länge von aufweisen und maximal Bögen enthalten. * Falls die Abblaseleitung um eine weitere größer dimensioniert wird, ist eine Länge von bis zu und die Verwendung von Bögen zulässig. * Die Abflussleistung des Ausgusses muss so bemessen sein, dass sie mindestens eine größer ist als die Abblaseleitung selbst.
Durchlauferhitzer (DWE): Auswahl und Steuerung
Kriterien bei der Auswahl: * Bei elektrisch oder elektronisch geregelten Durchlauferhitzern mit Blankdraht-Heizsystem ist darauf zu achten, dass die elektrische Leitfähigkeit des Wassers einen bestimmten Grenzwert nicht überschreitet (darf nicht zu hoch sein).
Unterscheidung der Steuerungstypen: * Elektronisch geregelt: Dieses System misst kontinuierlich die Eingangstemperatur, die Ausgangstemperatur sowie den Volumenstrom. Auf Basis dieser Daten errechnet das Gerät die benötigte elektrische Leistung präzise. * Hydraulisch gesteuert: Die Erkennung des Volumenstroms erfolgt hier über einen Differenzdruckschalter. Das Gerät schaltet stufenweise zwischen lediglich Leistungsstufen um.
Zirkulationsleitungen: Voraussetzungen und Betrieb
Allgemeine Voraussetzungen und Regeln: * 3-Liter-Regel: Der Wasserinhalt in der Leitung zwischen dem Warmwasserbereiter und der Entnahmestelle darf maximal betragen, bevor eine Zirkulationsleitung oder ein Begleitheizband zwingend erforderlich wird. * Abschaltzeiten: Die Zirkulationspumpe darf maximal für pro Tag abgeschaltet werden (Betriebsunterbrechung). * Temperaturdifferenz: Der Temperaturunterschied zwischen dem Speicherausgang und dem Wiedereintritt in den Speicher darf maximal betragen. * Fließgeschwindigkeit: Die maximale Fließgeschwindigkeit in der Zirkulationsleitung ist auf begrenzt. * Hydraulischer Abgleich: Anlagen mit mehreren Strängen (Mehrstranganlagen) müssen zwingend hydraulisch abgeglichen werden.
Sicherungseinrichtungen nach Kategorien und Typen
Sicherungsfamilie DDB (Rohrunterbrecher mit beweglichen Teilen): * Einbauposition: Mindestens oberhalb des höchstmöglichen Nicht-Trinkwasserspiegels. * Absicherung: Bis Kategorie . * Druckverhältnis: .
Sicherungsfamilie DC (Rohrunterbrecher mit ständiger Verbindung zur Atmosphäre): * Einbauposition: Mindestens oberhalb des Nicht-Trinkwasserspiegels. * Absicherung: Bis Kategorie . * Druckverhältnis: .
Sicherungsfamilie EEA (Kontrollierbarer Rückflussverhinderer): * Einbauvorschrift: Nur in steigenden oder waagerechten Leitungen zulässig. * Absicherung: Bis Kategorie . * Druckverhältnis: (bzw. p > \text{Atmosphäre}).
Sicherungsfamilie EB (Nicht kontrollierbarer Rückflussverhinderer): * Einsatzbeispiel: In sogenannten "Dackelfüßen". * Einbauvorschrift: Nur in steigenden oder waagerechten Leitungen. * Absicherung: Bis Kategorie . * Druckverhältnis: p > \text{Atmosphäre}.
Sicherungsfamilie HHC (Automatischer Umsteller): * Einbauposition: über Nicht-Trinkwasser. * Einsatzbereich: Nur für bestimmte häusliche Gebrauchsarten. * Druckverhältnis: .
Sicherungsfamilie HB (Rohrbelüfter für Schlauchanschlüsse): * Einbauposition: über Nicht-Trinkwasser. * Absicherung: Bis Kategorie . * Druckverhältnis: .
Sicherungsfamilie HD (Rohrbelüfter für Schlauchanschlüsse mit Rückflussverhinderer): * Einbauposition: über Nicht-Trinkwasser. * Absicherung: Bis Kategorie bei ; falls p > \text{Atmosphäre}, dann nur bis Kategorie .
Maßnahmen bei Betriebsunterbrechung und Legionellenprävention
Betriebsunterbrechungen: * > 3 Tage: Ein vollständiger Wasseraustausch in der Anlage muss durchgeführt werden. * > 4 Wochen: Absperrarmaturen sind zu schließen; bei Wiederinbetriebnahme öffnen und einen vollständigen Wasseraustausch sicherstellen. * > 6 Monate: Absperrarmaturen zu; bei Wiederinbetriebnahme öffnen, vollständigen Wasseraustausch durchführen und Wasserproben nehmen. Eine Inbetriebnahme ist erst bei einwandfreiem Ergebnis zulässig; im Schadensfall haftet der Betreiber. * Dauerhafte Nichtbenutzung: Die Anschlussanlage bzw. Anschlussleitung muss physisch getrennt werden. Die Wiederinbetriebnahme darf nur durch ein eingetragenes Vertragsinstallationsunternehmen () erfolgen.
Vermeidung von Legionellen: * Stichleitungen (Totleitungen) konsequent vermeiden. * Korrekte Dimensionierung der Rohrleitungen einhalten. * Häufig genutzte Entnahmestellen sollten am Ende des Leitungsstrangs platziert werden. * Fachgerechte Dämmung von Kalt- und Warmwasserleitungen. * Speicherauslegung optimieren: So klein wie möglich, so groß wie nötig. * Einhaltung der 3-Liter-Regel. * Speichertemperatur muss permanent auf mindestens gehalten werden.
Einsatz und Einbau von Druckminderern
Erfordernis: * Wenn der Rohrdruck an den Entnahmestellen überschreitet. * Wenn der Rohrdruck vor dem Sicherheitsventil mehr als des Ansprechdrucks des Sicherheitsventils beträgt.
Einbauregeln: * In Kaltwasseranlagen grundsätzlich hinter dem Filter installieren. * Beruhigungsstrecke (Nachlaufstrecke) einhalten: mindestens das -fache des Rohrinnendurchmessers. * Installation nach dem Abgang der Gartenleitung; jeder Abgang nach der Gartenleitung benötigt einen eigenen Druckminderer.
Zuständigkeiten und administrative Abläufe
Verantwortung: Für die Errichtung und Unterhaltung der Kundenanlage sind der Anschlussnehmer und ggf. der Mieter verantwortlich.
Antragswesen: * Herstellung Trinkwasseranschluss: Antrag beim Rohrnetzbezirk . * Umbau Hausanschlussleitung (mit Wasserzählern): Antrag bei der Qualitätssicherung Wasserzähleranlagen .
Hausanschlussleitung (HAL): Bei Etagenbögen ist ein Versatz von maximal und eine Länge der Zwischenstücke von mindestens vorgeschrieben.
Eichung: Warm- und Kaltwasserzähler müssen alle Jahre geeicht bzw. getauscht werden.
Wasserzähleranlagen (Einbau): * Höhe: bis über Oberkante Fertigfußboden (). * Raummaße: Mindestens Höhe und Breite. * Beruhigungsstrecke: vor dem Zähler.
Technische Normen und Anforderungen
Heizungsbefüllung nach VDI 2035: * Elektrische Leitfähigkeit: Unter \text{100}\prob\mu\text{S/cm}. * -Wert: Zwischen und . * Das Wasser muss eine definierte Härte () aufweisen.
Struktur der DIN EN 806: 1. Allgemeines. 2. Planung. 3. Berechnung. 4. Ausführung. 5. Betrieb und Wartung.
Ziele der Trinkwassernorm: * Geräuschminimierung und Vermeidung von Verunreinigungen. * Gewährleistung des erforderlichen Anschlussdrucks. * Vermeidung von Wasserverschwendung und zu hohen Fließgeschwindigkeiten.
Dämmung nach GEG und DIN 1988-200
Trinkwasser Warm (nach GEG): * Wärmeleitfähigkeit: . * Bis : Dämmschicht. * > bis : Dämmschicht. * > bis : Dämmschichtdicke entspricht dem Innendurchmesser. * > : Maximal .
Trinkwasser Kalt (nach DIN 1988-200): * Wärmeübergang: . * Umgebungstemperatur bis : . * Umgebungstemperatur bis : . * Umgebungstemperatur > : Dämmung nach .
Verlegung und Werkstoffauswahl
Allgemeine Verlegeregeln: * Keine Befestigung an anderen Leitungen. * Rechtwinklige, übersichtliche Verlegung; Stagnationswasser vermeiden. * Potenzialausgleich zwingend herstellen. * Steigleitungen müssen einzeln absperrbar sein; Luftpolster vermeiden. * Anordnung: Trinkwasserleitung (kalt) unterhalb der Warmwasserleitung führen. * Fließregel beachten: Unedel vor edel (nicht umgekehrt!). * Keine Verlegung in benutzen Schornsteinschächten.
Kriterien zur Werkstoffauswahl: * Beständigkeit gegen den Systemdruck und Temperaturbelastung. * Verträglichkeit der Werkstoffe untereinander (Korrosionsschutz). * Diffusionsverhalten und Trinkwasserbeschaffenheit vor Ort.
Trinkwasserkategorien
Kategorie 1: Trinkwasser in unverändertem Zustand.
Kategorie 2: Erwärmtes Trinkwasser oder in der Temperatur verändertes Wasser; keine Gesundheitsgefährdung.
Kategorie 3: Stagnationswasser oder Heizungswasser ohne berauschende Zusätze; wenig giftige Stoffe (-Wert unter ).
Kategorie 4: Mit Chemikalien versetztes Wasser; stark giftig (-Wert über ).
Kategorie 5: Abwasser mit Krankheitserregern.
Probeentnahmestellen und Grenzwerte
Pflicht zur Probeentnahme: * In gewerblichen oder öffentlichen Anlagen bei Speichervolumen > oder Leitungsvolumen > . * Pflicht vor Vernebelungsanlagen (z. B. Duschen). * Ausnahme: Ein- und Zweifamilienhäuser.
Anordnung der Stellen: Am Warmwasseraustritt des Erwärmers, am Zirkulationsrücklauf am Speicher und in entfernten Bereichen mit Vernebelungsgefahr.
Temperatur- und Zeitgrenzwerte an Zapfstellen: * Warmwasser: Innerhalb von nach Zapfbeginn müssen erreicht werden. * Kaltwasser: Innerhalb von nach Zapfbeginn muss die Temperatur unter liegen.
Werkstoffeigenschaften und Kennzeichnung
Kupferrohr-Anforderungen: -Wert > . Falls der -Wert zwischen und liegt, darf der -Wert max. betragen.
Kunststoffrohre: * Vorteile: Günstiger Preis, korrosionsbeständig, geringes Gewicht, kurze Montagezeiten, dämmende Wirkung. * Nachteile: Nicht alle Typen sind diffusionsdicht, UV-beständig oder hoch temperaturbeständig; starke Längenausdehnung; aufwendigere Druckprüfungen.
Kennzeichnungspflicht (DIN 1988): * Herstellername/Zeichen muss gut und dauerhaft lesbar sein. * Angabe des (Maximum Operative Pressure): . * Haltbarkeit Kaltwasser (): Jahre. * Haltbarkeit Warmwasser (): Jahre; bei mindestens Jahr; im Störungsfall () mindestens .
Druck- und Dichtheitsprüfverfahren
Vorprüfung (Unverpresst-Undichtprüfung): Vor jeder Belastungsprüfung; mit Versorgungsdruck (max. ) für . Rohrleitungen inspizieren.
Abdrücken mit Wasser (PVC/MVR/Metall): * System entlüften, Prüfdruck mit gefiltertem Wasser. * Anpassungszeit (Protokollieren, falls Luft/Wasser). * Prüfzeit bei (Druckabfall muss sein). * Gerätegenauigkeit: .
Abdrücken mit Wasser (Kunststoff außer PVC): * Identischer Beginn wie oben (, Anpassung, Prüfung bei ). * Zusatzschritt: Druck auf reduzieren; dieser muss für konstant bleiben.
Prüfung mit Luft / inerten Gasen: * Dichtheitsprüfung: Prüfdruck, Anpassung. Prüfzeit bis Volumen (je weitere plus ). * Belastungsprüfung: Nach der Dichtheitsprüfung. Bis : . Bis : . Anpassung , Prüfzeit mit Sichtprüfung.
Spülverfahren
Mit Wasser-Luft-Gemisch: Gefiltertes Wasser nutzen (Filter danach reinigen). Mindestfließgeschwindigkeit . Ölfreie Druckluft. Spülen erfolgt stockwerksweise, jede Entnahme mindestens . Vorrangig bei Lötverbindungen.
Mit Wasser: Gefiltertes Wasser, Mindestfließgeschwindigkeit . Spülzeit pro Armatur mindestens . Vorrangig bei Pressverbindungen.
Korrosion und Schutzmaßnahmen
Schutzarten: * Passiv: Filter einsetzen oder Lackieren. * Aktiv: Opferanode (z. B. Magnesiumanode schützt den Stahlbehälter). * Konstruktiv: Fließregel beachten, fachgerechtes Entgraten, niedrige Fließgeschwindigkeiten.
Korrosionsursachen: Ablagerungen, Kavitation, zu hohe Fließgeschwindigkeiten, Ausglühen beim Hartlöten, Flussmittelreste.
Korrosionsarten: * Lochfraß: Durch Kratzer oder fehlende Schutzschicht. * Spannungskorrosion: Durch mechanische Spannungen. * Erosionskorrosion: Materialabtrag durch turbulente Strömung. * Kontaktkorrosion: Verbindung von edlem und unedlem Metall. * Sauerstoff-/Säurekorrosion: Elektrochemische Reaktionen durch Elektronenaufnahme.
Kavitation: Entsteht durch negativen Überdruck (z. B. in Pumpen), wodurch Wasserdampfbläschen entstehen, die unter Druck implodieren.
Schallschutz und Recht
Schallschutzbedürftige Räume: * Nach DIN 4109: Aufenthaltsräume fremder Wohnungen (Schlafräume , entspricht nicht mehr ganz dem aktuellen Stand der Technik). * Nach VDI 4100: Räume in fremden Wohnungen > (außer Küchen/Flure).
Maßnahmen: Gummieinlagen in Schellen, Dämmung, Pumpen auf Gummifüße, Kompensatoren zur Entkopplung, Bögen statt Winkel.
Rechtliches: * Bleileitungen: Allgemeines Verbot greift ab dem . Verlängerung bis maximal möglich. Funde müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. * VEU-Anforderungen: Meisterbrief, Konzession, Eintrag in die Handwerksrolle. * Rechtsgrundlage: AVB Wasser V, insbesondere Absatz .
Funktionsweise technischer Bauteile
Druckminderer: * Im Ruhezustand schließt die Membrane das Regelventil gegen die Federkraft, wenn der Ausgangsdruck den Einstellwert erreicht. * Bei Abnahme sinkt der Druck, die Federkraft öffnet das Ventil. * Ein Ausgleichskolben sorgt durch gleiche Druckflächen für eine hohe Regelgenauigkeit.
Systemtrenner BA: * Arbeitet mit drei Druckzonen (). * Im Durchfluss sind die Rückflussverhinderer und offen, das Ablassventil () zu. * Bei Rücksaugen oder Rückdrücken (bei Defekt) schließt das System und öffnet das , um den Bereich zu entleeren.
Membransicherheitsventil: * Vorgespannte Feder hält Ventilteller geschlossen. * Bei Ansprechdruck beginnt es zu tropfen. * Bei ist es voll geöffnet. * Es schließt bei (langsam) und ist bei wieder vollständig dicht.
Fragen & Diskussion
Frage: Welche Unterlagen werden für die Neuanmeldung einer Hausanschlussleitung () benötigt?
Antwort: Benötigt werden die Flurkarte (Original/Kopie), ein Grundriss mit Zählerstandort, die Formulare und , ein Lageplan der mit Angabe von und Material, eine Kampfmittelfreiheitsbescheinigung sowie alle Unterlagen pro Haushälfte.