Mini-Mental Status-Test (MMST) Overview

Grundlagen und Durchführung des Mini-Mental Status-Tests (MMST)

  • Definition und Zweck:

    • Der Mini-Mental Status-Test (MMST) ist ein einfacher Fragebogen, der zur Abschätzung der kognitiven Fähigkeiten eines älteren Menschen eingesetzt wird.
    • Er dient als diagnostisches Werkzeug zur Erfassung von Defiziten in verschiedenen kognitiven Domänen.
  • Testparameter:

    • Testdauer: Die Durchführung dauert circa 10 Minuten10\,\text{Minuten}.
    • Erfasste Bereiche:
      • Orientierung (zeitlich und örtlich).
      • Gedächtnis und Merkfähigkeit.
      • Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit.
      • Sprache und Sprachverständnis.
      • Konstruktive Praxis (visuomotorische Fähigkeiten).
  • Auswertung und Interpretation:

    • Die Auswertung erfolgt durch eine einfache Addition der in den einzelnen Aufgaben erzielten Punkte.
    • Die Dokumentation erfolgt unter Angabe des Patientennamens, Vornamens sowie des aktuellen Datums.

Orientierung

  • Die Untersuchung der Orientierung ist in zwei Hauptbereiche unterteilt: die zeitliche und die örtliche Orientierung. Der Patient muss dazu folgende Fragen beantworten:

  • Zeitliche Orientierung:

    • In welchem Jahr befinden wir uns?
    • Welche Jahreszeit haben wir aktuell?
    • Welches Datum ist heute?
    • In welchem Monat befinden wir uns?
  • Örtliche Orientierung:

    • In welchem Bundesland sind wir hier?
    • In welchem Land (Staat) befinden wir uns?
    • In welcher Ortschaft (Stadt/Gemeinde) sind wir?
    • Wo befinden wir uns aktuell (Name der spezifischen Praxis oder des Altenheims)?
    • In welchem Stockwerk befinden wir uns?

Merkfähigkeit

  • Vorbereitung: Der Untersucher muss den Patienten vorab fragen, ob dessen Gedächtnis geprüft werden darf.
  • Durchführung:
    • Es werden drei verschiedenartige Begriffe klar und langsam vorgesprochen.
    • Die Sprechgeschwindigkeit beträgt circa 1 Wort pro Sekunde1\,\text{Wort}\,\text{pro}\,\text{Sekunde}.
    • Die zu merkenden Begriffe sind: "Zitrone", "Schlüssel", "Ball".
  • Bewertung der Merkfähigkeit:
    • Der Patient soll die drei Wörter unmittelbar nach dem Aussprechen wiederholen.
    • Für jedes korrekt wiederholte Wort der ersten Wiederholung wird 1 Punkt1\,\text{Punkt} vergeben.
    • Möglicher Punktwert in diesem Teil: 0−3 Punkte0-3\,\text{Punkte}.
  • Lernphase:
    • Sollte der Patient nicht alle Wörter beim ersten Mal wiederholen können, wird der Versuch wiederholt, bis er alle drei Begriffe beherrscht.
    • Es sind maximal 5 Versuche5\,\text{Versuche} zulässig.
    • Falls der Patient nach 5 Versuchen5\,\text{Versuchen} die Wörter nicht gelernt hat, ist eine spätere Prüfung des Erinnerns nicht sinnvoll.

Aufmerksamkeit und Rechnen

  • In diesem Abschnitt werden zwei alternative Aufgaben gestellt, wobei die höhere der beiden Wertungen in das Gesamtergebnis einfließt. Der maximale Punktwert liegt bei 0−5 Punkten0-5\,\text{Punkten}.

  • Aufgabe 1: Rückwärtsrechnen:

    • Der Patient soll bei der Zahl 100100 beginnen und in 7er7\text{er}-Schritten rückwärts zählen.
    • Der Untersucher hält den Patienten nach genau 5 Subtraktionen5\,\text{Subtraktionen} an.
    • Die korrekte Folge lautet: 9393, 8686, 7979, 7272, 6565.
    • Gezählt werden die in der richtigen Reihenfolge gegebenen Antworten.
  • Aufgabe 2: Rückwärts buchstabieren:

    • Der Patient wird gebeten, das Wort "Preis" rückwärts zu buchstabieren.
    • Die Bewertung richtet sich nach der Anzahl der Buchstaben in der korrekten Reihenfolge.
    • Beispiele für die Wertung:
      • "SIERP" ergibt 5 Punkte5\,\text{Punkte}.
      • "SIREP" ergibt 3 Punkte3\,\text{Punkte}.

Erinnern (Recall)

  • In diesem Teil wird das Kurzzeitgedächtnis geprüft.
  • Aufgabenstellung: Der Patient wird gefragt, ob er die drei Wörter noch weiß, die er zuvor (in der Sektion Merkfähigkeit) auswendig lernen sollte.
  • Bewertung:
    • Für jedes korrekt erinnerte Wort wird 1 Punkt1\,\text{Punkt} vergeben.
    • Möglicher Punktwert: 0−3 Punkte0-3\,\text{Punkte}.

Sprachliche Fähigkeiten und Benennen

  • Benennen:

    • Dem Patienten wird nacheinander eine Armbanduhr und ein Bleistift gezeigt.
    • Der Patient muss benennen, um welche Gegenstände es sich handelt.
    • Für jeden korrekt benannten Gegenstand gibt es einen Punkt.
  • Wiederholen:

    • Der Patient muss den Satz "Kein Wenn und Aber" nachsprechen.
    • Es ist strikt nur ein einziger Versuch erlaubt.
  • Dreiteiliger Befehl:

    • Der Patient soll eine komplexe Handlungsabfolge ausführen: "Nehmen Sie ein Blatt in die Hand, falten Sie es in der Mitte und legen Sie es auf den Boden."
    • Für jeden korrekt ausgeführten Teilschritt wird 1 Punkt1\,\text{Punkt} vergeben.
    • Gesamtpunktzahl für diese Aufgabe: 0−3 Punkte0-3\,\text{Punkte}.

Lesen, Schreiben und Abzeichnen

  • Reagieren auf geschriebenen Text:

    • Der Untersucher schreibt den Satz "Schließen Sie die Augen" in großen Buchstaben auf ein weißes Blatt.
    • Der Patient muss den Text lesen und die entsprechende Handlung ausführen.
    • Es wird 1 Punkt1\,\text{Punkt} vergeben, wenn der Patient die Augen tatsächlich schließt.
  • Spontanes Schreiben:

    • Der Patient soll auf einem weißen Blatt spontan einen Satz formulieren und aufschreiben.
    • Der Satz darf nicht diktiert werden.
    • Kriterien für die Punktvergabe (0−1 Punkt0-1\,\text{Punkt}):
      • Der Satz muss ein Subjekt und ein Verb enthalten.
      • Der Satz muss einen Sinn ergeben.
      • Korrekte Grammatik und Interpunktion sind für die Punktvergabe nicht zwingend erforderlich.
  • Abzeichnen (Konstruktive Praxis):

    • Der Untersucher zeichnet zwei sich überschneidende Fünfecke auf ein Blatt.
    • Der Patient wird aufgefordert, diese Figur exakt abzuzeichnen.
    • Bewertungskriterien (0−1 Punkt0-1\,\text{Punkt}):
      • Alle 10 Ecken10\,\text{Ecken} müssen vorhanden sein.
      • Zwei der Ecken müssen sich überschneiden.
      • Zittern beim Zeichnen oder ein leichtes Verdrehen der Figur führen nicht zum Punktabzug.