Typologie Fragenk-antw.docx

System: zusammenhängendes Ganzes, das aus mehreren Teilen besteht, die organisch zusammenhängen und zusammenwirken – sprachliche Einheiten in einem System (wie Beziehungen und Regeln, wie sie miteinander interagieren) sind Voraussetzung, um sich in der Sprache verständigen zu können

Typ: Typen sind Merkmalsbündel / Konstrukte, der Entitäten (Entität = Token des Typs) zugehören – dient dem Zweck diese nach bestimmten Prinzipien zu strukturieren

Idealform vs. Realform: Idealform ist theoretisches und perfektes Modell – Realform ist tatsächliche Erscheinung des Modells in der Praxis, Realformen sind Mischformen

Partielle Typologie: eine Typologie, die noch weitere Typologien zulässt und nur bestimmte Teile eines Sprachsystems betrachtet (im Gegensatz zu holistischer Typologie: ganzheitlich)

Struktur vs. Architektur einer Sprache: Struktur bezieht sich auf grammatikalisch-lexikalische Organisation einer Sprache (Morphologie, Syntax, Semantik, Phonologie) – Architektur umfasst Varietäten, soziale sowie funktionale Variation (Dialekte, Soziolekte)

Similarität: strukturelle Ähnlichkeit zwischen Entitäten (typologische Verwandtschaft)

Kontiguität: Nähe bzw. Nachbarschaft von Entitäten im Raum (genetische Verwandtschaft)

Emergenz: Auftreten neuer Eigenschaften

Brøndals Kompensationsprinzip: Balance zwischen Strukturen einer Sprache, also gibt nie mehr markierte Phänomene als unmarkierte

Nominalinkorporation: ein Nomen wird in sein Verb integriert und verliert seine syntaktische Selbstständigkeit

Inklusiver Plural: Plural; einschließlich Sprecher, Adressat und dritte Person (exklusiv: ohne Adressat)

Absolutiv: Kasus in Absolutiv-Ergativ-Sprachen, markiert transitives Objekt und intransitives Subjekt (Absolutiv meist unmarkiert)

Aktivsprache: in Aktivsprachen werden Subjekte nach semantischer Rolle (Agens od. Patiens) untersch. markiert (z.B.: Georgisch)

VSO: Verb-Subjekt-Objekt ist grundlegende Wortstellung in einigen Sprachen – VSO-Sprachen haben typischerweise auch Präpositionen, alternative Stellung SVO, etc.

Inalienabilität: bezieht sich auf Besitzverhältnis, inalienabler (nicht übertragbarer) Besitz wird von alienablem (übertragbar) Besitz wird in manchen Sprachen unterschiedlich ausgedrückt (z.B.: durch Suffixe vs. eigenständige Pronomen)

Begriff der Typologie anhand hippokratischer Temperamentenlehre:

Hippokratische Temperamentenlehre ist ein Bsp. für die Entstehung einer Typologie – Hippokrates wollte eine große Menge von Menschen in Typen ordnen mit Körpersäften als die zugrundeliegenden Ausprägungen der Merkmale, die hinter den Typen vermutet werden.

Große Menge, die nicht überschaubar ist, soll strukturiert werden → Menge an Merkmalen, die als Eigenschaften an den Individuen der Gesamtmenge beobachtbar sind → kleine Menge von Typen; Einzelobjekte werden dieser, je nach Merkmal zugeordnet

- Keine beliebige Einteilung nach ad hoc gewählten Kriterien, sondern Theorie für eine aussagekräftige Gliederung

„la langue es tun système où tout se tient“ vs. „all grammars leak“:

Saussure betont, dass „langue“ ein System ist indem Alles zusammenpasst und zusammenhängt (nicht realistisch) – Sapir erkannte, dass keine Sprache perfekt konsistent ist (haben Ausnahmen und Unregelmäßigkeiten)

Namensgeber der „Typologie“:

Georg von Gabelenz in seinem Werk „die Sprachwissenschaft, ihre Aufgaben, Methoden und bisherigen Ergebnisse“ 1901

Arten von Sprachvergleich:

Ahistorisch, historisch (Ziel: Nachweis von Sprachverwandtschaft), Areal (Vergleich von Sprachen, die in einem engen Territorium existieren > Sprachkontakte feststellen, z.B. Balkansprachen)

3 Typen von Universalien:

Absolut/elementar, statistisch, relativ/implikativ

Greenbergs Universalien Nr. 3, 5, 17 & 24 als Implikationen:

3 = VSO → Präp. (VSO-Sprachen verwenden tendenziell Präpositionen)

5 = SOV + NGen → NAdj (in SOV-Sprachen mit NGen ist das Adjektiv dem Nomen nachgestellt)

17 = VSO → NAdj (in VSO-Sprachen Adj. dem Nomen nachgestellt)

24 = ReIN → Postp. Oder AdjN (Wenn Rel.satz dem Nomen vorangestellt, tendenziell Postpositionen oder Adj. auch vorangestellt)

NGen → NRel ←→ RelN → GenN

Wenn das Nomen vor dem Genitiv steht (NGen), dann steht das Nomen auch vor dem Relativsatz (NRel). Umgekehrt, wenn der Relativsatz vor dem Nomen steht (RelN), dann steht auch der Genitiv vor dem Nomen (GenN).

Singular ← Plural ← Dual ← Trial (Paukal) ← Quadral

(Implikationshierarchie – vom Spezifischen zum Allgemeinen)

Wenn Sprache Quadral hat, dann auch Trial & Dual auch Plural etc.

A ≠ S ≠ P (um welchen Typ handelt es sich hierbei?)

Agens, Subjekt und Patiens sind unterschiedlich markiert → tripartitiver Typ

sum.: lugal-e bad-Ø i-n-sig

König-ERG Mauer-ABS LNK-3SG.ACT-niederreißen.PST

Sumerisch: lugal: König -e: Ergativmarker (zeigt das Subjekt in einer ergativen Konstruktion an); bad: Mauer-Ø: Nullmorphem, kennzeichnet den Absolutiv (keine explizite Markierung); i-: LNK (Linker, verbindet die Satzteile) m-n-: 3SG.ACT (3. Person Singular, aktiv)-sig: niederreißen (Verb, im Präteritum) → Der König riss die Mauer nieder.

čukč.: 'aaček-at ine-nl 'etet-g 'e-t kimit '-e

Jugendliche-ABS ANTIP-transportieren-AOR.3SG.S-PL Last-INST

Cukcisch: ’aacček: Jugendliche -at: Absolutivmarker; ine-: ANTIP (Antipassivmarker) -nl’etet: transportieren (Verb) -g’e-: AOR.3SG.S (Aorist, 3. Person Singular Subjekt) -t: Plural (Pluralmarker); kimit’: Last -e: Instrumentalmarker → Die Jugendlichen transportieren die Last.

lat.: insul-arum terr-arum =que investigation-es

Insel-GEN.PL Land-GEN.PL=und Erforschung-NOM.PL

Latein: insul-: Insel -arum: Genitiv Plural; terr-: Land -arum: Genitiv Plural =que: und (Enklitisches „und“); investigation-: Erforschung -es: Nominativ Plural → Die Erforschung der Inseln und Länder.

Zwei Sprachen mit sehr reichhaltigen Phonemsystemen (> 80 Phoneme): !Xoo und Ubychisch

Pirahã: die Sprache ist bekannt für seine einfache Phonologie und die Abwesenheit von Zahl- und Farbwörtern

Alignmenttyp des Georgischen: Split-S-Alignment

Holistischer Ansatz in der Typologie: Ansatz für eine holistische (ganzheitliche) Typologie ohne konkurrierende Typologien - ist der ursprüngliche Ansatz gewesen (Idealvorstellung)

Die 4 klassischen morphologischen Typen:

1) Isolierend: Unveränderliche Wurzel – grammatische Funktionen durch eigenständige Wörter ausgedrückt (z.B. Chinesisch, Thai)

2) Agglutinierend: grammatische Funktionen durch Affixe ausgedrückt, jedes Affix übernimmt eine Funktion (z.B. Türkisch, Finnisch)

3) Flektierend: Flektiertes Wort trägt grammatische Kategorie, oft auch mit Endungen (z.B. Latein)

4) Polysynthetisch/inkorporierend: Vielfachzusammensetzung von Morphemen, teilweise zu Satzwörtern, hohe Anzahl an Affixen mit streng vorgegebener Reihung (z.B.: Tschuktschisch)