Dramatik_Skriptum_Trauner (copy)

Dramatik

  • Der Begriff "Drama"

    • Drama bezeichnet alle Texte mit gemeinsamen Eigenschaften, nicht nur Theaterstücke mit negativem Ausgang.

    • Wichtiges Merkmal ist das Geschehen, das im Drama fokussiert wird.

Merkmale des Dramas

  • Geschehen wird durch Monologe und Dialoge vermittelt, nicht narrativ.

  • Nutzung szenisch-darstellerischer Mittel.

  • Immer ein dramatischer Konflikt, der gelöst wird.

  • Je nach Auflösung des Konflikts wird zwischen Tragödie, Schauspiel oder Komödie (bzw. Tragikomödie) unterschieden.

Einteilung des Dramas nach Konfliktlösung

Dramenarten

  • Tragödie

    • Konflikt endet oft mit dem Tod des Helden (tragischer Konflikt).

    • Beispiele:

      • William Shakespeare: "Romeo und Julia" (1597)

      • Gotthold Ephraim Lessing: "Emilia Galotti" (1772)

      • Friedrich Hebbel: "Maria Magdalena" (1843)

  • Schauspiel

    • Ernster Konflikt, positiv gelöst.

    • Beispiele:

      • Friedrich Schiller: "Wilhelm Tell" (1804)

      • Johann Wolfgang Goethe: "Iphigenie auf Tauris" (1787)

      • Gotthold Ephraim Lessing: "Nathan der Weise" (1779)

  • Komödie

    • Inhalt oft kein ernster Konflikt, sondern ein Scheinkonflikt, komische Elemente sind enthalten.

    • Beispiele:

      • Gotthold Ephraim Lessing: "Minna von Barnhelm" (1767)

      • William Shakespeare: "Der Widerspenstigen Zähmung" (1594)

      • Heinrich von Kleist: "Der zerbrochne Krug" (1806)

Weitere Dramenformen innerhalb der Komödie

  • Lustspiel: andere Bezeichnung für Volksstück.

  • Posse: volkstümliches, komisches Theaterstück ohne Anspruch auf Belehrung.

  • Schwank: scherzhafte Erzählung in Vers oder Prosa.

Tragikomödie

  • Entstand nach der Klassik, verbindet tragische und komische Elemente.

  • Zeigt die Doppelgesichtigkeit des Lebens.

  • Beispiele:

    • Friedrich Dürrenmatt: "Der Besuch der alten Dame" (1956)

    • Gerhart Hauptmann: "Die Ratten" (1911)

Einteilung des Dramas nach Darstellung des Geschehens

Dramenarten

  • Zieldrama

    • Zeigt alle Ereignisse, die zum Ziel der Handlung führen.

    • Beispiele:

      • Gotthold Ephraim Lessing: "Emilia Galotti" (1772)

      • Johann Wolfgang Goethe: "Faust" (1808)

  • Analytisches Drama

    • Setzt Handlung als geschehen voraus, konzentriert sich auf Enthüllungen.

    • Beispiel:

      • Heinrich von Kleist: "Der zerbrochne Krug" (1806)

      • Henrik Ibsen: "Gespenster" (1881)

  • Episches Theater

    • Von Bertolt Brecht entwickelt, enthält erzählende Elemente, fördert kritische Distanz.

    • Beispiele:

      • Bertolt Brecht: "Mutter Courage und ihre Kinder" (1941)

      • Bertolt Brecht: "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" (1931)

Ergänzende Begriffe zum Drama

Bürgerliches Trauerspiel

  • Entwickelt gegen Ende des 18. Jahrhunderts, zeigt den vom Adel unterdrückten Bürger als tragischen Helden.

    • Erstes Beispiel: Gotthold Ephraim Lessing: "Miss Sara Sampson" (1755).

    • Höhepunkt: Schiller: "Kabale und Liebe" (1784).

Volksstück

  • Theaterstück für die Volksbühne, mit Dialekt, aus der Lebensrealität des Stadtvolkes. Oft mit Musik unterlegt und

    • Beispiele:

      • Ferdinand Raimund: "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (1828)

      • Ludwig Thoma: "Magdalena" (1912)

Modernes (kritisches) Volksstück

  • Ähnlich dem Volksstück, spielt oft im Arbeitermilieu, politisch und gesellschaftskritisch orientiert.

    • Beispiel: Ödön von Horváth: "Geschichten aus dem Wiener Wald" (1931).

Absurdes Theater

  • Keine Handlung im klassischen Sinne, vermittelt Angstvorstellungen, Traumbilder.

  • Vertreter: Samuel Beckett, Eugène Ionesco.

    • Beispiele:

      • Samuel Beckett: "Warten auf Godot" (1952)

      • Eugène Ionesco: "Die kahle Sängerin" (1950)

Formale Besonderheiten des Dramas

Versdrama

  • Drama in Versform, entgegen dem Prosadrama.

Antikes Drama

  • Anfänge des antiken Dramas: gesungene Kulthandlungen zu Ehren des Dionysos, Einführung des ersten Schauspielers (Thespis).

  • Bedeutende Dramatiker:

    • Aischylos: Einführung des zweiten Schauspielers.

    • Sophokles: Einführung des dritten Schauspielers.

    • Euripides: moderne Themen.

Aristoteles

  • Theorie der Tragödie, Einführung der drei Einheiten (Ort, Zeit, Handlung).

Klassisches Drama

  • Nachbildung des antiken Dramas, kombiniert mit Klarheit und Ordnung; die Handlung hat logische Abläufe.

  • Gustav Freytag entwarf das Modell des klassischen Dramas:

    1. Akt: Exposition

    2. Akt: Aufsteigende Handlung

    3. Akt: Höhepunkt

    4. Akt: Fallende Handlung

    5. Akt: Katastrophe/Lösung.

Offene Form des Dramas

  • Ablehnung der strikten Akteinteilung, kein Repräsentationsausschnitt.

  • Fragmentcharakter, kritische Distanz zur Handlung, vielfältige Schauplätze möglich.

Episches Theater

  • Brecht: Publikum soll kritische Distanz entwickeln, Missstände erkennen.

  • Unterschiede zum klassischen Drama: keinen tiefen emotionalen Einsatz, Einfühlung der Schauspieler auf Distanz.

Formale Elemente von dramatischen Texten

  • Szene: Gliederungseinheit zwischen Schauplatzwechseln.

  • Akt: vorherrschende Gliederungseinheit.

  • Dialog: zwischen zwei oder mehreren Personen.

  • Monolog: Selbstgespräch einer Figur.

  • Haupttext und Nebentext: gesprochene und nicht gesprochene Texte.