Essstörungen - Lehrveranstaltung Zusammenfassung

Essstörungen sind häufige Phänomene bei jungen Frauen in der Pubertät. Diese Störungen können erhebliche Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit haben und sind oft eng mit sozialen und kulturellen Umständen verbunden. Ein hoher Prozentsatz junger Frauen ist unzufrieden mit ihrem Körpergewicht oder ihrer Figur und setzt regelmäßig Diäten oder gewichtreduzierende Maßnahmen ein, was die Hemmschwelle für die Entwicklung ernster gesundheitlicher Probleme senkt.

Übermäßige Beschäftigung mit Figur und Gewicht kann später zu klinisch relevanten Essstörungen führen. Es ist wichtig, frühe Warnzeichen zu erkennen, um rechtzeitig intervenieren zu können.

Adipositas

Adipositas wird im DSM-5 nicht als eigene Essstörung klassifiziert, ist jedoch ein ernstes Gesundheitsproblem, das in vielen Kulturen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es ist multifaktoriell bedingt und hat neurologische sowie psychische Zusammenhänge. Oft kann Adipositas das Ergebnis von genetischen Faktoren, umweltbedingten Einflüssen und Verhaltensweisen wie ungesundem Essen und Bewegungsmangel sein. Es wurde ein Zusammenhang zwischen Adipositas und Binge-Eating-Störungen festgestellt, die sich durch wiederholte Episoden des Überessens ohne anschließende kompensatorische Verhaltensweisen definieren.

Anorexia Nervosa

Diagnosekriterien (DSM-5):
Eingeschränkte Energieaufnahme führt zu signifikant niedrigem Körpergewicht.
Ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme oder Verhalten, das Gewichtszunahme entgegentwirkt, führen häufig zu einer extremen Kalorieneinschränkung.
Die Störung der Selbstwahrnehmung und die Überbewertung des Körpergewichts auf die Selbstwertschätzung spielen eine zentrale Rolle.

BMI-Schweregradeinteilung (WHO):

  • Leicht: BMI ≥ 17 kg/m²
  • Mittel: BMI 16–16,9 kg/m²
  • Schwer: BMI 15–15,9 kg/m²
  • Extrem: BMI < 15 kg/m²

Anorexie weist eine hohe Sterberate von 10-15 % auf, die häufig verursacht wird durch:

  • Infektionen (41 %),
  • Herz-Kreislauf-Probleme (25 %),
  • Suizid (17 %).

Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt ca. 15 Jahre, was die Notwendigkeit einer frühzeitigen Intervention unterstreicht.

Bulimia Nervosa

Diagnosekriterien:
Wiederholte Episoden von Essanfällen sind gekennzeichnet durch große Nahrungsmengen in kurzer Zeit und einem Kontrollverlust über das Essverhalten.
Um die durch die Essanfälle verursachte Gewichtszunahme zu vermeiden, führen Betroffene Kompensationsmaßnahmen durch, wie selbstinduziertes Erbrechen oder Missbrauch von Laxanzien oder Diuretika.
Essanfälle müssen mindestens einmal pro Woche über 3 Monate auftreten, um die Diagnose zu stellen.
Das Körpergewicht liegt typischerweise zwischen einem BMI von 18,5 und 30 kg/m², was die Herausforderung ihrer Sichtbarkeit bei Übergewichtigen und Untergewichtigen darstellt.

Binge-Eating-Störung

Diagnosekriterien:
Wiederholte Episoden von Essanfällen, jedoch ohne entsprechende kompensatorische Maßnahmen, prägen diese Störung.
Betroffene erleben häufig Beschwerden nach Essanfällen, einschließlich Scham, Schuldgefühle oder Ekel gegenüber sich selbst, was zu einem Teufelskreis führen kann.

Epidemiologie der Essstörungen

Gestörtes Essverhalten ist in der Normalbevölkerung weit verbreitet, besonders bei Frauen in der Adoleszenz. Zwei Drittel der jungen Frauen versuchen, ihr Gewicht zu regulieren; jede fünfte hat gelegentlich Essanfälle, was zu ernsthaften psychischen und physischen Gesundheitsproblemen führen kann.
Lebenszeitprävalenzen zeigen:

  • 2,9 % bei weiblichen Personen und 0,1 % bei männlichen Personen.
    Hohe Wahrscheinlichkeiten bestehen, dass Essstörungen vor 25 Jahren diagnostiziert werden, was die erforderlichen präventiven Maßnahmen hervorhebt.

Risikofaktoren

Für Anorexia:

  • Körperliche Unzufriedenheit,
  • Diäten,
  • depressive Symptome.

Für Bulimia:

  • Diäten,
  • negative Affekte.

Für Binge-Eating:

  • Druck, schlank zu sein,
  • Verinnerlichung eines schlanken Ideals,
  • psychiatrische Morbidität, was die Notwendigkeit betont, psychische Gesundheit zu fördern.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist die Normalisierung des Essverhaltens und des Gewichts, sowie die Analyse und Bearbeitung zugrunde liegender Problematiken.
Besonderes Augenmerk wird auf die Selbstwahrnehmung und die Akzeptanz des Körpers gelegt, um das Selbstwertgefühl der Betroffenen zu stärken.
Indikationen für stationäre Behandlung hängen stark vom Schweregrad der Erkrankung und der psychischen Komorbidität ab, was eine individuell angepasste Berücksichtigung notwendig macht.