Financial Accounting – Fundamentals (Lecture 1)
- Name der Veranstaltung: Finanzbuchhaltung (Sommersemester 2025)
- Hochschule: Hochschule Heilbronn – Reinhold-Würth-Hochschule, Campus Künzelsau
- Dozierender: Univ.-Doz. PD Dr. Tim Alexander Herberger
- Vertretungsprofessor für Betriebswirtschaft und Management
- Akademischer Werdegang:
- 2007: Abschluss BWL (FAU Erlangen-Nürnberg & Univ. St. Gallen)
- 2012: Promotion Dr. rer. pol., Otto-Friedrich-Universität Bamberg
- 2023: Habilitation im Fach BWL, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
- Berufliche Stationen & Schwerpunkte:
- Seit 2018: Lehrstuhlleiter Entrepreneurship, Finanzwirtschaft & Digitalisierung (Andrássy Univ. Budapest)
- Seit 2016: Unternehmer (Franchisenehmer Tourismusindustrie)
- Forschungs-/Lehrschwerpunkte: Finance, Kapitalmärkte, Humankapital, Rechnungswesen, Digitalisierung, Sportmanagement
Lernziele
- Nach Abschluss der Lehrveranstaltung können Studierende …
- die Einbettung der Finanzbuchhaltung (FBH) in das Rechnungswesen erläutern
- FBH als Dokumentations-, Informations- & Rechnungslegungsinstrument einsetzen
- Kreditoren- vs. Debitorenbuchhaltung unterscheiden
- die Rechenschaftsfunktion der FBH nutzen
- das Prinzip der doppelten Buchführung anwenden
- Geschäftsvorfälle analysieren und buchen
Inhalte (Modulübersicht)
- Grundlagen der Finanzbuchhaltung (FBH)
- Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung & Bilanzierung (GoB)
- Buchungen auf Bestands- & Erfolgskonten
- Aufstellung von Bilanz & GuV
- Kontenrahmen und ‑plan
- Verbuchungsschwerpunkte:
- Beschaffung, Produktion, Absatz (inkl. Umsatzsteuer)
- Privatkonto, Darlehensaufnahme, Personalbereich, Anlagenwirtschaft
Organisation & Termine
- Präsenz-Blöcke (Raum KG001a): jeweils Montag 09:45–11:15 Uhr & 11:30–13:00 Uhr
- 17.03., 24.03., 31.03., 07.04., 14.04., 28.04., 05.05., 12.05., 19.05., 26.05., 02.06., 16.06., 23.06. 2025
- Sprechstunde: nach Terminvereinbarung per E-Mail
- Kontakt: \text{tim.herberger@hs-heilbronn.de}
Ressourcen
- Lehrmaterialien werden sukzessive auf ILIAS bereitgestellt
Prüfung
- Schriftliche Klausur (60 Minuten)
1 Grundlagen der Finanzbuchhaltung
1.1 Stakeholder eines Unternehmens
- Interne Stakeholder:
- Mitarbeitende, Top-Management, Eigentümer (Shareholder)
- Externe Stakeholder:
- Kunden, Lieferanten/Partner, Fremdkapitalgeber, Staat (Legislative/Exekutive/Judikative), Wettbewerber, Organisationen (Verbände, Gewerkschaften u. a.)
- Motivation & Interessen: teils homogen, teils heterogen
- Visualisierung: Unternehmensprozesse im Zentrum, interne/externe Gruppen als Anspruchsgruppen
- Differenzierung nach Aktiv- & Passivseite:
- Aktiv: Eigenkapital, bestellte aber noch nicht bezahlte Waren
- Passiv: Fremdkapital (Lieferantenkredit, langfristige Finanzdarlehen > 1 Jahr, kurzfristige Verbindlichkeiten < 1 Jahr, nicht gezahlte Umsatzsteuer)
- Nicht zahlungswirksame Geschäftsvorfälle:
- Beispiel Abschreibung (lineare Methode, Werteverzehr Anlage- & Umlaufvermögen)
1.3 Externes vs. Internes Rechnungswesen
- Extern: Finanzbuchhaltung, Jahresabschluss, Adressat öffentlich (z. B. Aktien zur Altersvorsorge)
- Intern: Kosten- und Leistungsrechnung, Planungs- & Kontrollinstrument (Rückgriff auf Kostenfaktoren; Unternehmens- & Projekterfolg ermitteln)
1.4 Grundbegriffe der wertmäßigen Veränderungen
- Geldvermögensänderung: Einnahmen vs. Ausgaben
- Reinvermögensänderung: Erträge vs. Aufwendungen
- Wertgleichungen:
- Ertrag - Aufwand = Gesamtergebnis
- Erlöse - Kosten = Betriebsergebnis
1.5 Aufwand, Kosten und Ergebnisgrößen
- Ordentliches Ergebnis (betriebsbedingt) vs. neutrales Ergebnis (betriebsfremd, außerordentlich)
- Erfolgsspaltungskonzept: Klassifizierung in ordentliche/neutrale Aufwendungen & Erträge
- Detailabgrenzung Aufwand ↔ Kosten:
- Betriebsfremder Aufwand
- Außerordentlicher Aufwand
- Bewertungsbedingter Aufwand
- Kalkulatorische (Mehr-)Abschreibungen
- Kalkulatorische Wagnisse
- Zusatzkosten/Anderskosten
- Beispielrechnung (Gesamt- vs. Betriebsergebnis):
- Betriebsgewinn als Residualgewinn – Markt honoriert Risikoübernahme
1.6 Cash-Flow und Finanzkraft
- Maßgrößen der Ertrags- & Finanzkraft: operative, Investitions- und Finanzierungs-Cashflows
- Ermittlungsmethoden:
- Direkte Methode (Ein-/Auszahlungen)
- Indirekte Methode (GuV-Ableitung)
- Vereinfachte Cash-Flow-Berechnung (Annahme Zahlungswirksamkeit aller Posten außer):
- Zuführung zu Pensionsrückstellungen (-120)
- Abschreibungen (-480)
- Verwendung des operativen Cashflows:
- Finanzierung von Investitionen, Schuldentilgung, Dividenden, Liquiditätsreserve
1.7 Jahresabschluss: Bestandteile & Darstellung
- Kernkomponenten (Handelsrecht): Bilanz, GuV, Anhang, ggf. Lagebericht, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel
- Inventar vs. Bilanz:
- Inventar: detaillierte Mengen- und Wertaufstellung
- Bilanz: kurz verdichtete Darstellung (Mittelverwendung ↔ Mittelherkunft)
- GuV-Formen:
1.8 Bilanzanalyse & Beispielrechnungen
- Übungsaufgabe: Analyse von 2023-Bilanzen (Deutsche Post, Fresenius Medical Care, Mercedes-Benz Group, Qiagen, Siemens)
- Szenarien:
- Kapitalrückzahlung bei Liquidation
- Gewinnfall: EK1 - EK0 = +200
- Verlustfall: EK1 - EK0 = -100
- Überschuldung: EK1 - EK0 = -550
- Kapitalflussrechnung & Eigenkapitalspiegel: Frühwarnsystem zur Insolvenzprophylaxe
- Interne vs. externe Bilanzadressaten
- Informationsziele: Urteil über Insolvenzrisiko & Ertragskraft
- Funktionen des Jahresabschlusses:
- Dokumentation, Rechenschaft, Gewinnermittlung, Ausschüttungsbemessung, Informationsbereitstellung, Gläubigerschutz
- Zahlungsansprüche der Adressaten: z. B. Dividenden, Zinsen, Tilgungen
- Ökonomischer Informationswert zentraler Kennzahlen (EK-Quote, Cashflow, Gewinn, Liquiditätsgrade)
- Optimistische vs. pessimistische Bilanzierung: Einfluss auf Erfolgsausweis und Adressatenurteil
1.10 Bilanzierungsgrundsätze & Regulatorische Vorgaben
- Bilanzierungsgrundsätze zum Schutz der Adressaten (Vorsichts-, Realisations-, Imparitätsprinzip u. a.)
- Übergeordnete Prinzipien: Klarheit, Vollständigkeit, Kontinuität, Wesentlichkeit
- Risikoorientierte Einteilung der Adressaten & abgestufter Schutzbedarf
- Gestufte Vorschriften zum Jahresabschluss nach Unternehmensgröße (Handelsrecht)
Verknüpfungen & Relevanz
- Verbindung zu vorangegangenen BWL-Grundlagen (Unternehmensziele, Risiko, Kapitalstruktur)
- Praktische Relevanz:
- Kapitalmarktkommunikation (BlueChips-Analyse)
- Managemententscheidungen (Cash-Flow als Investitionsspielraum)
- Gläubigerschutz & Insolvenzprävention
- Ethische/Philosophische Dimension: Bilanzierung als Vertrauensbasis; Pflicht zur wahrheitsgemäßen, vorsichtigen Darstellung vs. Anreiz zum „Window Dressing“
Merkhilfen & Beispiele
- Nicht zahlungswirksam ≠ wertlos: Abschreibungen senken Gewinn, aber schonen Liquidität
- Formel-Shortcuts:
- G = Ertrag - Aufwand (Gesamtergebnis)
- B = Erlös - Kosten (Betriebsergebnis)
- \Delta EK = EK{1} - EK{0} (Periodenerfolg)
- Gedächtnisanker GoB: „VIVA KV“ – Vollständigkeit, Identität, Vorsicht, Abgrenzung, Klarheit, Verrechnungsverbot
Ausblick
- Nächste Sitzungen: Vertiefung Buchungstechnik (Bestands-/Erfolgskonten), Kontenrahmen SKR, Umsatzsteuerlogik, Personal- & Anlagenbuchungen.
- die Einbettung der Finanzbuchhaltung (FBH) in das Rechnungswesen erläutern - FBH als Dokumentations-, Informations- & Rechnungslegungsinstrument einsetzen - Kreditoren- vs. Debitorenbuchhaltung unterscheiden - die Rechenschaftsfunktion der FBH nutzen - das Prinzip der doppelten Buchführung anwenden - Geschäftsvorfälle analysieren und buchen ## Inhalte (Modulübersicht) - Grundlagen der Finanzbuchhaltung (FBH) - Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung & Bilanzierung (GoB) - Buchungen auf Bestands- & Erfolgskonten - Aufstellung von Bilanz & GuV - Kontenrahmen und
-plan - Verbuchungsschwerpunkte: - Beschaffung, Produktion, Absatz (inkl. Umsatzsteuer) - Privatkonto, Darlehensaufnahme, Personalbereich, Anlagenwirtschaft ## Organisation & Termine - Präsenz-Blöcke (Raum KG001a): jeweils Montag 09:45
enDash11:15 Uhr & 11:30
enDash13:00 Uhr - 17.03., 24.03., 31.03., 07.04., 14.04., 28.04., 05.05., 12.05., 19.05., 26.05., 02.06., 16.06., 23.06. 2025 - Sprechstunde: nach Terminvereinbarung per E-Mail - Kontakt: \text{tim.herberger@hs-heilbronn.de} ## Ressourcen - Lehrmaterialien werden sukzessive auf ILIAS bereitgestellt ## Prüfung - Schriftliche Klausur (60 Minuten) ## 1 Grundlagen der Finanzbuchhaltung ### 1.1 Stakeholder eines Unternehmens - Interne Stakeholder: - Mitarbeitende, Top-Management, Eigentümer (Shareholder) - Externe Stakeholder: - Kunden, Lieferanten/Partner, Fremdkapitalgeber, Staat (Legislative/Exekutive/Judikative), Wettbewerber, Organisationen (Verbände, Gewerkschaften u. a.) - Motivation & Interessen: teils homogen, teils heterogen - Visualisierung: Unternehmensprozesse im Zentrum, interne/externe Gruppen als Anspruchsgruppen ### 1.2 Rechnungswesen als Bestandteil des betrieblichen Informationssystems - Differenzierung nach Aktiv- & Passivseite: - Aktiv: Eigenkapital, bestellte aber noch nicht bezahlte Waren - Passiv: Fremdkapital (Lieferantenkredit, langfristige Finanzdarlehen > 1 Jahr, kurzfristige Verbindlichkeiten ### 1.3 Externes vs. Internes Rechnungswesen - Extern: Finanzbuchhaltung, Jahresabschluss, Adressat öffentlich (z. B. Aktien zur Altersvorsorge) - Intern: Kosten- und Leistungsrechnung, Planungs- & Kontrollinstrument (Rückgriff auf Kostenfaktoren; Unternehmens- & Projekterfolg ermitteln) ### 1.4 Grundbegriffe der wertmäßigen Veränderungen - Geldvermögensänderung: Einnahmen vs. Ausgaben - Reinvermögensänderung: Erträge vs. Aufwendungen - Wertgleichungen: - Ertrag - Aufwand = Gesamtergebnis - Erlöse - Kosten = Betriebsergebnis ### 1.5 Aufwand, Kosten und Ergebnisgrößen - Ordentliches Ergebnis (betriebsbedingt) vs. neutrales Ergebnis (betriebsfremd, außerordentlich) - Erfolgsspaltungskonzept: Klassifizierung in ordentliche/neutrale Aufwendungen & Erträge - Detailabgrenzung Aufwand
enleftrightarrow Kosten: 1. Betriebsfremder Aufwand 2. Außerordentlicher Aufwand 3. Bewertungsbedingter Aufwand 4. Kalkulatorische (Mehr-)Abschreibungen 5. Kalkulatorische Wagnisse 6. Zusatzkosten/Anderskosten - Beispielrechnung (Gesamt- vs. Betriebsergebnis): - Betriebsgewinn als Residualgewinn
enDash Markt honoriert Risikoübernahme ### 1.6 Cash-Flow und Finanzkraft - Maßgrößen der Ertrags- & Finanzkraft: operative, Investitions- und Finanzierungs-Cashflows - Ermittlungsmethoden: - Direkte Methode (Ein-/Auszahlungen) - Indirekte Methode (GuV-Ableitung) - Vereinfachte Cash-Flow-Berechnung (Annahme Zahlungswirksamkeit aller Posten außer): - Zuführung zu Pensionsrückstellungen (-120) - Abschreibungen (-480) - Verwendung des operativen Cashflows: - Finanzierung von Investitionen, Schuldentilgung, Dividenden, Liquiditätsreserve ### 1.7 Jahresabschluss: Bestandteile & Darstellung - Kernkomponenten (Handelsrecht): Bilanz, GuV, Anhang, ggf. Lagebericht, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel - Inventar vs. Bilanz: - Inventar: detaillierte Mengen- und Wertaufstellung - Bilanz: kurz verdichtete Darstellung (Mittelverwendung
enleftrightarrow Mittelherkunft) - GuV-Formen: - Kontoform - Staffelform ### 1.8 Bilanzanalyse & Beispielrechnungen - Übungsaufgabe: Analyse von 2023-Bilanzen (Deutsche Post, Fresenius Medical Care, Mercedes-Benz Group, Qiagen, Siemens) - Szenarien: - Kapitalrückzahlung bei Liquidation - Gewinnfall: EK1 - EK0 = +200 - Verlustfall: EK1 - EK0 = -100 - Überschuldung: EK1 - EK0 = -550 - Kapitalflussrechnung & Eigenkapitalspiegel: Frühwarnsystem zur Insolvenzprophylaxe ### 1.9 Informationsbedürfnisse & Schutz der Adressaten - Interne vs. externe Bilanzadressaten - Informationsziele: Urteil über Insolvenzrisiko & Ertragskraft - Funktionen des Jahresabschlusses: - Dokumentation, Rechenschaft, Gewinnermittlung, Ausschüttungsbemessung, Informationsbereitstellung, Gläubigerschutz - Zahlungsansprüche der Adressaten: z. B. Dividenden, Zinsen, Tilgungen - Ökonomischer Informationswert zentraler Kennzahlen (EK-Quote, Cashflow, Gewinn, Liquiditätsgrade) - Optimistische vs. pessimistische Bilanzierung: Einfluss auf Erfolgsausweis und Adressatenurteil ### 1.10 Bilanzierungsgrundsätze & Regulatorische Vorgaben - Bilanzierungsgrundsätze zum Schutz der Adressaten (Vorsichts-, Realisations-, Imparitätsprinzip u. a.) - Übergeordnete Prinzipien: Klarheit, Vollständigkeit, Kontinuität, Wesentlichkeit - Risikoorientierte Einteilung der Adressaten & abgestufter Schutzbedarf - Gestufte Vorschriften zum Jahresabschluss nach Unternehmensgröße (Handelsrecht) ## Verknüpfungen & Relevanz - Verbindung zu vorangegangenen BWL-Grundlagen (Unternehmensziele, Risiko, Kapitalstruktur) - Praktische Relevanz: - Kapitalmarktkommunikation (BlueChips-Analyse) - Managemententscheidungen (Cash-Flow als Investitionsspielraum) - Gläubigerschutz & Insolvenzprävention - Ethische/Philosophische Dimension: Bilanzierung als Vertrauensbasis; Pflicht zur wahrheitsgemäßen, vorsichtigen Darstellung vs. Anreiz zum „Window Dressing“ ## Merkhilfen & Beispiele - Nicht zahlungswirksam
en
equal wertlos: Abschreibungen senken Gewinn, aber schonen Liquidität - Formel-Shortcuts: - G = Ertrag - Aufwand (Gesamtergebnis) - B = Erlös - Kosten (Betriebsergebnis) - \Delta EK = EK{1} - EK{0} (Periodenerfolg) - Gedächtnisanker GoB: „VIVA KV“
enDash Vollständigkeit, Identität, Vorsicht, Abgrenzung, Klarheit, Verrechnungsverbot ## Ausblick - Nächste Sitzungen: Vertief