Kapitel 2: Statistische Merkmale und Daten

Kapitel 2: Statistische Merkmale und Daten

1. Statistische Grundbegriffe

1.1 Statistische Einheit/Merkmalsträger (𝝎)
  • Definition: Objekte, deren Eigenschaften in einer empirischen Untersuchung festgestellt werden sollen.

  • Beispiele:

    • Was ist das Alter der praktizierenden Ă„rzte in Brandenburg (2000-2018)?

      w= praktizierender Arzt in Brandenburg

    • Wie viele Semester studieren die Studierenden der Universität OsnabrĂĽck im Durchschnitt ?

      w= Ein Student der Universität Osnabrück

1.2 Statistische Masse/Grundgesamtheit (𝛀)
  • Definition: Zusammenfassung aller relevanten statistischen Einheiten w fĂĽr die empirische Untersuchung (auch: Population oder Kollektiv)

  • Beispiel:

    • Alter praktizierender Ă„rzte in Brandenburg (2000-2018) --> Alle praktizierenden Ă„rzte in diesem Zeitraum.

  • N = |Ω| (Anzahl der Elemente der Grundgesamtheit).

1.3 Identifikationskriterien
  • Statistische Einheiten werden durch verschiedene Kriterien definiert:

    • Zeitlich: Bestandsmassen (z.B. Bevölkerung an einem bestimmten Datum) und Bewegungsmassen (z.B. Aufträge in einem Jahr).

    • Räumlich: z.B. in Brandenburg oder an der Universität OsnabrĂĽck.

    • Sachlich: z.B. praktizierende Ă„rzte.

2. Statistische Merkmale

2.1 Merkmale und Merkmalsausprägung
  • Definition Merkmal: Eigenschaften, die bei jeder statistischen Einheit erhoben werden.

  • Merkmalsausprägungen sind die möglichen Erscheinungsformen eines Merkmals.

  • Beispiele:

    • Familienstand (ledig, verheiratet, geschieden, verwitwet).

    • Alter von Ă„rzten (zwischen 33 und 87 Jahren).

2.2 Qualitative und quantitative Merkmale
  • Qualitative Merkmale: Namen, Gruppen, Kategorien (z.B. Familienstand, Beruf).

  • Quantitative Merkmale: Zahlen (z.B. Körpergewicht, Alter).

2.3 Diskrete und stetige Merkmale
  • Diskrete Merkmale: Endlich oder abzählbar unendlich (z.B. Anzahl der Bewohner eines Hauses).

  • Stetige Merkmale: Annahme aller reellen Zahlen aus Intervallen (z.B. Körpergewicht).

  • Quasi-stetige Merkmale: Diskrete Merkmale mit dichten Ausprägungen, wie Einkommen.

2.4 Skalenniveaus von Merkmalen
  • Nominalskaliert: Unterschiede durch Namen (z.B. Geschlecht).

  • Ordinalskaliert: NatĂĽrliche Reihenfolge (z.B. Schulnoten).

  • Kardinalskaliert: Quantitative Merkmale mit interpretierten Abständen (z.B. Einkommen).

    • Unterkategorien:

    • Intervallskaliert: Keine natĂĽrlichen Nullpunkte (z.B. Temperatur in °C).

    • Verhältnisskaliert: NatĂĽrliche Nullpunkte (z.B. Körpergewicht).

    • Absolutskaliert: NatĂĽrliche Einheiten (z.B. Tore in einer FuĂźballweltmeisterschaft).

2.5 Häufbare und nicht häufbare Merkmale
  • Häufbare Merkmale: Mehrere Merkmalsausprägungen möglich (z.B. Hobbys).

  • Nicht häufbare Merkmale: Eine Ausprägung pro Merkmalsträger (z.B. Alter).

2.6 Daten
  • Erhebung: Datengewinnung durch Beobachtung, Befragung oder Messung.

  • Vollerhebung: Grundgesamtheit wird vollständig erfasst.

  • Teilerhebung: Teilmenge der Grundgesamtheit wird erfasst (z.B. Stichprobe).

  • Primärerhebung: Daten speziell fĂĽr eine Untersuchung erhoben.

  • Sekundärerhebung: Daten bereits fĂĽr andere Zwecke erhoben.

Datentypen
  • Querschnittdaten: Eigenschaften werden zur selben Zeit erhoben (z.B. BIP der EU-Staaten 2018).

  • Längsschnittdaten: Eigenschaften bei derselben Einheit zu verschiedenen Zeitpunkten (z.B. BIP von Deutschland 1996-2018).

  • Paneldaten: Gleiche Eigenschaften zu mehreren Zeitpunkten (z.B. BIP der EU-Staaten 1996-2018).

Quellen von Sekundärdaten
  • Amtliche Statistik: z.B. Statistisches Bundesamt.

  • Nichtamtliche Statistik: z.B. Wirtschaftsforschungsinstitute.

  • Internationale Statistik: z.B. EUROSTAT, IWF.

SelbstĂĽberprĂĽfung

  • Verständnis und Erläuterung von:

    • Statistischen Einheiten

    • Identifikationskriterien

    • Grundgesamtheit

    • Merkmal, Merkmalsträger und Merkmalsausprägung

    • Diskrete, stetige und quasi-stetige Merkmale

    • Qualitative und quantitative Merkmale

    • Skalenniveaus

    • Häufbare und nicht häufbare Merkmale

    • Primär- und Sekundärdaten

    • Unterschiede zwischen Querschnitt-, Längsschnitt- und Paneldaten.