THERMOREGULATION
Symptome und Pflegemaßnahmen während des Fieberanstiegs
Definition des Fieberanstiegs: In dieser Phase steigt die Körpertemperatur an, da der Sollwert im Temperaturzentrum des Hypothalamus heraufgesetzt wurde.
Symptome des Anstiegs:
* Subjektives Empfinden: Pat. friert stark.
* Hautzustand: Die Haut ist kühl, blass und kann eine marmorierte Zeichnung aufweisen. Es bildet sich eine Gänsehaut.
* Muskuläre Reaktion: Gegebenenfalls tritt Schüttelfrost auf (unwillkürliches Muskelzittern zur Wärmeproduktion).
* Vitalzeichen: Es kommt zu einem Anstieg der Pulsfrequenz, der Atemfrequenz sowie der gemessenen Körpertemperatur.
* Psychische Verfassung: Unruhe und Angstgefühle können auftreten.Pflegemaßnahmen beim Fieberanstieg:
* Allgemeine Ruhe: Verordnung von Bettruhe.
* Wärmezufuhr: Unterstützung des Körpers durch warme Getränke, zusätzliche Decken und warme Bekleidung (z. B. Jacke, Wollsocken). Einsatz von Wärmflaschen oder Heizung.
* Linderung des Schüttelfrosts: Kältezittern durch wärmendes Einhüllen der Extremitäten mindern.
* Psychosoziale Unterstützung: Vermittlung von Ruhe und Sicherheit; regelmäßige Nachschau beim Patienten.
* Überwachung: Nach Beendigung des Schüttelfrosts müssen Temperatur und Vitalzeichen kontrolliert werden.
* Dokumentation und Kommunikation: Beobachtungen zum Verlauf und zu möglichen Ursachen kommunizieren und den Arzt benachrichtigen.
* Medizinische Vorbereitung: Beachtung ärztlicher Anordnungen, Vorbereitung bakteriologischer Untersuchungen (z. B. Blutkulturen) und ggf. Verabreichung fiebersenkender Medikamente.
Symptome und Pflegemaßnahmen während der Fieberhöhe
Physiologie der Fieberhöhe: Die Wärmebildung und der Stoffwechsel befinden sich auf einem konstant erhöhten Niveau.
Symptome der Plateauphase:
* Subjektives Empfinden: Starkes Hitzeempfinden und ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
* Hautzustand: Die Haut ist meist gerötet und trocken.
* Körperwerte: Die Körpertemperatur ist erhöht; Puls- und Atemfrequenz bleiben gesteigert.
* Begleiterscheinungen: Starkes Durstgefühl, lichtempfindliche Augen und häufige Gliederschmerzen.Pflegemaßnahmen bei Fieberhöhe:
* Überwachung: Kontinuierliche Kontrolle von Vitalzeichen, Temperatur und Bewusstseinszustand.
* Flüssigkeitshaushalt: Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr (aufgrund des erhöhten Bedarfs).
* Präsenz: Vermittlung von Sicherheit durch Anwesenheit.
* Wärmeabgabe unterstützen: Entfernen zusätzlicher Decken bei starkem Hitzegefühl.
* Kühlung: Nach Rücksprache mit Patient und Arzt Einsatz von erfrischenden Maßnahmen wie Waschungen oder Wadenwickeln. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, kein Kältegefühl zu erzeugen ().
* Umgebungsgestaltung: Frische Luft zuführen, für gedämpftes Licht sorgen und die Umgebung angenehm gestalten.
Symptome und Pflegemaßnahmen während des Fieberabfalls
Definition des Fieberabfalls: Der Sollwert im Gehirn sinkt wieder (z. B. durch das Abklingen einer Infektion).
Differenzierung des Abfalls:
* Lysis: Ein langsamer Temperaturabfall über Tage hinweg. Merkmale: Warmer, großperliger Schweiß.
* Krisis: Ein schneller, oft bedrohlicher Temperaturabfall innerhalb weniger Stunden. Merkmale: Kalter, klebriger und kleinperliger Schweiß.Symptome des Abfalls: Sinken der Körpertemperatur, vermehrte Hautdurchblutung, ausgeprägte Müdigkeit, Schwächegefühl und gesteigertes Schlafbedürfnis.
Pflegemaßnahmen beim Fieberabfall:
* Vitalzeichenkontrolle: Engmaschige Überwachung von Temperatur und Kreislauf.
* Wärmeabgabe: Unterstützung durch leichte Bekleidung oder nur ein Bettlaken.
* Ernährung und Hydratation: Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten; Angebot leicht verdaulicher Kost.
* Hygiene: Nach starkem Schwitzen rascher Wechsel von Kleidung und Bettwäsche; Angebot erfrischender Maßnahmen (z. B. kühlender Stirnlappen).
* Sicherheit: Unterstützung bei der Mobilisierung (Sturzgefahr durch Schwäche); bei Krisenzeichen sofortige Benachrichtigung des Arztes.
* Erholung: Gewährleistung einer störungsfreien Ruhephase; pflegerische Maßnahmen auf das notwendige Minimum reduzieren.
Risikogruppen und spezielle Gefährdungen bei Fieber
Besonders gefährdete Personengruppen:
* Neugeborene (instabile Thermoregulation).
* Menschen mit Stoffwechselstörungen.
* Patienten mit Lungen-, Herz-Kreislauf- oder ZNS-Erkrankungen (Gefahr durch Belastung des Organismus).
* Schwangere (Risiko für Anomalien des Kindes oder Abort).
* Diabetiker (Notwendigkeit engmaschiger Blutzuckerkontrollen aufgrund metabolischer Schwankungen).Physiologische Risiken: Hohes Fieber führt zu gesteigertem Stoffwechsel und erhöhtem Sauerstoffverbrauch. Da die Regulationsmechanismen bei diesen Gruppen oft gestört sind, ist eine engmaschige Kontrolle der Vitalparameter und des Bewusstseins erforderlich.
Spezialfall Medikamentenapplikation: Bei der transdermalen Anwendung von Opioiden (z. B. Fentanyl-TTS) kann die erhöhte Hauttemperatur bei Fieber dazu führen, dass die Opioid-Konzentration im Blut gefährlich ansteigt.
Strategien zur Fiebersenkung und Medikation
Grundsätze der Senkung: Eine Senkung sollte nicht rein nach einem Messwert (z. B. ab ) erfolgen. Entscheidend sind das Befinden, Vorerkrankungen und die Reaktion des Patienten.
Physikalische Maßnahmen: Unterstützen die Wärmeabgabe des Körpers (z. B. Wickel, Waschungen), greifen jedoch nicht direkt in die Sollwertverstellung im Hypothalamus ein.
Medikamentöse Therapie (Antipyretika): Diese unterbrechen die pathophysiologischen Vorgänge im Hypothalamus, die zur Sollwertverstellung führen. Sie wirken fiebersenkend und schmerzlindernd (analgetisch).
Spezifische Wirkstoffe und Nebenwirkungen:
* Acetylsalizylsäure (z. B. Aspirin): Beeinflussung der Thrombozytenfunktion (Blutungsrisiko bei Ulzera); Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern.
* Metamizol: Risiko von Überempfindlichkeitsreaktionen und schwerer Schädigung der Zellbildung im Knochenmark (Agranulozytose).
* Paracetamol: Kann Übelkeit, Hautrötungen, allergische Thrombozytopenie, Leukopenie oder Analgetika-Asthma auslösen; bei Überempfindlichkeit droht Blutdruckabfall.
Praxistipp zur Selbstreflexion
Pflegende sollten ihr eigenes Krankheitserleben bei Fieber reflektieren: Was war angenehm, was unangenehm? Diese Reflexion hilft, die individuellen und zum Teil sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Patienten besser zu verstehen und sensibler auf diese zu reagieren. Der Austausch mit Kollegen über diese Erfahrungen wird empfohlen.