Studiennotizen: TQM-Umsetzung mit dem EFQM-Modell
Grundlagen und Historie des EFQM-Modells
Definition und Ursprung:
Das EFQM-Modell wurde im Jahr von der European Foundation for Quality Management entwickelt.
Die Gründung erfolgte durch führende europäische Unternehmen.
Der Sitz der gemeinnützigen Mitgliederorganisation befindet sich in Brüssel.
Gegenwärtig zählt die Organisation über Mitglieder.
Schätzungsweise arbeiten über Unternehmen nach den Prinzipien der EFQM.
Zweck und Philosophie:
Entwickelt als europäische Antwort auf den US-amerikanischen Malcolm Baldrige National Quality Award und den japanischen Deming-Preis.
Es handelt sich um ein Qualitätsmanagementsystem, das auf dem Ansatz des Total Quality Managements (TQM) basiert.
Das Modell dient als Wegweiser für die Entwicklung vom durchschnittlichen Betrieb zum herausragenden Qualitätsunternehmen.
Ziel ist eine exzellente Unternehmung, die ausgewogene Ergebnisse erzielt und die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern erfüllt oder übertrifft.
Einordnung:
Das EFQM-Modell stellt keine Zertifizierung dar, sondern ist ein Instrument zur Systematisierung, Analyse und Bewertung von Stärken und Verbesserungsbereichen.
Wettbewerbsrelevanz: Im Jahrhundert reicht ein DIN-EN-ISO-Zertifikat nicht mehr aus; Business Excellence wird zum entscheidenden Auswahlkriterium.
Die acht Eckpunkte der Business Excellence gemäß EFQM
Das Konzept stützt sich auf acht fundamentale Prinzipien:
Nachhaltige Ergebnisse erzielen:
Entwicklung von Schlüsselkennzahlen zur Abbildung der Organisationsentwicklung.
Ausrichtung auf Vision, Mission und Strategie, um Führungskräften effektive Entscheidungen zu ermöglichen.
Werte für den Kunden schaffen:
Klare Definition und Kommunikation des Werteangebots.
Aktive Einbeziehung der Kunden in die Design- und Service-Prozessentwicklung.
Führen mit Vision, Inspiration und Integrität:
Dynamisches Konzept, das auf das Engagement (Commitment) aller Interessengruppen setzt.
Veränderungen aktiv managen:
Prozessorientiertes Management zur Stützung der Strategie.
Antizipation von Zukunftstrends und aktive Umgestaltung der Organisation.
Erfolgreich sein durch Menschen:
Balance zwischen strategischen Bedürfnissen der Organisation und persönlichen Erwartungen/Sehnsüchten der Menschen.
Kreativität und Innovation fördern:
Notwendigkeit der beständigen Weiterentwicklung in Netzwerken.
Einbeziehung aller Stakeholder als Quellen für Innovation.
Partnerschaften aufbauen:
Erschließung von Partnerschaften innerhalb und außerhalb der Lieferkette.
Fokus auf gegenseitige nachhaltige Vorteile.
Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen:
Aktive Übernahme von Verantwortung für das Verhalten und den Einfluss auf die Gemeinschaft.
Die vernetzte Struktur der neun EFQM-Kriterien
Das Modell besteht aus drei Komponenten: dem fundamentalen Konzept, den Kriterien und dem RADAR-Modell. Die neun Kriterien werden in Befähiger (aktiv) und Ergebnisse (passiv) unterteilt.
Die fünf Befähigerkriterien (Gewichtung jeweils ; Gesamt ):
Führung: Erarbeitung von Mission, Vision und Werten; Vorbildcharakter des Managements; Motivation der Mitarbeiter.
Strategie: Ausrichtung auf Interessengruppen; Leistungsmessung; Marktforschung; Kommunikation.
Mitarbeiter: Entwicklung von Wissen und Potenzial; Ressourcenplanung; Kompetenzmanagement; Dialog; Belohnung.
Partnerschaften und Ressourcen: Management externer Partner; Finanzmanagement; Gebäude, Material, Technologie und Wissen.
Prozesse, Produkte und Dienstleistungen: Systematische Gestaltung und Verbesserung von Prozessen; Steigerung der Wertschöpfung; Kundenbeziehungsmanagement.
Die vier Ergebniskriterien (Gesamt ):
Kundenbezogene Ergebnisse (): Messung von Image und Loyalität durch Leistungsindikatoren.
Mitarbeiterbezogene Ergebnisse (): Messung aus Mitarbeitersicht bezüglich Fluktuation und Leistungsbereitschaft.
Gesellschaftsbezogene Ergebnisse (): Leistungen in Bezug auf lokale, nationale und internationale Gesellschaft.
Schlüsselergebnisse (): Erreichung geplanter Leistungen (finanziell und operativ).
Logik des Kreislaufs: Befähiger führen über Prozesse zu Ergebnissen. Erfahrungen aus den Ergebnissen fließen zurück in die Befähigerkriterien zur kontinuierlichen Verbesserung.
Die praktische Anwendung in fünf Schritten
Schritt: Planung der Ergebnisse: Festlegung von Zielen gemäß der Ergebniskriterien (Kunden, Mitarbeiter, Gesellschaft, Finanzen).
Schritt: Festlegung der Vorgehensmethoden: Erstellung von Arbeitsanweisungen, Plänen und Prozessen zur Realisierung der Wertschöpfung.
Schritt: Umsetzung: Herunterbrechen übergeordneter Ziele auf konkrete operative Maßnahmen im Tagesgeschäft.
Schritt: Überprüfung und Bewertung (Assessment): Anwendung der RADAR-Logik; Messung der Leistungsfähigkeit der Prozesse; regelmäßige Fortschrittsgespräche.
Schritt: Verbesserung: Umsetzung von Änderungen an Arbeitsmitteln, Organisation und Ausbildung zur Erhöhung des Nutzen für alle Partner.
Die RADAR-Methode zur Beurteilung
RADAR steht für Results (Ergebnisse), Approach (Vorgehen), Deployment (Umsetzung), Assessment (Bewertung) und Review (Überprüfung).
Beurteilung der Befähigerkriterien:
Vorgehen: Muss fundiert (klar begründet, auf Stakeholder ausgerichtet) und integriert (unterstützt Strategie) sein.
Umsetzung: Muss nachweislich eingeführt und systematisch (strukturiert) sein.
Bewertung und Überprüfung: Beinhaltet Messung der Effektivität, Lernen zur Identifikation von Best Practices und Verbesserung durch Analyse der Lernergebnisse.
Beurteilung der Ergebniskriterien:
Trends: Erwartung positiver Trends über mindestens Jahre.
Ziele: Angemessenheit und Erreichungsgrad.
Vergleiche: Benchmarking mit anderen Unternehmen/Klassenbesten.
Ursachen: Rückführung der Ergebnisse auf die gewählten Vorgehensweisen.
Umfang: Abdeckung aller relevanten Unternehmensbereiche.
Punktesystem:
Jedes Teilkriterium wird von bis bewertet.
Maximalerreichbare Punktzahl: Punkte ( für Befähiger, für Ergebnisse).
Bewertungsskala: KNA (kein Nachweis), EA (einige Nachweise), N (Nachweise), KN (klare Nachweise), UN (umfassende Nachweise).
Die WEGWEISER-Karte und Selbstbewertung
WEGWEISER-Karte:
Kein Hilfswerkzeug zur Punktvergabe, sondern zur Identifikation von Verbesserungspotenzialen.
Besteht aus Fragen basierend auf der RADAR-Logik, die auf Haupt- und Teilkriterien angewendet werden, um Lücken aufzudecken.
Nutzen der Selbstbewertung:
Identifikation von Stärken und Potenzialen.
Fortschrittskontrolle auf dem Weg zur Excellence.
Internationaler Vergleich (Benchmarking).
Steigerung der Mitarbeiteridentifikation und Motivation durch Beteiligung.
Methoden der Selbstbewertung:
Fragebogen: Geringer Aufwand, geeignet für Meinungsbilder.
Matrixdiagramm: Bewertung spezifischer Leistungsmatrizen (z.B. Level bis ).
Workshop: Fünfstufiger Prozess mit aktiver Managementbeteiligung (Schulung, Datenerhebung, Bewertung, Maßnahmen, Überwachung).
Standardformulare: Strukturierte Bewertung der Teilkriterien durch Teams oder Gutachter.
Simulation einer Award-Bewerbung: Höchster Aufwand und höchste Genauigkeit; vollständige Dokumentation.
Der Selbstbewertungsprozess:
Engagement entwickeln -> Planung (Bereiche, Methoden) -> Teamdefinition und Schulung (Assessoren) -> Bekanntmachung und Datenerhebung -> Durchführung der Selbstbewertung -> Erarbeitung des Maßnahmenplans (Priorisierung nach Vision/Mission) -> Umsetzung durch Teams -> Fortschrittskontrolle (Zyklus alle bis Jahre).
Der European Quality Award (EQA)
Seit jährlich von der EFQM ausgeschrieben.
Sponsoren: EFQM, Europäische Kommission, European Organisation for Quality (EOQ).
Ideeller Preis (keine Geldpreise).
Ziele: Verbreitung von TQM in Europa, Festigung der Weltmarktposition.
Deutsches Pendant seit : Ludwig-Erhard-Preis.
Vorteile einer Bewerbung: Schärfung des Fokus, objektive externe Bewertung durch Experten, Lernen von erfahrenen Führungskräften.
Kritische Würdigung des Modells
Potenzielle Vorteile:
Offenes Modell mit breiter Anwendbarkeit.
Hohe Mitarbeiterorientierung und Eigenbeteiligung durch Selbstbewertung.
Ganzheitlicher TQM-Ansatz inklusive Umwelt- und Stakeholder-Integration.
Förderung kontinuierlicher Optimierung und Prozessorientierung.
Objektives Feedback und Marketingvorteile bei Gewinn.
Potenzielle Nachteile:
Kein definiertes Ende; Gefahr der Demotivation bei ausbleibenden schnellen Erfolgen.
Gefahr der "Betriebsblindheit" bei rein internen Verfahren.
Hohe direkte und indirekte Kosten (geschätzte indirekte Kosten: ).
Hoher Aufwand führt zu Ermüdungseffekten.
Schwierige Umsetzung ohne externe Beratung.
Kritik an der Willkürlichkeit der Gewichtung und Punkteverteilung.
Übungsfragen & Diskussion
Nennen und erläutern Sie die acht Eckpunkte der "Business Excellence" gemäß EFQM.
Nennen Sie die Befähiger- und Ergebniskriterien des EFQM-Modells. Was ist unter Befähiger- und Ergebniskriterien zu verstehen?
Erläutern Sie das Befähigerkriterium "Mitarbeiter" des EFQM-Modells.
Welche fünf Schritte sind in der praktischen Anwendung des EFQM-Modells zu durchlaufen?
Welchen Zweck verfolgt die WEGWEISER-Karte des EFQM-Modells?
Warum führen Unternehmen eine Selbstbewertung durch?
Beschreiben Sie zwei mögliche Methoden der Selbstbewertung.
Nennen Sie mögliche Nachteile des EFQM-Konzepts.