Textstellen Brumlik

1. Modelle der Erziehungswissenschaft (S. 60)

„Wissenschaftstheoretische Grundsatzdebatten und um das Wesen der Disziplin geführte Glaubenskriege scheinen vergangenen Zeiten, den 1970er-Jahren anzugehören und damit unwiderruflich veraltet zu sein.“

„Als Ergebnis dieser Bemühungen verbleibt in Lehrbüchern und Einführungen gleichwohl ein lexikalischer Pluralismus, der sich zwar nicht vor eigenen Urteilen scheut, jedoch zunächst alles aufführt, was zum jeweiligen Zeitpunkt an ‚Ansätzen‘ vorlag und noch immer als aktuell gilt. So führt eine Ende der 1990er-Jahre erschienene Einführung von Krüger in trauter Gemeinsamkeit nicht weniger als vierzehn verschiedene „Ansätze“ auf“

„Erziehungswissenschaft als … normative Disziplin, empirische Verhaltenswissenschaft, hermeneutische Disziplin“, und – eher unvermittelt – „Erziehungswissenschaft auf der Basis der Systemtheorie“ (König/Zedler

„Die die Disziplin über Jahre quälende Identitätsfrage, die durch das Benennen all dieser ‚Ansätze‘ keineswegs gelöst, sondern nur stillgestellt ist, ließ und lässt sich in zwei Teilfragen untergliedern, in die Frage nach dem Inhalt, den Themen der Erziehungswissenschaft hier sowie in die Frage nach den diesem Thema angemessenen Methoden und Methodologien dort.“

2. Das Paradigma der „Sozialwissenschaft“ (S. 61)

„Diese Debatte ist – zumal aus heutiger Perspektive – dadurch ausgezeichnet, dass das Wesen der Sozialwissenschaften nicht aus ihren Themen (Industriesoziologie, Politische Systeme, Interaktionsformen etc.) bestimmt wurde, sondern aus einer bestimmten Methodologie heraus, die sich so eben weder in den Geistes- noch in den Naturwissenschaften finden lasse.“

„Zumal Psychoanalyse und Ideologiekritik demnach ein den Sozialwissenschaften immanentes emanzipatorisches Ideal erfüllen, insofern sie hier durch verstehende, dort durch entlarvende Operationen an Handlungsvollzügen oder -objektivationen den Individuen den wahren bzw. den verfehlten Sinn ihres Handelns kommunizieren und damit die Quasinaturhaftigkeit eines zum Verhalten geronnenen Handelns in die Verfügung der Individuen zurückgeben.“

→ durch Sozialwissenschaft das auschöpfen, woru es in Erzw. tatsächlich geht: „Womöglich ist das nicht der Fall und womöglich bedarf es gerade, um das Motto des Frankfurter Kongresses ‚Bildung – Macht – Gesellschaft‘ theoretisch angemessen zu fassen, eines anderen Zugangs.“

3. Was heißt Kulturwissenschaft? (S. 62)

„Der in den neuen Kulturwissenschaften zugrunde gelegte Begriff der Kultur soll sich dabei nicht in der herkömmlichen Fassung als ‚kollektives Sinnsystem, als symbolischer Code oder als lesbarer Text‘ erschöpfen, sondern den lebenspraktischen, den performativen Vollzug dieser Sinnsysteme mit einbeziehen.“

„Der kulturwissenschaftliche Blick unterscheidet sich damit vom sozialwissenschaftlichen Blick in seinen beiden (ideologiekritischen oder systemtheoretischen) Ausformungen dadurch, dass er weniger an den Funktionen sozialen Handelns für Institutionen oder ‚Systeme‘ interessiert ist als daran, wie Sinn dargestellt und vollzogen wird.“

4. Die pädagogische Begründung der Kulturwissenschaft (S. 63)

„Vergessene usammenhänge. Über Kultur und Erziehung: in dieser Arbeit findet sich die Grundlegung einer Pädaggogik als Wissenschaft“

„Indem Mollenhauer Bildungsprozesse in normativer Perspektive als ‚Erweiterung und Bereicherung, aber auch Verengung und Verarmung dessen, was möglich gewesen wäre‘ bestimmt, kann er der Pädagogik die Aufgabe zuweisen, bei der Erinnerung an die Unterstützung, aber auch die zensorische Tätigkeit von Erwachsenen in diesem Prozess zu helfen.“

„Indem er als Gegenstand der Erziehungswissenschaft mit Wittgenstein und dessen Interpretation von Augustinus die ‚Aneignung einer Lebensform‘ bestimmt, kann er als Essenz der Erziehungswissenschaft eine Theorie der Initiation in eine Kultur fassen.“

„Kulturwissenschaft ist kritische Kulturwissenschaft.“

5. Praxis kulturwissenschaftlicher Pädagogik (S. 66)

„‚Performanz‘ und ‚Initiation‘ sind Grundbegriffe der neueren, schließlich auch in der Erziehungswissenschaft rezipierten Ritualforschung.“

„Rituale haben, wie nicht nur die erziehungswissenschaftliche Ritualforschung (Wulf 2004) nachweist, anders als bisher behauptet, nicht nur eine bewahrende, konservative, sondern allemal auch eine innovative, kreative Kraft. Indem diese kreativen Wirkungen Ausdruck grundsätzlich performativen Charakters von Ritualen sind, Bildungsprozesse als Initiationsprozesse aber immer auch von (produktiven und kreativen) Ritualen durchzogen sind, erweist sich die kulturwissenschaftliche Perspektive als jene Perspektive, die Bildungsprozessen in besonderer Weise angemessen ist.“

Schlussargument (S. 67)

„Setzt man als Hintergrundbegriff jedoch nicht ein spezifisches soziales System, sondern den nach Maßgabe der Systemtheorie nicht theoriefähigen Begriff des ‚Menschen‘ als eines ‚animal symbolicum‘ an, so gewinnt man mit den Begriffen von ‚Kultur‘ und ‚Selbsttätigkeit‘ begriffliche Instrumente, die es gestatten, einen kritischen Begriff dafür zu entfalten, wie die Gesellschaft die Entfaltung von Bildung einschränken kann.“

König/Zedler 1998

• Normative Disziplin

• Empirische Verhaltenswissenschaft

• Hermeneutische Disziplin

2 Teilfragen

• nach den Inhalten, Themen

• nach den angemessenen Methoden und Methodologien, Achtung: Differenz !

Paradigma der Sozialwissenschaft

• Psychoanalyse und Ideologiekritik -> emanzipatorisches Ideal

• Systemtheorie nach Luhmann:

selbstreferentielle Thematisierungen und Beobachtungen „sozialer Systeme“

Was heißt Kulturwissenschaft ?

Jäger/Liebsch 2004: … dienen der Selbstverständigung jener, die in den vielfältigen Formen kulturellen Lebens existieren.

Hörning 2004:…errichten kein kollektives Sinnsystem, sondern beziehen den lebenspraktischen, performativen Vollzug der Sinnsysteme mit ein.

Differenz SoWi - KuWi

• Kulturwissenschaft ist weniger an den Funktionen sozialen Handelns für Institutionen und Systeme interessiert,

• Sondern daran wie Sinn dargestellt und vollzogen wird.

Die pädagogische Begründung der Kulturwissenschaft I

  • Mollenhauer 1983: „Vergessene Zusammenhänge. Über Kultur und Erziehung“

  • Wittgenstein, Augustinus: Aneignung einer Lebensform Initiation in eine Kultur

Die pädagogische Begründung der Kulturwissenschaft II

• Präsentation

• Kulturwissenschaft ist kritische Kulturwissenschaft

• Pierre Bourdieu als Kulturwissenschafter

• Begriff des Habitus

• Einverleibter sozialer Sinn

Praxis kulturwissenschaftlicher Pädagogik

• Performanz

• Initiation – Rituale

• Cassirer „animal symbolicum