Studiennotizen: Demenz, Delir und Chronischer Schmerz
Definition und Grundlagen der Demenz
Definition der Demenz:
Es handelt sich um Störungen der kognitiven Leistungen im Vergleich zur Altersnorm.
Es erfolgt ein Absinken des individuellen Leistungsniveaus.
Die Erkrankung führt zu einer Beeinträchtigung des Alltags.
Die Symptomatik muss eine Dauer von mindestens Monaten aufweisen.
Abbau höherer geistiger Fähigkeiten:
Gedächtnis: Verlust der Merkfähigkeit und des Erinnerungsvermogens.
Orientierung: Betrifft alle Qualitäten (Zeit, Ort, Person, Situation).
Denk- und Urteilsvermögen: Eingeschränkte Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu erfassen oder Entscheidungen zu treffen.
Sprache: Auftreten von Aphasie.
Veränderungen im Krankheitsverlauf:
Verhalten: Es treten Apraxie (Störung der Ausführung willkürlicher Bewegungen) und Agnosie (Störung des Erkennens) auf.
Emotionale Kontrolle: Verlust der Fähigkeit, Emotionen zu regulieren.
Persönlichkeit: Wesensveränderungen führen dazu, dass das gewohnte soziale Alltagsleben zunehmend beeinträchtigt wird.
Warnzeichen für eine beginnende Demenz
Soziale und psychische Anzeichen:
Sozialer Rückzug aus dem bisherigen Umfeld.
Angst vor der Dunkelheit.
Kritikminderung, insbesondere bei Haustürgeschäften.
Alltagsprobleme:
Schwierigkeiten beim Bezahlen mit Geldscheinen.
Ungepflegtes Äußeres.
Fehler bei der Speisenzubereitung.
Verlust des Zeitgefühls.
Fehlendes Zurechtfinden in unbekannten Gegenden.
Verlieren und Verlegen von Gegenständen an untypischen Orten.
Kognitive Auffälligkeiten:
Wortwiederholungen und Wortfindungsstörungen.
Vergessen von Einkäufen oder Mehrfachkauf derselben Dinge.
Einteilung der Demenz in Schweregrade
Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI - Mild Cognitive Impairment):
Kognitiv: Subjektives Klagen über Gedächtnisstörungen, jedoch keine objektiven Leistungseinbußen.
Alltag: Keine Einschränkung im Alltag.
Nicht kognitiv: Mögliche depressive Symptome.
Leichte Demenz (GDS 2-3, MMST 18-24):
Kognitiv: Abnahme von Gedächtnis, Denkvermögen und Informationsverarbeitung. Das Lernen, Wortfinden und Benennen ist erschwert.
Alltag: Selbstversorgung ist noch möglich; komplizierte Aufgaben fallen jedoch zunehmend schwer.
Nicht kognitiv: Emotionale Gereiztheit, geringere Belastbarkeit, mögliche depressive Symptome.
Spezifische Symptome: Emotionaler Rückzug, Antriebsmangel, Verlegen von vertrauten Dingen an atypische Orte, Verabredungen werden vergessen, Orientierungslosigkeit in unbekannter Umgebung.
Mittelgradige Demenz (GDS 4-5, MMST 10-17):
Kognitiv: Neue Informationen werden nur noch kurz behalten. Dinge des täglichen Lebens werden vergessen. Räumliche Orientierungsstörungen nehmen zu. Die Sprache wird einfacher.
Alltag: Selbstversorgung ist stark eingeschränkt. Es werden nur noch einfache Tätigkeiten durchgeführt.
Nicht kognitiv: Chronobiologische Störungen (Schlaf-Wach-Rhythmus), Unruhe, Umherirren, Angst, Abwehrverhalten, Wahnstörungen, Harninkontinenz.
Spezifische Symptome: Verkennungen, wahnhaftes Erleben, "Hinlauftendenz" in die alte Heimat, Vernachlässigung der Körperpflege, kognitive Harninkontinenz (Toilette wird nicht gefunden), Reizbarkeit und Aggressivität.
Schwere Demenz (GDS 6-7, MMST <10):
Kognitiv: Neue Informationen werden nicht behalten. Verwandte werden nicht mehr erkannt. Die räumliche Orientierung ist vollständig verloren. Zunehmender Sprachverlust (Aphasie, Einwortsätze, Lautieren, Schreien).
Alltag: Überwiegende Betreuung und Pflege notwendig. Fähigkeit zur Selbstpflege geht verloren.
Nicht kognitiv: Schluckstörungen, Inkontinenz (Harn/Stuhl), Bettlägerigkeit, Unruhe, chronobiologische Störungen, Enthemmung möglich.
Neurologische Kennzeichen: Gangstörungen, Gangunfähigkeit, Stürze, Störungen der Koordination und des Lagesinns (Sitzen oder Kopf aufrecht halten nicht mehr möglich), Kontrakturen.
Demenzformen und Häufigkeit
Statistische Verteilung:
Alzheimer-Krankheit: der Fälle.
Vaskuläre Demenz und Alzheimer (Mischform): .
Lewy-Body-Demenz (LBD) mit Alzheimer: .
Reine Lewy-Body-Demenz (LBD): .
Andere Demenzen: .
Vaskuläre Demenz: .
Frontotemporale Demenz: .
Alzheimer-Krankheit:
Früher Beginn möglich (ab . Lbj. oder früher).
Gehirnveränderungen durch amyloide Plaques.
Schleichender Beginn und allmähliche Verschlechterung.
Progredienter (fortschreitender) Verlauf.
Primär starke Beeinträchtigung des Gedächtnisses und der Wortfindung.
Vaskuläre Demenz (Gefäßbedingt):
Späterer Beginn.
Abrupter Beginn infolge von Minderdurchblutung / Infarkten.
Verschlechterung erfolgt stufenweise (in Schüben bei weiteren vaskulären Ereignissen).
Symptome: Gangbildstörung, Verkennungen, Halluzinationen.
Therapie der Grundgefäßerkrankung steht im Vordergrund.
Lewy-Body-Demenz (LBD):
Stürze unklarer Genese.
Leichtes Parkinson-Syndrom.
Optische Halluzinationen.
Wechselnder Verlauf der kognitiven Fähigkeiten.
Besonderheit: Ausgeprägte Neuroleptika-Unverträglichkeit.
Therapie und Therapieziele bei Demenz
Medikamentöse Therapie:
Antidementiva (z. B. Memantine wie Axura, Ebixa, Menatine Hexal).
Antiaggressiva, Antidepressiva, Anxiolytika (angstlösend), Sedativa.
Internistische Basistherapie.
Nichtmedikamentöse Therapie:
Psychotherapie und Soziotherapie.
Erinnerungsarbeit und Biografiearbeit.
Milieutherapie.
Kreativtherapie, Ergotherapie, Physiotherapie.
Edukation und Beratung der Angehörigen.
Juristische Aspekte:
Pflegeversicherung und Wohnraumgestaltung.
Zentrale Therapieziele:
Verzögerung der Verschlechterung.
Reduktion der Beschwerden und Steigerung des subjektiven Wohlbefindens.
Steigerung des Selbstwertes.
Abwehr von Eigen- oder Fremdgefährdung.
Schutz vor Überlastung der Angehörigen und Hinauszögern der Heimaufnahme.
Delir – Akute Verwirrtheit
Definition und Merkmale:
Bewusstseinsstörung mit verminderter Aufmerksamkeit.
Globale Störung der Kognition: Verwirrtheit, Merkschwäche, Wahrnehmungsstörungen (Verkennungen, Halluzinationen, Wahn).
Psychomotorische Störungen (hyperaktiv, hypoaktiv oder Mischtyp).
Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus.
Akuter Beginn mit fluktuierenden (schwankenden) Symptomen.
Abgrenzung Delir vs. Demenz:
Symptombeginn: Delir (subakut/akut) vs. Demenz (schleichend).
Verlauf: Delir (kurzfristig, fluktuierend) vs. Demenz (stabil/progredient).
Bewusstsein: Delir (verändert) vs. Demenz (klar).
Aufmerksamkeit: Delir (häufig gestört) vs. Demenz (anfänglich nicht).
Halluzinationen/Schlaf: Delir (häufig) vs. Demenz (möglich/später).
Ursachen des Delirs:
Zerebral: Demenz, Depression, Narkosemittel, Medikamente (anticholinerg), Substanzentzug (z. B. Alkohol - Delirium tremens).
Systemisch: Hohes Fieber, Infekte, Flüssigkeitsmangel (Dehydration), sensorische Defizite (Sehen/Hören), Blutzuckerschwankungen (Hypo-/Hyperglykämie), Elektrolytentgleisungen, Schmerz, Hypoxie (Sauerstoffmangel).
Risikofaktoren:
Alter (besonders ab Jahre).
Kognitive Beeinträchtigungen, Gebrechlichkeit, Mehrfacherkrankungen.
Isolation, Einsamkeit, Leben in Pflegeeinrichtungen.
Multimedikation, ZNS-Medikamente, Alkoholsucht.
Erscheinungsformen des Delirs:
Hyperaktives Delir: Gesteigerte Motorik, Ruhelosigkeit, Umherwandern, Agitiertheit, Aggressivität.
Hypoaktives Delir: Reduzierte Motorik, Verlangsamung, Passivität, Apathie (wird oft übersehen).
Mischtyp: Kombination aus beiden Formen.
Management und Prävention des Delirs
Nichtmedikamentöse Maßnahmen (Reorientierung):
Benutzung eigener Brillen und Hörgeräte.
Uhren und Kalender sichtbar platzieren, aktuelle Tageszeitung bereitstellen.
Zimmerwechsel vermeiden und Nachtruhe einhalten (Lichtreduktion).
Hohe Konstanz der Bezugspersonen.
Einbindung der Angehörigen.
Allgemeine pflegerische Maßnahmen:
Lärm und Kältereize reduzieren.
Schmerzmitteilung und ausreichende Schmerztherapie.
Frühmobilisation, ausreichende Oxygenierung, Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr.
Vermeidung von Polypharmazie.
Anordnung freiheitsbeschränkender Maßnahmen (FEM) nur nach Ausschöpfung aller gelinderen Mittel.
Assessment-Instrument: NuDESC (Nursing Delirium Screening Scale):
Bewertung von Symptomen ( bis Punkte):
Desorientierung.
Unangemessenes Verhalten.
Unangemessene Kommunikation.
Illusionen/Halluzinationen.
Psychomotorische Retardierung.
Auswertung: Gesamtsumme deutet auf ein Delir hin.
Chronischer Schmerz im Alter
Definition nach McCaffery (1968):
"Schmerz ist das, was der Patient beschreibt. Er ist immer dann vorhanden, wenn er geäußert wird."
Chronischer Schmerz: Besteht länger als Monate oder tritt wiederkehrend auf.
Häufige Pflegeprobleme im Zusammenhang mit Schmerz:
Eingeschränkte Mobilität (, Spitzenreiter).
Veränderungen beim Wohlbefinden/Schmerz (, gleichauf mit Ernährungsdefiziten).
Angst (, Verstopfung (, Schlafstörungen (.
Gründe für Schmerzen im Alter:
Abnützungen des Bewegungsapparats.
Muskelschwund (fehlende Stabilität).
Sensibilitätsstörungen (Berührungsempfindlichkeit).
Nervenschädigungen und chronische Erkrankungen.
Alte, verheilte Frakturen.
Problematik der Schmerzwahrnehmung:
Schmerz wird fälschlicherweise als normale Alterserscheinung betrachtet.
Angst vor Nebenwirkungen der Therapie führt zu Unterversorgung.
Patienten können oder äußern Schmerzen oft nicht adäquat.
Schmerzerfassung (Assessment)
Strukturiertes Schmerzinterview:
Erfassung der Lokalisation (Körperschema zum Ausmalen).
Abfrage spezifischer Regionen: Mund/Zähne, Kopf, Nacken, Gelenke etc.
Intensität der letzten Tage.
Dauer, Chronizität und Modifikatoren (Was lindert/verstärkt?).
Schmerzskalen zur Intensitätsmessung:
NRS (Numerische Rangskala): Bewertung von bis .
VRS (Verbale Ratingskala): Begriffe wie "kein", "leichter", "mäßiger", "starker", "stärkster".
VAS (Visuelle Analogskala): Kontinuierliche Linie zwischen zwei Extremwerten.
Beobachtungsskala: BESD-Skala (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz):
Kriterien: Atmung, negative Lautäußerungen, Gesichtsausdruck, Körpersprache, Trostbarkeit.
Einsatz bei Personen, die sich nicht mehr verbal äußern können.
Schmerzreduzierende Maßnahmen:
Medikamentöse Therapie.
Physikalische Maßnahmen (Kälte/Wärme).
Mobilisation und Bewegung.
Entspannungsmethoden: Aromatherapie, Tiertherapie.
Ablenkung.
Regelmäßige Evaluation der Maßnahmen mittels Assessment (bei Akutschmerz mind. pro Schicht).", "title": "Studiennotizen: Demenz, Delir und Chronischer Schmerz"}