Business Design, Lean Startup & Ökosystem Design – Zusammenfassung
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• Leitfrage: „Warum und wofür benötigen wir eigentlich Design?“
• Kontext: Grundlagen des Business Design (BD) als methodischer Rahmen, der einen ganzheitlichen Ansatz zur Problemlösung bietet.
• Design dient dazu, komplexe Probleme ganzheitlich zu lösen, indem es die vielfältigen und oft widersprüchlichen Anforderungen von Nutzer:innen (Desirability), Technologie (Feasibility) und Geschäft (Viability) integriert und aufeinander abstimmt.
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• Zitat IDEO/Tim Brown: „Design Thinking ist ein menschenzentrierter Ansatz für Innovation, der … die Bedürfnisse von Menschen, die Möglichkeiten der Technologie und die Anforderungen an den Geschäftserfolg integriert.“ Dies unterstreicht die Notwendigkeit, alle drei Dimensionen gleichwertig zu berücksichtigen.
• Relevante Prinzipien & Methoden aus dem Design-/Innovation-Management umfassen:
– Change by Design ↔ Design Thinking: Hierbei geht es um die Implementierung von Designprinzipien in Veränderungsprozessen und die Nutzung des Design Thinking als Werkzeug zur Gestaltung strategischer Transformationen.
– Customer Insights & Bedürfnisanalyse: Ein tiefes Verständnis der Kundenbedürfnisse und -motivationen ist die Grundlage für menschenzentrierte Innovationen.
– Wirtschaftliche & technische Realisierbarkeit ("Viability" & "Feasibility"): Neben der Attraktivität für den Nutzer muss eine Lösung auch ökonomisch tragfähig und technisch umsetzbar sein.
• Innovationsrichtungen unterscheiden sich in ihrem Ausgangspunkt:
– Technology Push: Innovationen getrieben durch neue technologische Möglichkeiten.
– Market Pull: Innovationen, die aus spezifischen Marktanforderungen oder unerfüllten Kundenbedürfnissen entstehen.
– Design-Driven: Innovationen, die durch eine radikale Neudeutung von Produkten und Dienstleistungen entstehen und oft latente Bedürfnisse adressieren.
• Ziel: Das übergeordnete Ziel ist es, nachhaltige Innovationen zu schaffen, die nicht nur kurzfristigen Erfolg sichern, sondern auch langfristige Kundenbindung fördern.
• Innovationsarten:
– : Schaffung völlig neuer Märkte oder die fundamentale Veränderung bestehender Branchen (z. B. das Smartphone, das die Kommunikationslandschaft revolutionierte; oder die Flaschenpost als Konzept, das herkömmliche Liefermodelle in Frage stellte).
– : Schrittweise Weiterentwicklung und Verbesserung bestehender Produkte, Services oder Prozesse (z. B. jährliche Updates von Software, geringfügige Verbesserungen in der Fertigung).
• Kategorien von Innovationen können nach ihrem Fokus unterschieden werden: Produkt-, Service-, Prozess-, oder Geschäftsmodell-Innovation. Zudem gibt es Unterscheidungen zwischen physischen und immateriellen Innovationen sowie Innovationen für bestehende oder gänzlich neue Märkte.
Seite 6 – Design (Thinking) Mindset
Ein wesentlicher Bestandteil des Design Thinking ist das Mindset, das eine bestimmte Herangehensweise an Problemstellungen fördert:
• Nutzer:innen aktiv befragen und beobachten – „Geh raus und rede mit Kunden“: Dies betont die Empathiephase, in der direktes Feedback und Beobachtung von Nutzer:innen unerlässlich sind, um deren echte Bedürfnisse und Pain Points zu verstehen.
• Iteratives Vorgehen, Feedback-Schleifen, Fehlerkultur: Statt eines linearen Prozesses wird ein zyklisches Vorgehen bevorzugt, bei dem Lösungen kontinuierlich getestet, adaptiert und verbessert werden. Fehler werden als Lernchancen verstanden.
• Visuelles Denken; Prototypen statt langer Diskussionen – „Rede nicht, mach!“: Komplexe Ideen werden durch Skizzen, Modelle und Prototypen greifbar gemacht, was die Kommunikation vereinfacht und schnelle Tests ermöglicht.
• Interdisziplinäre Teams, gegenseitiger Respekt, Spaß & Kreativität: Die Zusammenarbeit von Expert:innen aus verschiedenen Bereichen führt zu umfassenderen Lösungen und fördert eine dynamische, innovative Arbeitsatmosphäre.
• Optimismus und Bereitschaft, sich inspirieren zu lassen: Eine positive Grundhaltung und Offenheit für neue Impulse sind entscheidend, um kreative und unkonventionelle Lösungen zu finden.
Seite 7 – Management-Elemente & Herausforderungen
• Design als Strategie: Die Anwendung von Designprinzipien auf strategische Problemstellungen ermöglicht es, Herausforderungen nicht nur zu identifizieren, sondern auch methodisch und ganzheitlich zu analysieren und zu lösen.
• Eine Umfrage (n = 200, Einkommen ) identifizierte die digitalen Top-Challenges für die nächsten 12 Monate wie folgt:
\begin{aligned} \text{Digitalisierung / Standardisierung} &\;34\%\ \text{Management & Mitarbeiterführung} &\;33\%\ \text{Umsatz / Rendite steigern} &\;27\%\ \text{Marketing / PR} &\;25\%\end{aligned}
Dies zeigt die vielfältigen Herausforderungen, denen sich Unternehmen im Zuge der Digitalisierung gegenübersehen, von technologischen bis hin zu organisationalen und kommerziellen Aspekten.
• Triangle of Digital Transformation (Schritte 1 – 5): Ein Modell, das die Entwicklung von der reinen Informationsverarbeitung bis zur umfassenden Transformation aufzeigt:
Digitize Information: Umwandlung analoger Informationen in digitale Formate.
Organize Information: Strukturierung und Verwaltung digitaler Daten, um sie nutzbar zu machen.
Automate Processes: Einsatz von Technologie zur Automatisierung wiederkehrender Aufgaben und Workflows.
Streamline Processes: Optimierung und Neugestaltung von Prozessen unter Nutzung digitaler Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung.
Transform the Institution: Fundamentale Neuausrichtung des gesamten Geschäftsmodells, der Kultur und der Denkweise des Unternehmens hin zu einer digitalen Organisation.
• Begriffstrio: Zum Verständnis der digitalen Transformation ist die Unterscheidung dieser Begriffe wichtig:
– : Der Prozess der Umwandlung von analoger in digitale Information (z.B. Scannen von Dokumenten).
– : Die Nutzung digitaler Technologien und digitalisierter Informationen zur Verbesserung oder Transformation von Geschäftsprozessen und Wertschöpfungsketten (z.B. Einführung eines E-Commerce-Systems).
– : Die tiefgreifende, unternehmensweite Veränderung von Geschäftsmodellen, Kompetenzen und Organisationskulturen, die durch die Möglichkeiten digitaler Technologien vorangetrieben wird; eine strategische Neuausrichtung.
Seite 8 – Digitale Wertschöpfungsstufen & Golden Circle
• Mehrstufige Pyramide digitaler Wertschöpfung: Dieses Modell beschreibt den Aufbau digitaler Fähigkeiten in aufsteigender Reihenfolge, beginnend bei grundlegenden Funktionen bis hin zu komplexen Geschäftsmodellen. Beispiele umfassen:
– Konnektivität: Die grundlegende Fähigkeit, Geräte und Systeme zu vernetzen.
– Analytik: Die Nutzung von Daten aus vernetzten Systemen zur Gewinnung von Erkenntnissen.
– Digitaler Service: Die Bereitstellung neuer oder verbesserter Dienstleistungen auf Basis digitaler Daten und Analysen.
– Neue Ertragslogik: Die Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen, die auf digitalen Services und Wertschöpfungsketten basieren.
• Kritische Masse & neuer Kundennutzen als Ziel: Das Erreichen einer kritischen Masse an Nutzer:innen oder Daten ist oft entscheidend für den Erfolg digitaler Geschäftsmodelle, da dies die Basis für Netzwerkeffekte und die Generierung signifikanten neuen Kundennutzens bildet.
• Golden Circle (Simon Sinek): Ein Rahmenmodell zur Kommunikation von Organisationen und Ideen, das die Reihenfolge der Fragestellung umkehrt:
– WHY („Wozu?“): Der Zweck, die Ursache oder der Glaube hinter dem Handeln eines Unternehmens. Dies ist die tiefste Ebene der Motivation und Inspiration.
– HOW („Wie?“): Die spezifischen Prozesse, Werte oder Alleinstellungsmerkmale, die das Unternehmen befähigen, sein WHY zu verfolgen.
– WHAT („Was?“): Die Produkte, Dienstleistungen oder konkreten Ergebnisse, die das Unternehmen liefert.
• Wenige Firmen kennen ihr WHY; viele nur ihr WHAT: Sinek argumentiert, dass die meisten Unternehmen nur wissen, was sie tun, und einige wie sie es tun, aber nur wenige das tiefere Warum ihres Handelns verstehen und kommunizieren. Dies ist jedoch entscheidend für langfristigen Erfolg und Loyalität.
Seite 9 – Reihenfolge der digitalen Disruption
Diese Liste zeigt die Branchen in der Reihenfolge, in der sie am stärksten von digitaler Disruption betroffen oder davon betroffen sein werden, beginnend mit den am schnellsten transformierten Bereichen:
Technology
Media/Entertainment
Retail
Financial Services
Telecom
Education
Hospitality
CPG/Manufacturing
Healthcare
Utilities
Oil & Gas
Pharma.
Seite 10 – Umsetzung & Skalierung
• Investor-Zitat C. Maschmeyer: Der Fokus von Investoren, insbesondere im Bereich Venture Capital, liegt auf skalierbaren Umsatzkurven. Dies bedeutet, dass die Umsätze überproportional zu den benötigten Ressourcen wachsen müssen, um Attraktivität für Investitionen zu gewährleisten.
• Vorgehen: Der Business Design Prozess beginnt idealerweise mit der Identifikation und dem Verständnis von Kundenproblemen. Darauf aufbauend wird ein überzeugendes Wertangebot entwickelt, das diese Probleme löst, bevor es in einen strukturierten Business-Design-Prozess überführt wird.
• Oberziel jeder Unternehmung laut BD: Das ultimative Ziel jeder Unternehmung, die einen Business Design Ansatz verfolgt, ist . Dieses Wachstum wird durch Problemlösung und Skalierbarkeit erreicht.
Seite 11 – Definition Business Design & Skalierbarkeit
• Business Design verknüpft Management-Frameworks mit Erkenntnissen aus der Anthropologie und den Prinzipien des Designs. Es ist ein hybrider Ansatz, der sowohl analytisches Denken als auch kreative Methoden integriert.
• Es handelt sich um eine Denk- & Arbeitsweise, um Geschäftsaktivitäten menschenzentriert zu transformieren. Das bedeutet, dass der Mensch – seien es Kund:innen, Mitarbeiter:innen oder andere Stakeholder – im Mittelpunkt der Gestaltung von Geschäftsmodellen und -prozessen steht.
• Skalierbarkeit ist die Fähigkeit eines Unternehmens, sein Wachstum zu steigern, ohne dass die Kosten im gleichen Verhältnis ansteigen:
– Geringe Skalierbarkeit: Erfordert kontinuierliche, kostenintensive Investitionen (z.B. mehr Personal, zusätzliche physische Infrastruktur) für jedes inkrementelle Wachstum.
– Hohe Skalierbarkeit: Erfordert eine einmalige Anfangsinvestition, danach entstehen für jedes weitere Wachstum fast keine oder nur sehr geringe zusätzliche Anlagekosten. Dies charakterisiert viele digitale Geschäftsmodelle.
• Investoren (Venture Capital, Business Angels) prüfen vor einer Investition intensiv die und eines Geschäftsmodells, da diese Faktoren entscheidend für das Potenzial und die Rendite der Investition sind.
Seite 12 – Prozess‐Synchronisierung
• Das Geschäftsmodell entwickelt sich „epizentrisch“ parallel zu Innovations-/Produktprozess: Dies bedeutet, dass Geschäftsmodell-Entwicklung nicht als sequentieller Schritt nach der Produktentwicklung erfolgt, sondern als zentraler Punkt, der sich dynamisch und simultan zum Innovations- und Produktentwicklungsprozess mitentwickelt. Alle Elemente beeinflussen sich gegenseitig von einem gemeinsamen Zentrum aus.
Seite 13 – Anforderungen an digitale Geschäftsmodelle
• 4 Fokusfelder: Erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle müssen in vier zentralen Bereichen überzeugen:
– Produkt: Das Kernangebot selbst muss überzeugen und einen klaren Mehrwert liefern.
– Service: Ergänzende Dienstleistungen, die das Produktnutzererlebnis verbessern und erweitern.
– Distribution: Die effiziente und kundenfreundliche Bereitstellung des Angebots über digitale Kanäle.
– Value Proposition: Die klare und überzeugende Darstellung des Nutzens für den Kunden.
• Hebel für Netzwerk-Effekte: Digitale Geschäftsmodelle nutzen oft Netzwerkeffekte, um ihren Wert zu steigern. Dazu gehören die Nutzung und Skalierung von Kanälen, Plattformen und Rechenzentren (Bsp. Google, dessen Wert maßgeblich durch die Netzwerkeffekte seiner Suchmaschine und Werbeplattform gestärkt wird).
• Die Value Proposition rückt als Dreh- & Angelpunkt in den Mittelpunkt: In der digitalen Wirtschaft ist eine herausragende und eindeutige Nutzenversprechen für den Kunden der entscheidende Faktor, der ein Geschäftsmodell erfolgreich macht und von Wettbewerbern abhebt.
Seite 14 – Strategie- & Innovationstools
Die Verbreitung der genannten Strategie- und Innovationstools in der Praxis (Mehrfachnennungen) zeigt ihre Relevanz:
• Blue Ocean Strategy: Ein strategischer Ansatz, der darauf abzielt, neue, unumkämpfte Markträume („blaue Ozeane“) zu schaffen, anstatt in bereits bestehenden, hart umkämpften Märkten („rote Ozeane“) zu konkurrieren. Dies führt zur Wertinnovation, bei der sowohl der Nutzen für den Kunden maximiert als auch die Kosten gesenkt werden.
• Four Actions Framework (Teil der Blue Ocean Strategy): Ein Tool zur Erzeugung von Wertinnovationen durch die Analyse von vier Handlungsfeldern:
– Eliminieren: Welche Faktoren, die die Branche als selbstverständlich ansieht, können eliminiert werden, um Kosten zu senken und neue Werte zu schaffen?
– Reduzieren: Welche Faktoren können weit unter den Branchenstandard reduziert werden, um Kosten zu senken?
– Aufstocken: Welche Faktoren können weit über den Branchenstandard aufgestockt werden, um neuen Wert zu schaffen?
– Erzeugen: Welche neuen Faktoren, die die Branche nie angeboten hat, können erzeugt werden, um neue Nachfrage und Wert zu schaffen?
Seite 15 – Moderner Innovation Funnel
• Start mit Problem-Identification (nicht Ideen-„Bewertungs-Gates“): Im Gegensatz zu traditionellen Innovations-Funnels, die oft mit einer Ideenfindung und anschließender Bewertung beginnen, fokussiert der moderne Innovation Funnel stark auf das tiefgehende Verständnis und die Validierung von Problemen, bevor Lösungen entwickelt werden.
• Zwei Einflussfaktoren, die den Funnel speisen und prägen:
– Exploration existierender Kunden & Technologien: Das systematische Erkunden und Analysieren des aktuellen Kundenverhaltens, ihrer Bedürfnisse und der verfügbaren Technologien, um inkrementelle Verbesserungen und neue Anwendungen zu identifizieren.
– Retropolation zukünftiger Ökosysteme / Marktrollen: Ein vorausschauender Blick in die Zukunft, um potenzielle Veränderungen in Ökosystemen und neuen Rollen von Akteuren zu antizipieren. Dies ermöglicht die Entwicklung radikalerer Innovationen, die zukünftige Bedürfnisse adressieren.
• Visualisierung der Initiativen als Portfolio; regelmäßige Retrospektiven: Innovationsinitiativen werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines Portfolios, das strategisch gemanagt wird. Regelmäßige Überprüfungen (Retrospektiven) ermöglichen es, aus Erfahrungen zu lernen und den Innovationsprozess kontinuierlich anzupassen und zu optimieren.
Seite 16 – Lean Startup & MVP
• Zyklus (Eric Ries): Der Kern des Lean Startup Ansatzes ist ein iterativer Prozess, der darauf abzielt, schnell zu lernen und Annahmen zu validieren. Es beginnt mit dem Bau eines kleinen Produkts oder Experiments (Build), dem Sammeln von Daten und Feedback (Measure) und dem Ableiten von Erkenntnissen daraus (Learn), um den nächsten Schritt zu definieren (Iterieren oder Pivotieren).
• Zentral: (Minimal überlebensfähiges Produkt): Ein MVP ist die Version eines neuen Produkts mit der minimalsten Funktionalität, die ausreicht, um es auf dem Markt einzuführen und erste Hypothesen über Kundenbedürfnisse und das Geschäftsmodell zu testen. Ziel ist die schnelle Validierung von Annahmen mit minimalem Aufwand und Risiko.
• Hypothesen-Test zu Desirability (D), Viability (V), Feasibility (F): MVPs werden genutzt, um Hypothesen in diesen drei Schlüsselbereichen zu testen:
– Desirability: Ist das Produkt für die Zielgruppe wünschenswert? Löst es ein echtes Problem?
– Viability: Ist das Geschäftsmodell profitabel und nachhaltig? Kann das Produkt wirtschaftlich betrieben werden?
– Feasibility: Ist das Produkt technisch umsetzbar und können die notwendigen Ressourcen dafür bereitgestellt werden?
Seite 17 – NVP / MVP-Prototyping
• Hochauflösende Prototypen wechseln mit groben Gesamt-Prototypen: Im Prototyping-Prozess wechseln sich detaillierte, fast fertige Prototypen für spezifische Funktionen (hochauflösend) mit einfacheren, funktionsübergreifenden Prototypen ab, die die gesamte User Journey abbilden (grob). Dies ermöglicht es, sowohl Details als auch das Gesamtbild zu testen.
• Ergebnis = Entscheidungsbasis: Das Prototyping und die MVP-Tests liefern die notwendige Datenbasis für wichtige strategische Entscheidungen:
– Umsetzen: Die Ergebnisse sind positiv, und das Produkt oder Feature wird weiterentwickelt und implementiert.
– Pivot: Die Hypothesen wurden nicht vollständig bestätigt, was zu einer radikalen strategischen Änderung des Geschäftsmodells oder Produkts führt, basierend auf neuen Erkenntnissen.
– Stoppen: Die Hypothesen wurden widerlegt oder das Potenzial ist zu gering, sodass das Projekt eingestellt wird, um Ressourcen für vielversprechendere Initiativen freizugeben.
Seite 18 – MVP-Kriterien
Um als Minimal Viable Product zu gelten und seinen Zweck zu erfüllen, sollte ein MVP bestimmte Kriterien erfüllen:
Minimal & Viable: Es muss die absolut notwendigen Funktionen enthalten, um ein Kernproblem zu lösen und Werte zu liefern, darf aber nicht überladen sein.
Überlegener Kundenvorteil: Es muss einen klaren, überzeugenden Vorteil gegenüber bestehenden Lösungen oder dem status quo für die Zielgruppe bieten.
Fokus auf definierte Zielgruppe: Das MVP ist auf eine spezifische, eng definierte Zielgruppe zugeschnitten, um deren Bedürfnisse präzise anzusprechen und schnelles Feedback zu ermöglichen.
Überlebensfähig (zahlungsbereite Kunden): Das MVP muss so gestaltet sein, dass es frühzeitig zahlungsbereite Kunden anzieht und Einnahmen generieren kann, um die Wirtschaftlichkeit zu beweisen (oder zumindest Test-Bereitschaft signalisiert).
Vielversprechend (Retention Early Adopters): Es sollte das Potenzial haben, die frühen Anwender so zu begeistern, dass sie das Produkt weiterhin nutzen und idealerweise weiterempfehlen (Retention).
Erweiterbar (zukünftige Features möglich): Das MVP sollte eine Architektur oder Konzeption haben, die es ermöglicht, zukünftige Features und Funktionalitäten einfach hinzuzufügen und weiterzuentwickeln, ohne eine komplette Neuentwicklung zu erfordern.
Seite 19 – MVP-Beispiele & Schwierigkeitsgrad
MVPs können in verschiedenen Formen und Komplexitätsstufen auftreten, sie sind oft keine fertigen Produkte, sondern Testobjekte:
• Datenblatt (einfach): Eine einfache Beschreibung des geplanten Produkts oder Services, um Interesse zu messen.
• Broschüre: Eine detailliertere schriftliche Beschreibung, die den Nutzen und die Funktionen hervorhebt.
• Storyboard: Eine visuelle Darstellung der User Journey oder des Services, um Abläufe zu simulieren und Feedback einzuholen.
• Landing Page: Eine einfache Webseite mit Informationen zum Produkt und einer Call-to-Action, um Leads zu generieren oder das Interesse zu validieren.
• Verpackungs-Mock-up: Ein physisches Modell der Produktverpackung, um das Produkterlebnis und die Markenwahrnehmung zu testen.
• Video: Ein Erklärvideo, das die Funktionsweise und den Nutzen des Produkts simuliert (z.B. der Dropbox-Video-MVP).
• „Wizard of Oz“ (komplex): Das Produkt oder der Service scheint automatisiert zu sein, wird aber im Hintergrund manuell von Menschen ausgeführt, um die Nachfrage und Funktion ohne vollständige Entwicklung zu testen.
• Lernprototyp (komplex): Ein Prototyp, der speziell darauf ausgelegt ist, maximale Erkenntnisse über bestimmte Annahmen zu gewinnen, oft mit komplexen Testaufbauten und Datenanalysen.
• Erkenntnis: Ein MVP ist oft kein fertiges Produkt, sondern primär ein Testobjekt. Sein Hauptzweck ist es, Hypothesen zu validieren und wertvolle Lernprozesse zu ermöglichen, bevor signifikante Investitionen getätigt werden.
Seite 20 – Experimentphase
• Der Start des Lean-Startup-Prozesses markiert den Beginn einer kontinuierlichen Experimentphase zur Lernmaximierung. Unternehmen führen systematisch Experimente durch, um Unsicherheiten zu reduzieren, Hypothesen zu überprüfen und fundierte Entscheidungen über die weitere Entwicklung zu treffen. Das Ziel ist es, so schnell und effizient wie möglich so viel wie möglich zu lernen.
Seite 21 – Hypothesentests & Lern-Geschwindigkeit
• Dimensionen des Fit: Im Laufe des Entwicklungsprozesses strebt man verschiedene Schichten des „Fit“ an, die aufeinander aufbauen:
– Problem/Solution Fit: Die erste Dimension, bei der geprüft wird, ob das vorgeschlagene Produkt tatsächlich ein relevantes Problem der Zielgruppe löst und eine passende Lösung bietet.
– Product/Market Fit: Eine breitere Dimension, die validiert, ob das Produkt einen ausreichend großen Markt findet und ob es von diesem Markt gut angenommen wird. Es geht darum, dass Produkt und Markt gut zueinander passen.
– System/Actors Fit: Die umfassendste Dimension, die überprüft, ob das Produkt oder Geschäftsmodell in das breitere Ökosystem von Akteuren (Partner, Wettbewerber, Regulierungsbehörden etc.) passt und mit diesen interagieren kann.
• Werkzeuge: Für die Hypothesentests stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, die sich in ihrer Geschwindigkeit und ihrem Aufwand unterscheiden:
– BM & VP Canvas (Business Model Canvas & Value Proposition Canvas), Serviettenskizzen (ultraschnell): Diese Tools ermöglichen eine schnelle Visualisierung und Strukturierung von Hypothesen und Geschäftsmodellen, um erste Diskussionen und Brainstorming zu führen.
– Pilotstudie (langsam): Eine umfangreichere Testphase, bei der das Produkt oder der Service in einer realen Umgebung mit einer begrenzten Anzahl von Nutzer:innen getestet wird, um detaillierte Erkenntnisse zu gewinnen. Dieser Ansatz ist zeitaufwendiger, liefert aber umfassende Daten.
• Die Zykluslaufzeit ist entscheidend für den Wettbewerbsvorteil: Je schneller Unternehmen den Build-Measure-Learn-Zyklus durchlaufen und aus Experimenten lernen können, desto agiler können sie auf Marktveränderungen reagieren und neue Lösungen entwickeln, was zu einem erheblichen Wettbewerbsvorteil führt.
Seite 22 – Pivot & Ecosystem Lens
• Pivot = radikale strategische Änderung des Geschäftsmodells: Ein Pivot ist keine kleine Anpassung, sondern eine fundamentale Neuausrichtung des Geschäftsmodells, der Zielgruppe, des Produkts oder der Kernstrategie. Er wird durchgeführt, wenn sich durch validierte Lernergebnisse herausstellt, dass der ursprüngliche Ansatz nicht zum Erfolg führen wird. Es ist ein Zeichen von Lernfähigkeit und Anpassungsbereitschaft.
• Business Design erweitert die Perspektive von Design Lens → Ecosystem Lens: Ursprünglich konzentrierte sich Design oft auf einzelne Produkte oder Benutzererlebnisse (Design Lens). Mit dem Business Design wird diese Perspektive erweitert, um das Produkt oder den Service im Kontext des gesamten Geschäftsmodells und des umgebenden Ökosystems von Partnern, Kunden und Technologien zu betrachten (Ecosystem Lens).
Seite 23 – Definition Business Ecosystem Design
• „Realisation neuer, einzigartiger Angebote für Kunden, bereitgestellt von mehreren Akteuren in einem System.“ Business Ecosystem Design ist der Prozess der Gestaltung und des Aufbaus von Kooperationen und Netzwerken zwischen verschiedenen unabhängigen Akteuren, um gemeinsam Werte für Kund:innen zu schaffen, die ein einzelnes Unternehmen allein nicht liefern könnte.
• Notwendigkeit: Komplexe Kundenbedürfnisse durch Kollaboration adressieren: Die immer komplexeren und vernetzteren Kundenbedürfnisse können von einzelnen Unternehmen oft nicht mehr umfassend erfüllt werden. Die Zusammenarbeit in einem Ökosystem ermöglicht es, komplementäre Kompetenzen und Ressourcen zu bündeln, um ganzheitliche Lösungen anzubieten.
Seite 24 – Evolution Design → Ecosystem
Die Entwicklung des Fokus von Design hat sich im Laufe der Jahrzehnte erweitert:
• 1960: Fokus auf Produkte/Services – Design konzentrierte sich hauptsächlich auf die Gestaltung physischer Produkte und individueller Dienstleistungen.
• 1980: Fokus auf Organisationen/Plattformen – Mit dem Aufkommen komplexerer Systeme und digitaler Infrastrukturen verlagerte sich der Design-Fokus auf die Gestaltung von Organisationen und den Aufbau von Plattformen.
• 2000: Fokus auf Geschäftsmodelle – Die Notwendigkeit, Produkte und Services in profitable Geschäftsmodelle einzubetten, führte zu einem verstärkten Fokus auf das Design von Geschäftsmodellen als Wettbewerbsfaktor.
• 2020: Fokus auf Branchenübergreifende Systeme – Der aktuelle Trend geht hin zur Gestaltung ganzer Ökosysteme, bei denen verschiedene Branchen und Akteure kollaborieren, um komplexe Wertschöpfungsketten zu bilden.
• Enabler für diese Entwicklung sind:
– Technologie: Ermöglicht die Vernetzung und Skalierung von Systemen.
– Passende Akteure: Die Verfügbarkeit und Bereitschaft relevanter Partner zur Kollaboration.
– Neues Mindset: Eine Offenheit für Kooperation und die Abkehr von rein egozentrischen Geschäftsansätzen.
• Ökosystem-Typen:
– Transaktions-/Daten-Ökosysteme: Fokus auf den Austausch von Gütern, Dienstleistungen oder Daten (z.B. Marktplätze, soziale Netzwerke).
– Wissens-/Informations-Ökosysteme: Fokus auf die gemeinsame Generierung und den Austausch von Wissen und Informationen (z.B. Forschungsnetzwerke, Open-Source-Communities).
– Innovations-Ökosysteme: Fokus auf die gemeinsame Entwicklung neuer Produkte, Services oder Geschäftsmodelle (z.B. Start-up-Hubs, Inkubatoren).
Seite 25 – Ökosystemarten & Ambitionen
• Transaktions- & Datenökosystem:
– Ambition: „build & monetarize“ – Produkte und Services werden aufgebaut und durch Transaktionen oder Datennutzung monetarisiert.
– Charakteristik: Starke Abhängigkeit von Netzwerkeffekten, bei denen der Wert des Systems mit jedem zusätzlichen Nutzer exponentiell steigt (z.B. Amazon, Facebook).
• Innovationsökosystem:
– Ambition: „invent & scale“ – Neue Dinge werden erfunden und über das Ökosystem skaliert und verbreitet.
– Charakteristik: Ziel ist Differenzierung und Technologieführerschaft durch kontinuierliche Innovation und die gemeinsame Entwicklung disruptiver Lösungen.
• Wissensökosystem:
– Ambition: „fund & execute“ – Es geht um die Finanzierung und Umsetzung von Projekten, die auf gemeinsamem Wissen basieren.
– Charakteristik: Fokus liegt auf dem Gewinn von geistigem Eigentum (IP) und der Stärkung der Verhandlungsmacht durch gebündeltes Wissen und Expertise.
Seite 26 – Paradigmenwechsel
• Von linearer Geschäftsmodell-Sicht → multidimensionale Ökosystem-Perspektive: Unternehmen bewegen sich weg von der isolierten Betrachtung ihres eigenen Geschäftsmodells hin zu einer umfassenden Sichtweise, die die Interdependenzen mit anderen Akteuren im gesamten Ökosystem berücksichtigt.
• Top-10-Herausforderungen traditioneller Unternehmen (Kultur, IT, Prozesse, Skills): Die digitale Transformation zwingt traditionelle Unternehmen zu einem grundlegenden Wandel. Hierbei müssen sie die folgenden Herausforderungen bewältigen:
– Interner Fokus → Externer Fokus: Verlagerung von der Konzentration auf interne Optimierung hin zur Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse und externe Marktchancen.
– Protektionismus → Offenheit: Übergang von der Abschottung von Wissen und Prozessen zur Offenheit für Kooperationen und den Austausch mit externen Partnern.
– Weitere typische Herausforderungen umfassen die Transformation der Unternehmenskultur, die Modernisierung der IT-Infrastruktur, die Neugestaltung von Prozessen und den Aufbau neuer digitaler Fähigkeiten (Skills) bei den Mitarbeitenden.
Seite 27 – Exponentielles Wachstum
• Schlüssel = Skalierung ohne proportionale Ressourcenerhöhung: Das Konzept des exponentiellen Wachstums in digitalen Geschäftsmodellen bedeutet, dass Umsätze und Nutzerzahlen sich vervielfachen können, ohne dass die dafür notwendigen Ressourcen (z.B. Personal, Infrastrukturkosten) im gleichen Maße mitwachsen. Dies ist ein Merkmal hochgradig skalierbarer Modelle.
• Umsatz & Gewinn können unabhängig von persönlicher Arbeitskraft wachsen: Dies wird oft durch Automatisierung, digitale Plattformen und Netzwerkeffekte erreicht, die es ermöglichen, mehr Kunden zu bedienen, ohne dass die Arbeitskraft linear skaliert werden muss. Dies ist ein Hauptanreiz für Investitionen in digitale Geschäftsmodelle.
Seite 28 – Merkmale skalierbarer Geschäftsmodelle
Skalierbare digitale Geschäftsmodelle weisen typischerweise folgende Eigenschaften auf:
• Asset Light: Sie benötigen wenig physische Vermögenswerte und Infrastruktur, was die Kapitalbindung reduziert und Flexibilität erhöht.
• Hohe Automatisierung: Prozesse sind weitgehend automatisiert, um den manuellen Aufwand zu minimieren und eine hohe Effizienz zu gewährleisten.
• Geringe Fixkostenquote: Ein Großteil der Kosten sind variable Kosten (z.B. Cloud-Nutzungsgebühren, Marketingkosten pro Kunde), während die Fixkosten gering gehalten werden. Dies ermöglicht eine bessere Anpassung an unterschiedliche Nachfrageniveaus.
• Variable Kosten dominieren: Die Kosten wachsen eher linear mit dem Umsatz, anstatt sprungartig bei Erreichen bestimmter Kapazitätsgrenzen, was eine feinere Steuerung ermöglicht.
• Fokus auf Vertrieb/Marketing & Marktexpansion: Da operative Prozesse schlank sind, kann der Fokus stark auf die Gewinnung neuer Kunden und die Erschließung neuer Märkte gelegt werden.
• Gegenüberstellung traditionell vs. digital:
– Hierarchisch → Agil: Traditionelle Unternehmen sind oft starr und hierarchisch organisiert, während digitale Unternehmen zu agilität und flacheren Hierarchien tendieren.
– Produktzentriert → Ökosystem-zentriert: Der Fokus verschiebt sich von einem einzelnen Produkt zu einem Netzwerk von Diensten und Partnern.
– Intermediäre → Direkte Stakeholder-Interaktion: Digitale Modelle ermöglichen oft eine direktere Kommunikation und Interaktion mit Kunden und anderen Stakeholdern, wodurch Mittelsmänner reduziert oder eliminiert werden.
Seite 29 – Digital Leadership
• Digitalisierung wirft Kompetenz-Fragen auf: Die fortschreitende Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsmodelle und Prozesse, sondern erfordert auch neue Führungsqualitäten. Bestehende Kompetenzen müssen angepasst, neue entwickelt werden.
• Der Digital Leader ist eine Schlüsselrolle, die Vision, Methoden & Prozesse verbindet, um Transformation zu steuern: Ein Digital Leader versteht die strategischen Implikationen der Digitalisierung, beherrscht die notwendigen Methoden (z.B. Lean, Agile, Design Thinking) und kann Prozesse so gestalten, dass die digitale Transformation erfolgreich umgesetzt wird. Er oder sie ist ein Katalysator für Veränderung.
Seite 30 – Lösungsorientierung
• Digital Leadership = Wechsel von Problem-Fokus zu Lösungs-Konzeption: Ein wesentliches Merkmal erfolgreicher Digital Leader ist ihre Fähigkeit, nicht nur Probleme zu erkennen, sondern proaktiv Lösungen zu entwickeln. Sie konzentrieren sich auf die Schaffung neuer Möglichkeiten und Werte, anstatt nur auf die Beseitigung von Defiziten. Dies erfordert Kreativität, Zukunftsorientierung und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Seite 31 – Zukunftskriterien & AI
• Vereinigung Mindset Design Thinking + Systems Thinking: Die Zukunft des Designs und Managements erfordert die Kombination des menschenzentrierten, iterativen Ansatzes des Design Thinking mit der Fähigkeit des Systems Thinking, komplexe Zusammenhänge, Interdependenzen und dynamische Rückkopplungsschleifen im gesamten Ökosystem zu verstehen und zu gestalten.
• Zitat: „Data gives you the WHAT … but humans know the WAY.“: Dieses Zitat unterstreicht die Komplementarität von Daten und menschlicher Intuition/Kreativität. Daten liefern uns Informationen darüber, was passiert ist oder was aktuell ist, aber es sind die Menschen, die das Wie und das Warum verstehen, sinnvolle Schlüsse ziehen und Wege für die Zukunft aufzeigen können.
• Weiterentwicklung: Design Thinking AI neue Design-Kriterien der Zukunft: Die Synergie zwischen Design Thinking und Künstlicher Intelligenz wird entscheidend sein. AI kann Designprozesse unterstützen (z.B. durch Datenanalyse, Mustererkennung, Prototypengenerierung), während Design Thinking die KI menschenzentriert und zweckmäßig einsetzt. Dies wird zu völlig