6. Skript Knochen 1-7

Bewegungsapparat

Der Bewegungsapparat des menschlichen Körpers umfasst mehrere wichtige Komponenten, darunter Knochen, Muskeln, Gelenke, Faszien, Schleimbeutel, Sehnen und Sehnenscheiden. Er ist essenziell für die Durchführung jeglicher Bewegungsabläufe und bildet das Stützgerüst des Körpers.

Knochen

Definition

Knochen oder Knochengewebe sind eine besonders harte Form des Binde- und Stützgewebes, die das menschliche Skelett bildet. Sie sind hochspezialisierte Organe und di e medizinische Teildisziplin, die sich mit ihnen beschäftigt, ist die Osteologie.

Variabilität

Die einzelnen Knochen weisen je nach Lage unterschiedliche Formen und Größen auf, von den nur einige Millimeter großen Gehörknöchelchen bis zum massiven Femur (Oberschenkelknochen).

Einteilung der Knochen

Knochen lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:

  • Ossa longa (lange Knochen): Sie bestehen aus zwei Enden (Epiphysen), einer mittigen Diaphyse und einer Übergangszone (Metaphyse). Diese Knochenoberfläche ist von der Knochenhaut (Periost) umgeben, die eine wichtige Funktion in der Regeneration und Versorgung hat. Beispiele: Femur, Humerus, Tibia.

  • Ossa brevia (kurze Knochen): Kurze, kompakte Knochen, meist würfel- oder zylinderförmig. Beispiele: Hand- und Fußwurzelknochen.

  • Ossa plana (platte Knochen): Flächig aufgebaute Knochen. Beispiele: Scapula, Sternum, Rippen.

  • Ossa pneumatica (hohle Knochen): Besitzen lufthaltige Kammern zur Einsparung von Gewicht, z.B. im Schädel. Beispiele: Maxilla, Os frontale.

  • Ossa sesamoidea (Sesambeine): Variabel auftretende Knochen, häufig als funktioneller Bestandteil von Sehnen, z.B. Patella.

  • Ossa irregularia (unregelmäßige Knochen): Knochen, die keiner der oben genannten Kategorien zugeordnet werden können. Beispiele: Wirbel, Kreuzbein, Zungenbein.

Aufbau von Röhrenknochen

Eigenschaften

Neben Zahnschmelz zählt das Knochengewebe zu den härtesten Materialien im menschlichen Körper. Es ist druck-, zug-, biege- und torsionsfest und speichert 99 % des Calciums und der Phosphate im Körper.

Makroskopische Bauformen

  1. Kortikalis (Substantia compacta): Eine kompakte Knochengewebeschicht, die unterhalb der Knochenhaut liegt. In der Diaphyse von Röhrenknochen ist sie besonders dick. Hier befinden sich Osteone als funktionelle Einheiten.

  2. Spongiosa (Substantia spongiosa): Befindet sich im Inneren des Knochens, bestehend aus einem schwammartigen Netzwerk von Trabekel, das entlang von Hauptbelastungslinien ausgerichtet ist. Diese Struktur ermöglicht eine optimale Verteilung mechanischer Kräfte.

Epiphyse und Diaphyse

Epiphyse

  • Die Epiphysen bilden die Enden des Röhrenknochens und tragen die knorpeligen Gelenkflächen. Sie haben eine ausgeprägte Spongiosa, die die Stabilität erhöht.

Diaphyse

  • Die Diaphyse ist die mittlere, längliche Struktur des Röhrenknochens, umgeben von Kompaktknochen (Substantia compacta). Innen befinden sich Markhöhlen für das gelbe Knochenmark.

Epiphysenfuge

Zwischen den Epiphysen und der Diaphyse befinden sich die Epiphysenfugen, die während der Wachstumsphase mit hyalinem Knorpel gefüllt sind. Hier erfolgt das Längenwachstum des Knochens. Nach Abschluss des Wachstums verknöchert diese Zone und bleibt als Epiphysenlinie erhalten.

Knochenzellen

Osteoblasten

  • Verantwortlich für die Synthese der organischen Grundsubstanz des Knochens und des Enzyms alkalische Phosphatase, das die Mineralisation fördert.

Osteozyten

  • Reife Knochenzellen, die aus Osteoblasten entstehen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Knochenmatrix und der Regulation des Kalzium- und Phosphathaushalts.

Osteoklasten

  • Verantwortlich für den Abbau und die Resorption von Knochengewebe. Diese vielkernigen Zellen setzen Enzyme und Säuren frei, um die mineralisierte Matrix aufzulösen und Mineralien in den Blutkreislauf abzugeben.