Studiennotizen: TQM-Umsetzung mit dem EFQM-Modell

Grundlagen und Historie des EFQM-Modells

  • Definition und Ursprung:

  • Das EFQM-Modell wurde im Jahr 19881988 von der European Foundation for Quality Management entwickelt.

    • Die Gründung erfolgte durch 1414 führende europäische Unternehmen.

    • Der Sitz der gemeinnützigen Mitgliederorganisation befindet sich in Brüssel.

    • Gegenwärtig zählt die Organisation über 850850 Mitglieder.

    • Schätzungsweise arbeiten über 30.00030.000 Unternehmen nach den Prinzipien der EFQM.

  • Zweck und Philosophie:

    • Entwickelt als europäische Antwort auf den US-amerikanischen Malcolm Baldrige National Quality Award und den japanischen Deming-Preis.

    • Es handelt sich um ein Qualitätsmanagementsystem, das auf dem Ansatz des Total Quality Managements (TQM) basiert.

    • Das Modell dient als Wegweiser für die Entwicklung vom durchschnittlichen Betrieb zum herausragenden Qualitätsunternehmen.

    • Ziel ist eine exzellente Unternehmung, die ausgewogene Ergebnisse erzielt und die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern erfüllt oder übertrifft.

  • Einordnung:

    • Das EFQM-Modell stellt keine Zertifizierung dar, sondern ist ein Instrument zur Systematisierung, Analyse und Bewertung von Stärken und Verbesserungsbereichen.

    • Wettbewerbsrelevanz: Im 21.21. Jahrhundert reicht ein DIN-EN-ISO-Zertifikat nicht mehr aus; Business Excellence wird zum entscheidenden Auswahlkriterium.

Die acht Eckpunkte der Business Excellence gemäß EFQM

Das Konzept stützt sich auf acht fundamentale Prinzipien:

  • Nachhaltige Ergebnisse erzielen:

    • Entwicklung von Schlüsselkennzahlen zur Abbildung der Organisationsentwicklung.

    • Ausrichtung auf Vision, Mission und Strategie, um Führungskräften effektive Entscheidungen zu ermöglichen.

  • Werte für den Kunden schaffen:

    • Klare Definition und Kommunikation des Werteangebots.

    • Aktive Einbeziehung der Kunden in die Design- und Service-Prozessentwicklung.

  • Führen mit Vision, Inspiration und Integrität:

    • Dynamisches Konzept, das auf das Engagement (Commitment) aller Interessengruppen setzt.

  • Veränderungen aktiv managen:

    • Prozessorientiertes Management zur Stützung der Strategie.

    • Antizipation von Zukunftstrends und aktive Umgestaltung der Organisation.

  • Erfolgreich sein durch Menschen:

    • Balance zwischen strategischen Bedürfnissen der Organisation und persönlichen Erwartungen/Sehnsüchten der Menschen.

  • Kreativität und Innovation fördern:

    • Notwendigkeit der beständigen Weiterentwicklung in Netzwerken.

    • Einbeziehung aller Stakeholder als Quellen für Innovation.

  • Partnerschaften aufbauen:

    • Erschließung von Partnerschaften innerhalb und außerhalb der Lieferkette.

    • Fokus auf gegenseitige nachhaltige Vorteile.

  • Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen:

    • Aktive Übernahme von Verantwortung für das Verhalten und den Einfluss auf die Gemeinschaft.

Die vernetzte Struktur der neun EFQM-Kriterien

Das Modell besteht aus drei Komponenten: dem fundamentalen Konzept, den Kriterien und dem RADAR-Modell. Die neun Kriterien werden in Befähiger (aktiv) und Ergebnisse (passiv) unterteilt.

  • Die fünf Befähigerkriterien (Gewichtung jeweils 10%10\,\%; Gesamt 50%50\,\%):

    • Führung: Erarbeitung von Mission, Vision und Werten; Vorbildcharakter des Managements; Motivation der Mitarbeiter.

    • Strategie: Ausrichtung auf Interessengruppen; Leistungsmessung; Marktforschung; Kommunikation.

    • Mitarbeiter: Entwicklung von Wissen und Potenzial; Ressourcenplanung; Kompetenzmanagement; Dialog; Belohnung.

    • Partnerschaften und Ressourcen: Management externer Partner; Finanzmanagement; Gebäude, Material, Technologie und Wissen.

    • Prozesse, Produkte und Dienstleistungen: Systematische Gestaltung und Verbesserung von Prozessen; Steigerung der Wertschöpfung; Kundenbeziehungsmanagement.

  • Die vier Ergebniskriterien (Gesamt 50%50\,\%):

    • Kundenbezogene Ergebnisse (15%15\,\%): Messung von Image und Loyalität durch Leistungsindikatoren.

    • Mitarbeiterbezogene Ergebnisse (10%10\,\%): Messung aus Mitarbeitersicht bezüglich Fluktuation und Leistungsbereitschaft.

    • Gesellschaftsbezogene Ergebnisse (10%10\,\%): Leistungen in Bezug auf lokale, nationale und internationale Gesellschaft.

    • Schlüsselergebnisse (15%15\,\%): Erreichung geplanter Leistungen (finanziell und operativ).

  • Logik des Kreislaufs: Befähiger führen über Prozesse zu Ergebnissen. Erfahrungen aus den Ergebnissen fließen zurück in die Befähigerkriterien zur kontinuierlichen Verbesserung.

Die praktische Anwendung in fünf Schritten

  1. Schritt: Planung der Ergebnisse: Festlegung von Zielen gemäß der Ergebniskriterien (Kunden, Mitarbeiter, Gesellschaft, Finanzen).

  2. Schritt: Festlegung der Vorgehensmethoden: Erstellung von Arbeitsanweisungen, Plänen und Prozessen zur Realisierung der Wertschöpfung.

  3. Schritt: Umsetzung: Herunterbrechen übergeordneter Ziele auf konkrete operative Maßnahmen im Tagesgeschäft.

  4. Schritt: Überprüfung und Bewertung (Assessment): Anwendung der RADAR-Logik; Messung der Leistungsfähigkeit der Prozesse; regelmäßige Fortschrittsgespräche.

  5. Schritt: Verbesserung: Umsetzung von Änderungen an Arbeitsmitteln, Organisation und Ausbildung zur Erhöhung des Nutzen für alle Partner.

Die RADAR-Methode zur Beurteilung

RADAR steht für Results (Ergebnisse), Approach (Vorgehen), Deployment (Umsetzung), Assessment (Bewertung) und Review (Überprüfung).

  • Beurteilung der Befähigerkriterien:

    • Vorgehen: Muss fundiert (klar begründet, auf Stakeholder ausgerichtet) und integriert (unterstützt Strategie) sein.

    • Umsetzung: Muss nachweislich eingeführt und systematisch (strukturiert) sein.

    • Bewertung und Überprüfung: Beinhaltet Messung der Effektivität, Lernen zur Identifikation von Best Practices und Verbesserung durch Analyse der Lernergebnisse.

  • Beurteilung der Ergebniskriterien:

    • Trends: Erwartung positiver Trends über mindestens 33 Jahre.

    • Ziele: Angemessenheit und Erreichungsgrad.

    • Vergleiche: Benchmarking mit anderen Unternehmen/Klassenbesten.

    • Ursachen: Rückführung der Ergebnisse auf die gewählten Vorgehensweisen.

    • Umfang: Abdeckung aller relevanten Unternehmensbereiche.

  • Punktesystem:

    • Jedes Teilkriterium wird von 0%0\,\% bis 100%100\,\% bewertet.

    • Maximalerreichbare Punktzahl: 1.0001.000 Punkte (500500 für Befähiger, 500500 für Ergebnisse).

    • Bewertungsskala: KNA (kein Nachweis), EA (einige Nachweise), N (Nachweise), KN (klare Nachweise), UN (umfassende Nachweise).

Die WEGWEISER-Karte und Selbstbewertung

  • WEGWEISER-Karte:

    • Kein Hilfswerkzeug zur Punktvergabe, sondern zur Identifikation von Verbesserungspotenzialen.

    • Besteht aus Fragen basierend auf der RADAR-Logik, die auf Haupt- und Teilkriterien angewendet werden, um Lücken aufzudecken.

  • Nutzen der Selbstbewertung:

    • Identifikation von Stärken und Potenzialen.

    • Fortschrittskontrolle auf dem Weg zur Excellence.

    • Internationaler Vergleich (Benchmarking).

    • Steigerung der Mitarbeiteridentifikation und Motivation durch Beteiligung.

  • Methoden der Selbstbewertung:

    • Fragebogen: Geringer Aufwand, geeignet für Meinungsbilder.

    • Matrixdiagramm: Bewertung spezifischer Leistungsmatrizen (z.B. Level 11 bis 1010).

    • Workshop: Fünfstufiger Prozess mit aktiver Managementbeteiligung (Schulung, Datenerhebung, Bewertung, Maßnahmen, Überwachung).

    • Standardformulare: Strukturierte Bewertung der Teilkriterien durch Teams oder Gutachter.

    • Simulation einer Award-Bewerbung: Höchster Aufwand und höchste Genauigkeit; vollständige Dokumentation.

  • Der Selbstbewertungsprozess:

    • Engagement entwickeln -> Planung (Bereiche, Methoden) -> Teamdefinition und Schulung (Assessoren) -> Bekanntmachung und Datenerhebung -> Durchführung der Selbstbewertung -> Erarbeitung des Maßnahmenplans (Priorisierung nach Vision/Mission) -> Umsetzung durch Teams -> Fortschrittskontrolle (Zyklus alle 11 bis 22 Jahre).

Der European Quality Award (EQA)

  • Seit 19921992 jährlich von der EFQM ausgeschrieben.

  • Sponsoren: EFQM, Europäische Kommission, European Organisation for Quality (EOQ).

  • Ideeller Preis (keine Geldpreise).

  • Ziele: Verbreitung von TQM in Europa, Festigung der Weltmarktposition.

  • Deutsches Pendant seit 19971997: Ludwig-Erhard-Preis.

  • Vorteile einer Bewerbung: Schärfung des Fokus, objektive externe Bewertung durch Experten, Lernen von erfahrenen Führungskräften.

Kritische Würdigung des Modells

  • Potenzielle Vorteile:

    • Offenes Modell mit breiter Anwendbarkeit.

    • Hohe Mitarbeiterorientierung und Eigenbeteiligung durch Selbstbewertung.

    • Ganzheitlicher TQM-Ansatz inklusive Umwelt- und Stakeholder-Integration.

    • Förderung kontinuierlicher Optimierung und Prozessorientierung.

    • Objektives Feedback und Marketingvorteile bei Gewinn.

  • Potenzielle Nachteile:

    • Kein definiertes Ende; Gefahr der Demotivation bei ausbleibenden schnellen Erfolgen.

    • Gefahr der "Betriebsblindheit" bei rein internen Verfahren.

    • Hohe direkte und indirekte Kosten (geschätzte indirekte Kosten: 130.000130.000\,\text{€}).

    • Hoher Aufwand führt zu Ermüdungseffekten.

    • Schwierige Umsetzung ohne externe Beratung.

    • Kritik an der Willkürlichkeit der Gewichtung und Punkteverteilung.

Übungsfragen & Diskussion

  1. Nennen und erläutern Sie die acht Eckpunkte der "Business Excellence" gemäß EFQM.

  2. Nennen Sie die Befähiger- und Ergebniskriterien des EFQM-Modells. Was ist unter Befähiger- und Ergebniskriterien zu verstehen?

  3. Erläutern Sie das Befähigerkriterium "Mitarbeiter" des EFQM-Modells.

  4. Welche fünf Schritte sind in der praktischen Anwendung des EFQM-Modells zu durchlaufen?

  5. Welchen Zweck verfolgt die WEGWEISER-Karte des EFQM-Modells?

  6. Warum führen Unternehmen eine Selbstbewertung durch?

  7. Beschreiben Sie zwei mögliche Methoden der Selbstbewertung.

  8. Nennen Sie mögliche Nachteile des EFQM-Konzepts.