Kapitel 39–41: Laplace-Transformation, Systemantworten, Frequenzbereich und Zustandsraum-Entwurf
39.1 Die Laplace-Transformation
Ziel der Laplace-Transformation in der Regelungstechnik: Überführung von Differentialgleichungen in algebraische Gleichungen, um Systeme im Frequenzbereich zu analysieren.
Grundprinzipien
Für ein lineares zeitinvariantes System gilt mit als komplexe Übertragungsfunktion.
Partielle Brüche ermöglichen die Zerlegung in einfache Residuen und Pole.
Konjugiert komplexe Polpaare p1, p2 = p1^ liefern nach Rücktransformation sinusförmige oder kosinusförmige Zeitverläufe: mit .
Repräsentationen konjugiert komplexer Pole
Alternative Form (39.77): mit Residuen .
Nach Rücktransformation: .
Beispiel: Kosinus-Funktion aus Partialbruchzerlegung
→ Zerlegung in komplexe Brüche: → (Rücktransformationsregeln beachten).
Zentrale Zeitbereichsverläufe aus dem Zeitfenster
Lage der Pole bestimmt den Typ der Zeitfunktion (abklingend, konstant, aufklingend, oszillierend).
Zustandsdarstellung und Transferfunktion
Zustandsglg.: .
Laplace-Transform: ; .
Lösung für : .
Übertragungsfunktion: .
Symbolische Darstellung der Inversen: .
Pol-Null-Stellen-Beziehung: Alle Pole von sind Nullstellen des charakteristischen Polynoms ; Pole sind Eigenwerte von ; Kürzungen (Zählernullstellen) können auftreten, wodurch Pole wegfallen können.
Beispiel zur Bestimmung von und Stabilität
Gegebene Matrix , Vektor , ; Berechnung von und ; .
Bei Kürzungen (Durch und ) kann es zu Kürzungen kommen, z. B. eine Kürzung der Linearfaktoren durch spezielle oder .
Matrix-Exponentials und Zeitverlauf
definiert durch die Potenzreihe: , Transitionsmatrix genannt.
Wichtige Regeln: ; .
Verifikation der Lösung im Zeitbereich
Mit lässt sich durch Differentiation nachweisen (39.114).
Impuls- und Sprungantwort im Zustandsmodell
Impulsantwort .
Sprungantwort , bzw. bei .
Endwert der Sprungantwort für stabile Systeme: (Endwertsatz).
Anfangsverhalten: (für beschränkte Ordnung der Partialbrüche).
Beispiel: Impulsantwort eines 2x2-Zustandsraummodells
Beispiel-A Matrix (dieses Beispiel dient der Illustration); ; ist hier diagonal: .
Zusammenfassung der Kernpunkte
fester Zusammenhang: .
Polstellen der Übertragungsfunktion stimmen mit Eigenwerten von überein; nicht alle Eigenwerte müssen Pol von sein, je nach Zähler.
Die Laplace-Transformation bietet eine Brücke zwischen Zeit- und Frequenzverhalten und ist Grundlage für Impuls- und Sprungantwort, Faltung, sowie die Bestimmung von Übertragungsfunktionen.
39.2 Systemantworten und Stabilität
Impulsantwort und Impulsverhalten
Impulsantwort eines LZI-Systems: .
Übertragungsfunktion .
Falls eine R-Glied-Darstellung hat: … → .
Zusammenhang Sprungantwort/Impulsantwort
Sprungantwort ; .
Dominanz von Polen
Dominante Pole liegen nahe der imaginären Achse; verursachen langsam abklingende Beiträge; nicht dominante Pole liegen weiter links und klingen schneller ab.
Impulsantwort mit diagonaler A
Falls diagonal, hat Form ; erhält damit klare -Beiträge.
Endwert- und Instabilitätskriterien
Endwertsatz: .
Endwert für Sprung: .
Stabilitätssatz: asymptotische Stabilität (Zustandssystem ) ist gegeben, wenn alle Eigenwerte von in der linken Halbebene liegen (LHP).
Übertragungsstabilität (BIBO) ist gegeben, wenn alle Pole von in der linken Halbebene liegen; Pol-Null-Kürzungen können auftreten.
Beispiel zur Stabilität und Übertragungsstabilität
, , .
char. Polynom . Eigenwerte .
; Pole bei ; Kürzung möglich bei bestimmten (z. B. oder ).
Praktische Hinweise
Die Umwandlung in den Zeitbereich (39.111–39.115) verifiziert die Lösungen durch Einsetzen in .
Die Matrix-Exponentials sind entscheidend für die Berechnung der Systemantwort im Zeitbereich.
39.3 Pole, Nullstellen, Modellreduktion und Identifikation
Pole und Nullstellen
Pole: Nullstellen des Nennerpolynoms – identisch mit Eigenwerten der Matrix .
Nullstellen: Nullstellen des Zählerpolynoms .
Pol-Null-Kürzungen: Kürzungen können auftreten; bei Kürzung von Nenner-Nullstellen durch den Zähler kann sich die Systemantwort verändern.
Dominanz der Pole und Nullstellen
Dominante Pole bestimmen maßgeblich die Gestalt der Systemantwort; Nullstellen beeinflussen die Form der Sprungantwort; Nullstellen können Blockier-Effekte (Blockiereigenschaften) erzeugen, z.B. bei bestimmten Frequenzen.
Allpass-Glieder und Wirkung rechts gelegener Nullstellen
Allpass-Glied lässt Dauerschwingungen passieren; rechts gelegene Nullstellen beeinflussen die Sprungantwort signifikant.
Totzeitglieder und Padé-Approximation
Totzeitglied: ; .
Padé-Approximationen für Totzeit:
PTn-Glied (Zählergrad , Nennergrad ) bzw. Padé-Approximationen der Ordnung mit Zählergrad bzw. , die die Verschiebungsgleichung im Zeitbereich nachbilden.
Modellreduktion
Dominante Pole behalten; Nicht-dominante Pole entfernen, um eine einfachere Modelldarstellung zu erhalten.
39.4 Frequenzgang und Bode-Diagramm
Harmonische Anregung und Frequenzgang
Bei ist ; für folgt eine Impuls-/Dauerschwingungs-Ansammlung.
Partialbruchzerlegung von führt zu , wobei die Zeitkomponente von Polen des darstellt und eine Dauerschwingung aufgrund der imaginären Pole von ist.
Ergebnis der harmonischen Regelung
Die Dauerschwingung bei wird durch bestimmt, während abklingt, wenn stabil ist.
Zusammenhang in kompakter Form: , wobei .
Typische Übertragungsglieder und deren Frequenzverhalten
PT1-Glied: ; Amplitude ; Phasenverschiebung .
PT2-Glied: ; Frequenzgang komplex; Eckfrequenz ; Dämpfung bestimmt Resonanz und Eigenfrequenz .
Totzeit () hat Betrag über alle ; Phase .
PD-, PI-, PID-Regler: Bode-Diagramme zeigen, wie Reglerparameter Phasen- und Amplitudenreserven beeinflussen.
Bode-Diagramm und Kenngrößen
Betragskennlinie in dB: ; Phasenkennlinie .
Eckfrequenz markiert Übergang von passiven zu dynamischen Eigenschaften; Resonanz und Eigenfrequenz beschreiben Unterschied zwischen Maximalauslenkung und schwingendem Verhalten.
Zusammenhang der Frequenzganganalyse mit Modellidentifikation und -entwurf (Rausch- und Rauschverhalten berücksichtigen).
Wichtige lineare Übertragungsglieder (Kurzüberblick)
Proportionalglied P: .
Integralglied I: ; ; Phasenverschiebung .
Differenzierglied D: ; ; Phasenverschiebung .
Totzeitglied: .
PT1-, PT2-Glieder; Allpass-Glieder; PD-, PID-Regler; Lead/Lag-Korrekturen.
Wesentliche Aussagen zum Frequenzverhalten
Tiefpass-Charakter vieler Übertragungsglieder (PT1, PT2) – fällt bei hohen .
Hochpass-Charakter (D-Glied, Totzeit) – Phasenveränderungen und Richtungen beachten.
Wichtige Formel-Hinweise
und geben Amplitude und Phasenverschiebung an; der Zusammenhang wird genutzt, um Dauerschwingungseigenschaften zu beschreiben.
Phasenreserve und Amplitudenreserve sind Kennwerte der Robustheit der Stabilität.
40 Entwurf im Frequenzbereich – Stabilität und gutes Einschwingen erreichen
40.1 Der Standardregelkreis
Standardaufbau: Regelstrecke vor dem Störeingriff, ; hinter dem Störeinfluss ; Regler so zu wählen, dass das geschlossene System gut reagiert.
Gesamter offener Kreis , geschlossener Kreis: .
Führungs- und Störübertragungsfunktionen
Führungsübertragungsfunktion .
Störübertragungsfunktion .
Beziehung .
Offener Kreis im Frequenzbereich: .
Grundannahme: stabil, (Nennergrad > Zählergrad).
Zielkriterium: Stabilität des geschlossenen Kreises über und dessen Polstellen.
40.2 Regelkreisstabilität und Robustheit der Stabilität
Stabilitätseigenschaften des Standardregelkreises ():
asymptotische Stabilität, Übertragungsstabilität, Robustheit gegenüber Modelländerungen.Stabilitätskriterien über den offenen Kreis :
Pol-Null-Kürzungen im beeinflussen und ; diese müssen berücksichtigt werden.
Kriterium 2a: asymptotische Stabilität des Zustandsmodells bedeutet, dass alle Eigenwerte von in der linken Halbebene liegen.
Kriterium 2b: Asymptotische Stabilität übertragungsseitig: Nenner ; die Pole der Übertragungsfunktion liegen in der linken Halbebene, d. h. alle Systempole müssen links liegen; hierbei darf es keine Pol-Null-Kürzungen geben.
Nyquist-Kriterium (Allgemein und Einfach): als Bedingung; Nyquist-Ortskurve wird genutzt, um Stabilität zu prüfen.
Beispiel: asymptotische vs. übertragungsstabile Fälle; Kürzung eines Residuen kann zu Übertragungsspannungen führen, die Stabilität beeinflussen.
Erweiterte Nyquist-Variante: Fahrstrahl , der die Abbildung verbindet; das einfache Nyquist-Kriterium ist der Spezialfall; das allgemeine Nyquist-Kriterium nutzt das Phasen-/Winkelverhalten des Fahrstrahls.
Phasen- und Amplitudenreserve ( und ) und deren Bedeutung für Robustheit und Stabilität.
Wasserbett-Regel: Verhältnis zwischen Verbesserung des Störverhaltens in bestimmten Frequenzbereichen und Verschlechterung in anderen; die integrierte Bilanz (Bode-Theorem) regelt die Gesamtverschiebung der Reglerwirkung.
40.3 Anforderungen an das Regelverhalten
Robuste Stabilität: Phasen-/Amplitudenreserve und Nyquist-Abstand vom kritischen Punkt sind wichtig; Robustheit gegen Modellunsicherheiten.
Dynamik: schneller Einschwingvorgang, aber ausreichende Dämpfung; Zielkonflikte zwischen Robustheit und Dynamik.
Stationäre Genauigkeit: Integration von Integratoren (I-Glied), um stationäre Regelabweichung bei konstanten Störungen zu eliminieren; I-Glied erhöht jedoch Risiko von Instabilität durch Phasenführung.
Stellgrößenbegrenzungen: Berücksichtigung physikalischer Grenzen (max. Stellgrößen); oft Kompromisse nötig.
Die Nyquist-Analyse ermöglicht eine Beurteilung der Robustheit, d. h. wie nah an kommt; Phasenreserve und gelten als Faustregeln für gute Robustheit.
Throughput: (Durchtrittsfrequenz) als Kennwert für gewünschte Störunterdrückung; es gilt, dass Störungsschutz in der Regel bei niedrigen Frequenzen besser gelingt; hoher erhöht Reaktionsgeschwindigkeit, aber kann Rauschempfindlichkeit erhöhen.
40.4 Grundtypen linearer Regler
P-Regler: ; einfache Implementierung; volles stationäres Verhalten nicht garantiert, sofern kein integrierendes Glied enthält.
I-Regler: ; ; erhöht stationäre Genauigkeit, kann jedoch die Dynamik verschlechtern.
PI-Regler: ; oder ; robuster Kompromiss zwischen Dynamik und stationärer Genauigkeit.
D-Regler: PD-Regler ; idealer D-Anteil führt zu hohen Frequenzen; reale Umsetzung oft mit zur Reduktion der Hochfrequenzempfindlichkeit: .
PID-Regler: ; Kombination aus P-, I-, D-Anteilen; hohe Dynamik, aber potenzielle Störverstärkung.
Lead-Lag-Korrekturen (Phasenführung/Phasenabsenkung) zur Optimierung von Phasenreserve und Durchtrittsfrequenz.
Typische Entwurfsphasen: Bestimmung von basierend auf Zielgrößen wie ; Balance zwischen Störunterdrückung und Robustheit.
Beispiel-Setups: Reglerentwürfe für Positionier- oder Geschwindigkeitsregelkreise; Einsatz von Lead-Gliedern, Lag-Gliedern, oder kombinierte PID-Strukturen; Zwei-Freiheitsgrade-Regelung (Steuerung und Führungsgröße) zur getrennten Optimierung von Reglerverhalten und Führungsverhalten.
40.5 Regelungsentwurf im Bode-Diagramm
Nutzung des Bode-Diagramms zur grafischen Entwurfunterstützung.
Lead-Glied (Phasenhub): mit TD > T_V; phasenanhebend, erhöht Durchtrittsfrequenz, aber erhöht Stellgrößenauslastung.
Lag-Glied (Phasenabsenkung) mit TD < T_V; phasenabsenkend, Erhöhung der niedrigen Frequenzverstärkung, ohne Phasenreserve stark zu verringern.
Beispiel-Design: zwei PI-Regler; Lead-/Lag-Korrekturen einsetzen, um auf ca. zu erhöhen und zu verschieben; Balancierung von .
Praktische Hinweise: bei dominanten Polen der Strecke sollten Reglerparameter so gewählt werden, dass die Durchtrittsfrequenz optimal beeinflusst, ohne die Robustheit zu gefährden.
40.6 Gütekriterien und optimale Regelung
Integralkriterien (Regelgüte-Parameter):
IAE: ;
ITAE: ;
ISE: .
Quadratische Gütemaße (LQR, Riccati-Regelung): Minimierung eines gewichteten Quadrats von Zuständen und Stellgrößen; robuste Zustandsschätzung (z. B. Kalman-Filter) möglich.
H∞-Entwurf: Maximierung der Robustheit durch Frequenzbereichsoptimierung; Ziel: Minimierung von Worst-Case-Güten über Frequenzen; Nutzen von Bedingungen.
Zweckmäßige Güte-Standards: Stabilität, Robustheit, angemessene Stellgröße, minimale Überschwingweite, kurzes Einschwingverhalten; oft wird eine Kombination aus zeit- und frequenzbereichsbasierten Kriterien verwendet.
40.7 Erweiterte Regelungsstrukturen
Störgrößenaufschaltung (Feed-forward zur Störung): z. B. vor der Strecke; Idealfall: ; realisierungsnah mit PTn-Glied.
Vorsteuerung (Feed-forward) zur Führungsnachführung: als Vorsteuerglied; durch geeignete Vorsteuerung generieren.
Zwei-Freiheitsgrade-Regelung (G'-Struktur): Führungsmöglichkeiten durch Vorsteuerung, während der Standardregelkreis Störverhalten reduziert; kombinierte Struktur ermöglicht bessere Reproduzierbarkeit von Führungs- und Störverhalten.
Kaskadenregelung: innere Schleife wird geregelt, äußere Schleife nutzt innere Ergebnisse; ermöglicht robustere Störunterdrückung und Führungsverhalten.
Dynamische Vorsteuerung (Verwendung eines Modells der Strecke) zur Regelung des Führungsverhaltens unabhängig vom Störverhalten.
41 Entwurf im Zustandsraum – alle Systemgrößen einbeziehen
41.1 Konstante Zustandsrückführung und Vorsteuerung
Ausgangspunkt: Zustandsgleichung ; Vorsteuerung mit und .
Annahmen: ist ein ()-Vektor, ein ()-Vektor, eine Konstante.
Stationäre Forderungen (bei konstant): , ; daraus resultieren zwei Gleichungen, um zu lösen
;
→ .
Dynamische Anforderung: ; Stabilität erfordert, dass die Eigenwerte von in der linken Halbebene liegen.
Koeffizientenvergleich zur Festlegung von
Das Polynom
Vergleich mit Zielpolynom
für ; so erhält man Gleichungen für .
Beispiel: , ,
Lösung für ; Vorsteuerung führt zu einer gewünschten geschlossenen Kreisstruktur.
Führungsübertragungsfunktion , wobei und
Vorteil: vollständige Kontrolle über Dynamik durch Vorgabe der Systempole; stationäre Genauigkeit oft durch Führungszustände erzeugbar.
41.2 Zustandsbeobachtung
Falls nicht alle Zustände gemessen werden: Einsatz eines Luenberger-Beobachters
Beobachtergleichung: .
Schätzfehler folgt der Linear-Differentialgleichung ; Stabilität hängt von der Platzierung der Beobachterpole (Matrix ) ab.
Koeffizientenvergleich zur Platzierung der Beobachterpole
Bestimmte Werte von setzen, dass die gewünschten Beobachtereigenwerte real oder komplex sind.
Arbeiten mit Zustandsrückführung + Beobachter
Kombination aus und Beobachter liefert zwei Sätze von Polen; Gesamtsystem hat Pole; Beobachter verhindert das Wegfallen der Beobachterparameter aus dem Gesamtsystem.
41.3 Dynamische Vorsteuerung
Dynamische Vorsteuerung baut auf einem Modell der Strecke auf (mit Zustandsrückführung) und erzeugt eine Sollgröße . Das Führungsverhalten wird über das Modell bestimmt, unabhängig vom Störverhalten.
Vorteile: Führungsvorsteuerung unabhängiger gestalten; beim Einsatz eines Modells der Strecke kann nahezu voreilig dem Führungsverhalten entsprechen.
41.4 Konstante und dynamische Störgrößenaufschaltung
Falls Störung gemessen werden kann, kann deren Einfluss über eine Störgrößenaufschaltung gemindert werden.
Störgrößenaufschaltung im Zustandsraum: wird zusätzlich durch eine Störgrößenaufschaltung beeinflusst; das Systemverhalten hängt von Zählern und Nenner der jeweiligen Blöcke ab; ist entscheidend.
Dynamische Störgrößenaufschaltung: Modell der Strecke inklusive Störungen als Teil eines Vorsteuerungs- bzw. Regler-Systems; Ziel: Störgrößenwirkung minimieren; Einsatz von Beobachtern, um Störsignale abzuleiten.
41.5 Ausblick und Beispiele
Zustandsregelung mit Beobachter ist in Industrie- und Forschungsanwendungen weit verbreitet; Vorteile: gezielte Kontrolle über Systemdynamik; robuste Stabilität abhängig von Polplatzierung.
Nichtlineare Erweiterungen: Zustandsregelung kann auf nichtlineare Systeme übertragen werden (Ein-/Ausgangslinearisierung, LQR, H∞).
Digitale Realisierung: Diskretisierung von Zustandsmodellen; Übergangs- oder Transitionsmatrix ; Diskretisierung mittels Euler- oder Tustin-Transformation; der diskrete Regler kann rekursiv implementiert werden.
41.6 Nichtlineare Zustandsregelung durch Ein-/Ausgangslinearisierung
Motiviert durch Pendelbeispiel: Nichtlineare Zustandsgleichungen mit Sinusgliedern werden durch ein Reglergesetz so modifiziert, dass eine lineare Ein-/Ausgangsbeziehung entsteht.
Vorgehen (allgemein): gegebene Streckenbeschreibung ; wird mehrfach abgeleitet bis erscheint; Vergleich mit einer gewünschten Differentialgleichung führt auf .
Ergebnis: linearisiertes Führungsverhalten ; der relative Grad ist typischerweise (Ordnung). Interne Dynamik bleibt nichtlinear; bei (vollständige Ein-/Ausgangslinearisierung) ist oft stabile Regelung möglich.
41.7 Digitale Realisierung
Digitale Regler realisieren zeitdiskrete Algorithmen; der Abtastzeitraum muss klein gewählt werden; der Reglerläufer wird periodisch durch A/D-Wandler (AD) erfasst und durch D/A-Wandler (DA) ausgegeben.
Übergang von kontinuierlicher zu diskreter Zeit: der Transitions- oder Übergangsoperator wird eingesetzt; rekursiver Zustandstransfer ;
, .
Diskrete Zustandsdarstellung eignet sich hervorragend als Basis für Reglerentwürfe im Zeitbereich (Riccati, LQR) oder im Frequenzbereich (Nyquist, H∞) in diskreter Form.
Wichtige Konzepte und Formeln (Kompakt)
Übertragungsfunktion im Zustandsspace:
Charakteristisches Polynom und Eigenwerte:
Matrixexponential und Transitionsmatrix:
Impulsantwort und Sprungantwort:
Endwertsatz (Steady-state):
Nyquist-Kriterium (einfach): kreist um ; Stabilität ergibt sich, wenn links der Nyquist-Ortskurve liegt.
Allgemeines Nyquist-Kriterium (Fahrstrahl): Winkeländerung des Fahrstrahls muss über von nach bestimmte Werte treffen, abhängig von und .
Stör- und Führungsverhalten im Frequenzbereich: , ;
Reglerklassen – Grundkonzepte (P, PI, PD, PID) und Lead/Lag-Korrekturen
Zwei-Freiheitsgrade-Regelung: Führungs- und Störverhalten getrennt gestalten; Vorsteuerung; inner-/äußere Schleife.
Zustandsregelung: $\dot{x} = A x + b u$; ; ; ; Pole des geschlossenen Regelkreises durch platziert.
Koeffizientenvergleich zur Platzierung der Eigenwerte eines Reglers :
; Koeffizientenvergleich mit Zielpolynom liefert die .Zustandsbeobachter (Luenberger): ; ; ; Platzierung der Beobachterpole.
Diskrete Realisierung: Transition Matrix , diskreter Eingangsvektor ; ; .
Hinweis zur Nutzung der Formeln: In den Notizen wurden zentrale Gleichungen aus dem Transcript übertragen, um den Kern der Lehrinhalte zu erfassen. Detaillierte Rechenwege zu jedem gezeigten Beispiel (insbesondere längere Partialbruchzerlegungen, Explizit-Implementation von Lead/Lag-Gliedern und konkrete Parameterwerte) finden sich im Originaltext.
Verweise auf weiterführende Themen (Ausblick): Nichtlineare Zustandsregelung (41.6), digitale Realisierung (41.7), und Erweiterte Regelungsstrukturen (40.x, 41.x) bieten eine Brücke zu fortgeschrittenen Modellierungs- und Identifikationsaufgaben, inklusive H∞-Entwurf, Kalman-Filter, und moderne Regelungsarchitekturen in Industrieanwendungen.
Relevanz und Realwelt-Bezug: Die vorgestellten Konzepte (Laplace-Transformation, Dominanz der Pole, Nyquist- und Bode-Analysen, Zustandsregelung, Vorsteuerung, Beobachter) bilden die Grundlage für Stabilitäts- und Leistungsnachweise in mechanischen, elektrischen, mechatronischen Systemen, etwa in Regelkreisen von Fahrzeugen, Robotik, Luft- und Raumfahrt, und industriellen Automatisierungssystemen.
Ethik/Philosophische Implikationen: Die Wahl von Reglerparametern spiegelt technologische Entscheidungen wider, die Sicherheit, Robustheit und Zuverlässigkeit beeinflussen; robuste Designs mindern Risiken, aber verlangen oft Kompromisse zwischen Geschwindigkeit, Genauigkeit und Kosten. In der Praxis müssen Modelle regelmäßig validiert und gegen reale Umweltbedingungen getestet werden.