3. Die Leipziger Schule

Die Leipziger Schule der DDR

  • Zeitperiode: 1960er Jahre

  • Wichtige Figuren: Otto Kade, Gert Jäger, Albrecht Neubert

Merkmale der Leipziger Schule

  • Ziel: Erstellung einer „Übersetzungsgrammatik“

    • Einschränkungen:

      • Gegenstandsbereich: literarisches Übersetzen ausgeschlossen, da Invarianz schwer zu sichern

      • Translator als ideales Konstrukt

  • Äquivalenz:

    • Unterscheidung zwischen stilistischer und situationaler Äquivalenz

    • Fokussierung auf Äquivalenz auf lexikalischer Ebene

  • Literaturhinweis: Prunč, Erich (2002) - Einführung in die Translationswissenschaft, S. 55ff (im Ordner Bibliographie)

Strukturelle Elemente und Äquivalenztypen nach Otto Kade

  • Kombinationsmöglichkeiten:

    • Totale: 1:1 Entsprechung (Eigennamen, geografische Bezeichnungen, Zahlen)

    • Fakultative: 1: viele Entsprechungen (Ausdrucksebene, jedoch 1:1 auf Inhaltsebene)

    • Aproximative: 1:1 Entsprechung mit Teilentsprechungen auf Inhaltsebene

    • Null: 1:0 Entsprechung (Realia, z.B. Sushi)

Schema der zweisprachigen Kommunikation nach Kade (1968)

  • Komponenten:

    • Translation

    • TRANSLATOR

    • L1-Text E S' E / S L2-Text

  • Quelle: Prunc, Erich (2002) - Einführung in die Translationswissenschaft S. 57

Probleme mit Kade’s Schema

  • Ideale Akteure: Idealtranslater, idealer Sender, idealer Empfänger

  • Kades Aussage: Ein und derselbe Text kann bei verschiedenen Empfängern unterschiedliche Effekte auslösen

  • Intention vs. Effekt: Die Intention eines Senders und der Effekt beim Empfänger stimmen nie völlig überein

  • Ziel der Übersetzung: Referenz auf dieselben Objekte der Realität oder Abstraktion (Denotation)

  • Invarianzproblem: Hängt von der kommunikativen Äquivalenz ab

Gert Jägers Ansatz

  • Fokuswechsel: Von Invarianzforderungen auf Textebene

  • Kommunikative Äquivalenz: Funktionelle Wertigkeit von ZT und AT muss übereinstimmen

  • Wichtiger Schritt: Von der Wort- zur Textebene (*1935)

Albrecht Neubert (1930-2017)

  • Konzept der Übersetzung: Zwischen Treue zum Original und Angemessenheit in der Ziel - und Quellensprache a- Funktionelle Äquivalenz: Zwischen AT und ZT

Übersetzungsbeispiel nach Neubert

  • Varianten:

    • Variante 1: Wort für Wort Übersetzung

    • Varianten 2-4: Anpassung an die Ziel-Textkonventionen

  • Neuberts Position: Übersetzung ist keine bloße Kopie des AT, sondern eine „textinduzierte Neuschaffung einer […] semantisch-pragmatischen Totalität“ (Neubert zitiert in Prunc, S. 63)

  • Fokus: Der gesamte Text wird in der Translationalwissenschaft priorisiert.