Textile Faserstoffe - Tierische Fasern Flashcards
Gewinnung und Sortierung von Schurwolle
Definition und Ursprung:
Schurwolle wird durch das Scheren von lebenden Schafen gewonnen.
Der Ursprungstier ist das Schaf.
Der Gewinnungsprozess:
Die Schur erfolgt Mal pro Jahr mit einer elektrischen Schermaschine.
Vorbereitung: Nach dem Scheren werden stark verunreinigte Rand- und Bauchstücke abgerissen und gesondert gesammelt.
Weiterverarbeitung: Die Wollvliese werden in großen Wollwaschmaschinen gewaschen, getrocknet und anschließend zu Ballen gepresst.
Wollsorten nach Schafrasse:
Cheviotwolle: Lange Fasern, grob, flachbogig bis schlicht.
Crossbredwolle: Mittellange Fasern, mittelfein, normalbogig.
Merinowolle: Kurze Fasern, fein, hochbogig (stark gekräuselt).
Wollarten nach Gewinnungsart:
Schurwolle: Gewonnen von lebenden Schafen; vorher nicht verwendet; keine faserschädigende Behandlung.
Sterblingswolle: Wolle von toten Schafen.
Gerberwolle: Fällt als Nebenprodukt beim Gerbungsprozess an.
Reißwolle: Regenerierte Wolle aus Alttextilien oder Schnittresten.
Eigenschaften der Schurwolle
Isolier- und Warmhaltevermögen: Sehr gut. Die Kräuselung schließt zwischen den Fasern ruhende Luft ein, was die Wärme dämmt.
Feuchtigkeitsaufnahme:
Hohe Feuchtigkeitsaufnahme: ca. im Normalklima, absolut bis zu .
Besonderheit: Trotz hoher Aufnahme perlt Wasser an der Oberfläche einfach ab.
Dehnung und Elastizität:
Bruchdehnung:
Elastische Dehnung:
Filzfähigkeit: Verfilzt bei Einwirkung von Feuchtigkeit, Wärme, mechanischer Bewegung (Stauchen, Kneten, Pressen) und Vollwaschmittel. Ursache ist die Schuppenstruktur an der Faseroberfläche.
Hitzebeständigkeit: Mittlere Beständigkeit bis zu . Es darf nur mit einer mittleren Bügeleiseneinstellung gebügelt werden.
Waschfestigkeit: Gering. Maschenware ist nur bedingt bei ohne mechanische Beanspruchung und mit Feinwaschmittel waschbar.
Brennbarkeit: Schwer entflammbar aufgrund des hohen Feuchtigkeits- und Stickstoffgehalts.
Raumklima: Wirkt luftreinigend durch Absorption und Bindung von Schadstoffen.
Verhalten bei der Brennprobe (Schurwolle)
Flamme: Flackernd, neigt dazu, von selbst auszugehen.
Geruch: Riecht nach verbrannten Haaren oder Horn.
Rückstand: Schwarze, blasenartige Ascherückstände, die sich leicht zerdrücken lassen.
Verwendung von Wolle
Feine Crossbredwollen: Möbelbezugstoffe, Wollfilze, Wollwatten für hochwertige Polsterungen.
Mittlere bis grobe Crossbredwolle: Läufer, Teppiche und Teppichböden.
Mohair: Gewinnung und Eigenschaften
Ursprungstier: Angoraziege.
Erzeugerländer: Türkei, USA (Texas), Südafrika, Argentinien, Neuseeland, Australien.
Gewinnung:
Schur erfolgt Mal jährlich.
Die Haare werden nach Qualität (insbesondere Feinheit) sortiert.
Mit zunehmendem Alter der Ziege werden die Haare gröber.
Nach dem Trocken erfolgt der Verkauf.
Haarstruktur und Farbe:
Farbe: Weiß.
Struktur: Leicht gewellt, geringe Schuppenstruktur, glatte Faseroberfläche.
Optik: Eleganter Glanz.
Warenzeichen: MOHAIR VELOURS.
Spezifische Eigenschaften von Mohair
Zugfestigkeit: Mittlere Zugfestigkeit, abhängig von der Feinheit; nimmt im nassen Zustand ab.
Scherwiderstand: Gut, abhängig von der Feinheit.
Strapazierfähigkeit: Befriedigend bis gut.
Feuchtigkeitsaufnahme: Hoch; wirkt antistatisch (zieht keinen Staub an).
Elastizität: Hohe Elastizität und gutes Wiederholungsvermögen; Druckstellen erholen sich schnell.
Filzfähigkeit: Im Gegensatz zu Schurwolle nicht filzfähig.
Reinigungsfähigkeit: Da die Oberfläche glatt ist, bleibt Schmutz kaum haften; leicht zu reinigen.
Brennbarkeit: Schwer entflammbar; die Flordecke hemmt die Ausbreitung von Flammen. Brennprobe identisch mit Schurwolle.
Raumausstatter-Einsatz: Möbelvelours und Heimtextilien (Decken).
Maulbeerseide
Herkunft und Qualität: Produkt des Maulbeerspinners. Gilt als die edelste Textilfaser mit weichem Griff und edlem Glanz.
Erzeugerländer: China, Japan, Korea, Indien, vereinzelt Südfrankreich und Italien.
Entwicklungszyklus der Seidenraupe:
Schmetterling: Legt nach der Paarung etwa mohnkorngroße Eier.
Raupe: Schlüpft nach Tagen (). Wächst in Tagen auf fingerdicke Größe heran.
Kokon: Die Raupe spinnt sich ein.
Puppe: Umwandlung zurück zum Schmetterling.
Gewinnung und Verarbeitung der Seide
Gewinnungsprozess:
Die Kokons werden eingesammelt; die Puppen werden durch Dampf oder heiße Luft getötet, um das Zerstören des Fadens beim Ausschlüpfen zu verhindern.
Der Seidenleim (Sericin) wird im heißen Wasserbad aufgelöst.
Kreisende Bürsten suchen den Fadenanfang.
Fäden mehrerer Kokons () werden zusammengefasst und auf eine Haspel aufgewickelt.
Seidenarten nach Länge:
Haspelseide / Realeseide (Rohseide): lang.
Schappeseide: Verbleibende Kokonseide, ca. lang (weniger wertvoll).
Bouretteseide: Abfälle der Schappeseide, ca. lang.
Veredelung:
Entbasten: Abkochen in Seifenwasser zur Entfernung des Seidenleims.
Erschweren: Da beim Entbasten Gewicht verloren geht, wird das Gewebe mit vegetabilen Stoffen oder Metallsalzen behandelt. Dies sorgt für Gewichtsausgleich und besseren Glanz, kann aber bei Übermaß zur Brüchigkeit führen.
Eigenschaften der Maulbeerseide
Physikalische Daten:
Feinheit: .
Farbe: Weiß bis leicht gelblich.
Zugfestigkeit: Höchste Zugfestigkeit aller Naturfasern (Trocken: , Nass: ).
Dehnung: Bruchdehnung , elastische Dehnung .
Weitere Merkmale:
Scherwiderstand: Hoch.
Feuchtigkeitsaufnahme: Hoch.
Hitzebeständigkeit: Mittel, bis zu .
Waschfestigkeit: Gering.
Lichtbeständigkeit: Gering (Sonneneinstrahlung führt zu Festigkeitsverlust und Farbveränderung).
Brennprobe: Ähnlich wie Schurwolle (Geruch nach Haar/Horn). Mit Metallsalzen erschwerte Seide glüht nach; die Fadenstruktur bleibt dabei oft erhalten.
Tussah-Seide (Wildseide)
Ursprung: Tussahspinner aus China, Japan oder Indien.
Gewinnung: Kokons werden erst nach dem Ausschlüpfen des Schmetterlings gesammelt, daher werden sie zerfasert und nach dem Schappespinnverfahren verarbeitet. Sie wird kaum entbastet.
Unterschiede zur Maulbeerseide:
Feinheit: Gröber, zwischen und .
Gleichmäßigkeit: Ungleichmäßig mit knötchen- oder flammenartigen Verdickungen.
Farbe: Natürliche gelbliche bis braune Farbe; schwer bleichbar.
Griff: Rauher und härter, da der Seidenleim meist erhalten bleibt.
Glanz: Geringer und ungleichmäßiger Glanz.
Verwendung: Hochwertige Dekorations- und Wandbekleidungsstoffe, exklusive Möbelbezugsstoffe.