2.Kommunikation

Explizite und implizite Botschaften

  • Es ist entscheidend, explizite und implizite Botschaften zu unterscheiden, um das Verständnis des Gesprächspartners zu gewährleisten.

    • Explizite Botschaft: Direkt ausgedrückte Information (z. B. "Ich gehe jetzt schlafen").

    • Implizite Botschaft: Indirekt ausgedrückte Ideen oder Gefühle, die leicht missverstanden werden können (z. B. "Es ist schon viertel vor zwölf").

  • Die Gefahr von Missverständnissen liegt besonders im Bereich impliziter Botschaften, da diese oft nicht offensichtlich sind.

  • Man könnte geneigt sein anzunehmen, dass die expliziten Botschaften die eigentlichten Hauptbotschaften sind, während die impliziten Botschaften etwas weniger wichtig am Rande mitlaufen.

  • Beispiel für Missverständnisse:

    • „Was ist das Grüne in der Suppe?“ (Sachinhalt!!!) kann verschiedene implizite Bedeutungen haben, z. B.:

      • „Das Grüne schmeckt mir nicht“ (Selbstoffenbarung)

      • „Du kannst nicht gut kochen“ (Beziehungsbotschaft).

Hilfsmöglichkeiten zur Erkennung impliziter Botschaften

  • Aktives Zuhören: Aufmerksames und bewusstes Zuhören, um implizite Botschaften zu erfassen.

  • Zweite Antenne: Sich mental auf implizite Botschaften einstellen, um deren Anteile bewusst wahrzunehmen.

  • Beobachtung nonverbaler Kommunikation:

    • Mimik, Gestik und Tonfall analysieren:

      • Kongruente Nachricht: Übereinstimmung zwischen verbalen und nonverbalen Signalen.

      • Inkongruente Nachricht: Widerspruch zwischen verbalen und nonverbalen Signalen.

Metakommunikation

  • Kommunikation erfolgt stets auf zwei Ebenen:

    • Mitteilungs-Ebene: Die eigentliche Nachricht.

    • Metaebene (Metakommunikation): Reflexion über die Kommunikation selbst.

  • Metakommunikation kann sowohl explizit als auch implizit sein:

    • Explizite Metakommunikation: Direkte Analyse und Besprechung von Kommunikationsstörungen.

  • Die Fähigkeit zur Entschlüsselung einer Nachricht hängt stark von der Erkennung metakommunikativer Inhalte ab.

  • Metakommunikation auf der Metaebene, ist der „So-ist-das-gemeint-Anteil“ jeder Nachricht anhand von 4 Möglichkeiten qualifiziert: 1. den Kontext, 2. die Art der Formulierung, 3. durch Mimik und Gestik, 4. den Tonfall

Die vier Botschaften einer Nachricht

  • Jede Nachricht enthält vier Botschaften, die vom Empfänger entschlüsselt werden sollten:

    • Sachohr: Fragt nach dem Sachinhalt (z. B. „Wie ist der Sachinhalt zu verstehen?“).

    • Selbstoffenbarungsohr: Erkennt die Persönlichkeit des Senders (z. B. „Was sagt das über ihn aus?“).

    • Beziehungsohr: Analysiert die Beziehung zwischen Sender und Empfänger (z. B. „Wie steht er zu mir?“).

    • Appellohr: Erfordert eine Handlung oder Antwort (z. B. „Was will der Sender erreichen?“).

  • Beispielanalyse:

    • Frage: „Wo hast du diese Wurst gekauft?“ kann unterschiedliche Bedeutungen haben, je nachdem, welches Ohr des Empfängers angesprochen wird.

      • 1. Sachohr = Antwort: beim Aldi → diese Antwort bezieht sich rein auf die Sachebene und liefert die gewünschte Information ohne weitere Interpretationen oder Emotionen.

      • 2. Selbstoffenbahrungsohr = Antwort: ich kann die Wurst das nächste mal ja auch beim Metzger Huber kaufen → diese Antwort zeigt etwas über die Person des Senders, z.B. das sie kompromissbereit ist oder sich unsicher fühlt, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat.

      • 3. Beziehungsohr = Antwort: musst du auch an allem rumnörgeln → hier interpretiert der Empfänger die Aussage als Kritik oder Abwertung und reagiert entsprechend empflindlich. Die Beziehungsebene wird in den Fokus gestellt.

      • 4. Appellohr = Antwort: du kannst ja auch bei euch in der Kantine frühstücken → diese Antwort deutet auf einen Appell hin, das der Gesprächspartner seine Gewohnheiten ändern soll.

Herausforderung des vier Ohren-Modells

  • Empfänger hören nicht nur auf einem Ohr, sondern nehmen alle vier Botschaften gleichzeitig auf.

  • Selektives Hören auf ein Ohr kann zu Kommunikationsstörungen führen:

    • Beispiel: In emotionalen Situationen kann das Beziehungsohr überbetont werden, während der Sachohr ignoriert wird.

  • Schulz von Thun hebt hervor, dass jede Nachricht auch persönliche und emotionale Inhalte trägt, die bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen.

  • Missverständnisse entstehen häufig, weil der Empfänger die Nachricht anders interpretiert als beabsichtigt, was zur Suche nach der "Schuld" führt anstelle nach der "Ursache".

Fazit

  • Erfolgreiche Kommunikation erfordert das Bewusstsein über die Mehrdimensionalität von Nachrichten und die Fähigkeit, sie "vierohrig" zu empfangen.

  • Das Verständnis dieser komplexen Dynamiken minimiert Missverständnisse und fördert effektive zwischenmenschliche Kommunikation.