Kompartmentsyndrom - via medici

Kompartmentsyndrom

Definition

  • Anstieg des Drucks in einem Kompartiment (z.B. Muskelloge) -> gestörte Mikrozirkulation und Blutversorgung.

Ursachen

  • Frakturen und Traumata (z.B. Verbrennungen, körperliche Anstrengung).

  • Kompression von außen (Hämatome, enge Verbände).

  • Ödeme durch Muskelüberlastung.

  • Reperfusionsödem nach einer Embolie.

  • Lagerungsschäden im OP.

  • Drogen und Medikamente (z.B. Heroin).

Epidemiolo

gie

  • Inzidenz: ca. 3,1 pro 100.000 Einwohner/Jahr, höheres Risiko bei Männern.

  • Altersgipfel < 35 Jahre, jedoch auch in frühen und späten Lebensjahren möglich.

  • Häufig betroffen: Unterschenkel (ca. 80%), besonders Tibialis-anterior-Loge.

Symptome

  • Schmerzen, pralle Schwellung, empfindliche Muskeln.

  • Glänzende Haut und Spannungsblasen bei fortgeschrittenem Syndrom.

  • Motorische und sensible Ausfälle, z.B. Großzehenheberschwäche.

Klinisches Bild und Diagnostik

  • Inspektion auf Hämatome, Spannungsblasen und Umfangsmessung der Extremität.

  • Palpation des Weichteildrucks.

  • Prüfung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität.

Laboruntersuchung

  • Erhöhte Myoglobin- und CK-Werte durch Rhabdomyolyse möglich.

Apparative Diagnostik

  • Kompartmentdruckmessung zur Beurteilung der Notwendigkeit einer Therapie (Perfusionsdruck > 60–70 mmHg).

Therapie

Konservative Therapie

  • Bei beginnendem Kompartmentsyndrom: Hochlagerung, Kühlung, Entfernung strangulierender Verbände.

Operative Therapie

  • Bei drohendem Kompartmentsyndrom (Druck 20–30 mmHg): Fasziotomie notwendig.

  • Bei manifestem Syndrom (Druck 30–40 mmHg): Dermatofasziotomie als Notoperation.

Prognose

  • Bei rechtzeitigem Eingreifen gute Erholungsprognose der Muskulatur.

  • Verspätete Intervention kann zu dauerhaften Funktionsstörungen führen.

Wichtige Merke

  • Bei drohendem Kompartmentsyndrom keine Regionalanästhesie.

  • Alle betroffenen Kompartimente sollten gespalten werden.