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GruPäd Zusammenfassung Fremd
Die Grundschule im Bildungssystem
Die Grundschule ist die erste, gemeinsame kindgerechte & grundlegende Schule und eine Einrichtung der Kultusbehörden.
Kindertageseinrichtungen (Kita, Hort = Elementarbereich) sind Einrichtungen der Jugendhilfe.
Im Sinne der durchgängigen Bildungsbiografie der Kinder arbeiten die Institutionen zusammen, obwohl sie von der rechtlichen Zuordnung her getrennt sind, auf Bundesebene wird versucht durch verschiedene Empfehlungen der Ministerien, die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe voranzubringen.
Bereiche in denen die Zusammenarbeit besonders bedeutsam erscheint:
Übergang vom Elementarbereich zur Grundschule
Ganztagsschulen & Betreuung an Schulen
Unterstützung von Kindern mit heterogenen Lernvoraussetzungen
Die Grundschule als erste Schule
Grundschule folgt auf den Elementarbereich (welcher trotz Bildungsauftrag keine schulischen Funktionen aufweist)
Formalisierte, systematisch vermittelnde Bildung – lernen auf Vorrat – ohne direkte Anwendung des Gelernten beginnt (lernen vorerst „für die Schule“)
Funktionen der Schule:
Qualifikationsfunktion
Schüler werden für ihr späteres Leben mit entscheidenden Kenntnissen, Fertigkeiten & Fähigkeiten ausgestattet
Ist ein wesentliches Kennzeichen von Schulen (v.a. weiterführende Schulen)
Für Grundschule z.B. Lesekompetenz = Schlüsselkompetenz für eigenständiges Lernen & kulturelle Teilhabe
Selektionsfunktion
Gilt als besonders problematisch
Schule weist Chancen & Möglichkeiten zu (beginnt bereits in der Grundschule)
Ursprünglicher Sinn der Grundschule war verbindlicher Zugang zu Bildung für alle und damit Überwindung der Standesunterschiede – deutsche GS jedoch bis heute selektiv
Die soziale Herkunft des Kindes beeinflusst den Grundschulerfolg auf 2 Weisen:
Kinder aus schwächeren Herkunftsfamilien erhalten zuhause weniger Lernanregungen
Bildungsentscheidungen (z.B. Wahl der weiterführenden Schulen) hängen von der sozialen Herkunft ab
Legitimationsfunktion
Vermittelt Werte & Normen einer Gesellschaft und stabilisiert und legitimiert damit das politische System
Vorherrschende gesellschaftliche Grundwerte werden durch Bildung reproduziert (Staat bildet Lehrkräfte aus, organisiert Schulsystem & Bildungspläne)
Es ist nicht möglich eine Grundschule, die antidemokratische Inhalte vermittelt, zu etablieren
Die Grundschule unterscheidet sich vom Elementarbereich in zwei wesentlichen Elementen: die Schulpflicht und das staatliche Schulsystem.
Anders als im Elementarbereich findet in der Grundschule eine Reglementierung statt – bestimmte Inhalte & der Schulbesuch sind vorgeschrieben & verbindlich
Die Grundschule im deutschen Bildungssystem – Kennzeichen und Besonderheiten
Die Grundschule ist eine eigenständige Schulform und unterliegt wie alle Schulen, der Ländergesetzgebung (föderales Bildungssystem) – die konkrete Ausgestaltung variiert je nach Bundesland
Auftrag: Vermittlung grundlegender Bildung (grundlegende Basisinhalte):
Elementare Fähigkeiten in Sprache, Mathematik, Gesellschafts- & Naturwissenschaften
Fachbezogene Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten & Begabungen entfaltet (auch in musischen Bereichen)
Basisqualifikationen für weiteres Leben & Lernen (Kenntnisse, Einsichten, Lerntechniken, Haltungen)
Die Grundschule bereitet auf die Zukunft vor, ohne diese zu kennen – Auswahl der Lerninhalte richtet sich nach Vermutungen, was der Mensch von morgen benötigen wird
Grundschule bereitet auf weiterführende Schulen vor und baut auf dem Elementarbereich auf (ersten Stufen im Lesen, Schreiben & Mathematik finden bereits vor der Schule statt und ermögliche & erleichtern schulisches Lernen)
Typische Kennzeichen und Besonderheiten der Grundschule
Grundschule ist Regelschule und Sprengelschule für alle Kinder – bestimmtes Einzugsgebiet ist einer bestimmten Schule zugeordnet, ohne freie Schulwahl)
Besuch ist für alle Kinder nach dem Stichtag verpflichtend (Kinder die bis zum Stichtag 6 Jahre alt sind, werden Schulpflichtig)
Bundeseinheitlicher Stichtag (30.06) kann von den Bundesländern verschoben werden und weitere Einschulungstermine im Jahr ermöglichen
Die vorzeitige Einschulung wurde erleichtern & die Zurückstellung erschwert
Dauer: meist 4 Jahre (Berlin und Brandenburg 6 Jahre) – Dauer im europäischen Vergleich sehr kurz
Klassenlehrer/-innenprinzip (eine Lehrkraft unterrichtet nahezu alle Fächer, Wechsel meist nach 2 Jahren; Lehrkraft als Bezugsperson und zur Begleitung der Entwicklungsprozesse)
Verzicht auf Noten meist in den ersten 2 Schuljahren (variiert nach Bundesland); stattdessen Berichtszeugnisse (Bayern: Möglichkeit in Klassen 1-3 Zwischenzeugnis durch ein dokumentiertes Lernentwicklungsgespräch zu ersetzen)
Bildungsstandards (seit 2004) für den Primarbereich (Kompetenzen die am Ende der 4. Klasse erworben sein sollen – Lehrpläne orientieren sich daran)
VERA-3 (VergleichsArbeiten in der Grundschule) Testverfahren in der 3. Klasse zur Erfassung zentraler Kompetenzen, im gesamten Bundesgebiet nach KMK-Bildungsstandards für die Primarstufe – länderübergreifend entwickelt vom IQB (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) – Schulen erhalten die Ergebnisse um dann auf die Bildungsziele hinzuarbeiten
Nach der Grundschule, Übergang in die Sekundarstufe 1 (Haupt- oder Mittelschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium) – Regelungen für den Übergang unterscheiden sich nach Bundesland (in 10 Bundesländern, gibt es keine Haupt-/ Mittelschule mehr)
Meist entscheiden die Eltern die Schulart nach dem Übertritt, nur in Bayer, Brandenburg & Thüringen sind Noten und Lehrkraftempfehlungen ausschlaggebend
Grundschule in Deutschland kann als Halbtages- oder Ganztagesschule konzipiert sein – Unterscheidung zwischen offenem, gebundenem & teilweise gebundenem System
Besondere Stellung der Grundschule nach dem Elementarbereich machen & strukturelle Besonderheiten, machen eine Kooperation mit Fachkräften der Jugendhilfe unumgänglich
Ganztagsschule und anderweitige Betreuung an Schulen
Immer mehr Schulen in Deutschland werden zu Ganztagsschulen:
Betreuungsfunktion erforderlich durch gewandelte Sozialisationsbedingungen (Alleinerziehende, Erwerbstätigkeit beider Eltern)
Ermöglichen Bildungsprozesse, die in der Halbtagsschule so nicht möglich sind
Mit der Heterogenität der Schüler kann durch andere Rahmenbedingungen besser umgegangen werden
Definition Ganztagsschule (nach KMK)
an mindestens 3 Tagen in der Woche ein mindestens sieben Zeitstunden umfassendes Angebot
ein Mittagessen bereitgestellt
Ganztagsangebote unter Aufsicht, Verantwortung und enger Kooperation mit der Schulleitung organisiert und durchgeführt
Angebote stehen in konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht
Unterschieden werden 3 Formen:
Voll gebundene Form: alle Schüler sind verpflichtet an mind. 3 Wochentagen, mind. 7 Wochenstunden an den ganztägigen Angeboten der Schule teilzunehmen
Teilweise gebundene Form: ein Teil der Schüler verpflichtet sich (z.B. einzelne Klassen/ - stufen) an mind. 3 Tagen, 7 Wochenstunden teilzunehmen
Offene Form: Freiwillige Teilnahme an mind. 3 Wochentagen… (Betreuungsfunktion steht hier stärker im Zentrum – Trennung vom Lernen am Vormittag & Betreuung am Nachmittag; Betreuung kann durch externe Partner übernommen werden (im gebundenen Modell schulpädagogische Funktion & komplett rhythmisierter Schulalltag)
In Deutschland, Trend zu offenen Ganztagsschulen – billiger & leichter zu organisieren (Fokus auf Spiel, Sport, Freizeit & allenfalls Hausaufgabenhilfe)
Probleme der offenen Form
Völlige Abkoppelung von den Unterrichtsprozessen am Nachmittag erschwert durchgängige Förderung der Kinder (pädagogische Fachkräfte mitunter kaum Kenntnisse über schulische Lernentwicklung des Kindes)
Soziale und kognitive Lernprozesse erfahren keine Kontinuität da an Nachmittagsangeboten eine sozial ausgelesene Teilgruppe partizipiert
Innovationspotential der Ganztagsschule wird nicht genutzt, für messbaren Erfolg, müssen die Angebote qualitative hochwertig sein:
mind. 3x pro Woche
herausfordernde Angebote, an denen sich aktiv beteiligt werden muss
positive Beziehung zur Betreuungsperson
Gelingensfaktoren:
hohe Innovationsbereitschaft im Kollegium
pädagogische Entwicklungsziele als ausgeprägte Gründungsmotive
konzeptionelle Festlegungen pädagogischer und organisatorischer Gestaltungsformen im Schulkonzept
konzeptionelle Verbindungen zwischen Unterricht und außerunterrichtlichen Elementen
intensive Kooperation zwischen Lehrkräften & weiterem pädagogisch tätigem Personal
aktive Mitwirkung der Lehrkräfte im Ganztagsbetrieb
flexible Zeitorganisation
Ganztagskonzept muss intensiv weiterentwickelt werden, Teambildung und konzeptionelle Verzahnung sind von besonderer Bedeutung
Kooperation am Übergang vom Elementar- zum Primarbereich
In Schulgesetzgebung & Jugendhilfe- oder Kindergartengesetzgeben der Bundesländer ist die Zusammenarbeit der Institutionen vorgeschrieben.
Schweigepflicht erschwert Informationsweitergabe von Kita zu Schule (nur durch Entbindung durch Eltern)
3 Möglichkeiten die Anschlussfähigkeiten von Kita & Grundschule zu verbessern:
Strukturelle Reformen
im Elementar- und Primarbereich könnten zu anderen institutionellen Verbindungen führen (z.B. Schweiz: In der Grundstufe werden zwei Kindergartenjahre mit dem ersten Primarschuljahr, bei der Basisstufe zwei Kindergartenjahre mit den ersten zwei Jahren der Primarstufe zusammengefasst)
Curriculare Abstimmungen
Würden zu einer stärkeren inhaltlichen Verzahnung führen – Abstimmung der Bildungspläne (in manchen Bundesländern sind die Curricula (Bildungspläne) institutionsübergreifend – bereits curricular eine durchgängige Bildungsbiographie)
Kooperation von Kindergarten und Grundschule
Wie sie in den Gesetzestexten verstanden wird, bezieht sich auf direkte Maßnahmen der einzelnen Institutionen; Kooperation kann 3 Formen annehmen:
Austausch
Arbeitsteilige Kooperation
Ko-Konstruktion (am höchsten anzusetzen, da sich Partner hinsichtlich einer Aufgabe intensiv austauschen und dabei ihr individuelles Wissen so aufeinander beziehen (ko-konstruieren), dass sie dabei Wissen erwerben oder gemeinsame Aufgabe- /Problemlösung entwickeln)
in der Praxis eher unter Austausch zu fassen; häufigste & bedeutendste Maßnahme: Schulbesuche von angehenden Erstklässlern und Informationsaustausch
Hochwertige Kooperation im Sinne der Ko-Konstruktion durch Handlungsempfehlungen der Ministerien:
Einbeziehung und Beteiligung der Eltern
Altersgemäße & individuelle Betrachtung und Begleitung des Entwicklungs- und Bildungsprozesses jedes Kindes – Fokus auf Bedürfnisse & Alltagserfahrungen des Kindes
Gegenseitiges Kennenlernen & Wertschätzen der Tätigen beider Systeme
Berücksichtigung und Einbezug aller Beteiligten (Eltern, Kind, Institution), besonders bei der Weitergabe von Bildungsdokumentationen (unter Beachtung des Datenschutzes)
Abstimmung der jeweiligen frühpädagogischen & schulische Bildungskonzepte auf lokaler Ebene zwischen den Trägern der freien Jugendhilfe & den Schulen
Herstellung von Verbindlichkeit durch konkrete Kooperationsvereinbarungen zwischen beiden Systemen vor Ort unter Berücksichtigung des organisatorischen Rahmens, der Methoden und Inhalte, der Planung und Umsetzung der Elternarbeit & gemeinsamer Fortbildungen der Fachkräfte
Nutzung der Erkenntnisse aus Schuleingangsuntersuchungen – sofern sie gemeinsam durchgeführt werden können – zur gezielten Förderung und Kooperation bis zum Schuleintritt
Aufbau und Sicherung der Kooperationsprozesse durch Experten & durch unterstützendes Coaching (Prozessbegleitung)
Förderung der bildungsbiografischen Orientierung in den Kindertageseinrichtungen und den Grundschulen durch gemeinsame Projekte und Fortbildung
Seit den 1990er Jahren gibt es in allen Bundesländern Modelle für die Neugestaltung der Schuleingangsphase oft unter Bezeichnungen wie „neue“ oder „flexible Schuleingangsstufe“; Eigenschaften dieser können sein:
Zusammenfassung der Jahrgangsstufen 1 und 2 zu einer organisatorischen & pädagogischen Einheit
Flexibilisierung der Verweildauer in der ersten beiden Grundschuljahren (1-3 Jahre)
Angebot mehrmaliger Einschulungstermine pro Jahr
Zusammenführung von grundschul-, sozial- und sonderpädagogischer Arbeit
Verzicht auf Zurückstellungen, die auf begründete Ausnahmefälle zu begrenzen sind
Neben bildungspolitischen Motiven (z.B. Senkung des Einschulungsalters) hängt die Entwicklung auch mit einer Veränderung der Sicht auf Schulfähigkeit zusammen – Kinder werden mit ihrem jeweiligen Entwicklungsstand eingeschult und es wird akzeptiert, dass manche Kompetenzen erst in der ersten Schuljahren entwickelt werden – somit weitestgehender Verzicht auf Zurückstellung und sozialpädagogische Förderung wird in der Anfangsklasse angeboten
Bisherige Schuleingangsdiagnostik wird durch Diagnostik zur Überprüfung von Förderbedarf und zur Unterstützung der Kinder ersetzt – statt Selektion nun Identifikation von Förderbedarf (bereits positive Forschungsergebnisse zur Wirkung auf kognitive & soziale Entwicklung)
Ziel insgesamt: Umsetzung anspruchsvoller Kooperationsmodelle, die sowohl der Elementarbereich befördern, als auch einen adaptiven Anfangsunterricht ermöglichen
Kooperation zur Unterstützung von Kindern mit heterogenen Lernvoraussetzungen
Grundschule unterrichtet eine sehr heterogene Gruppe: Kinder mit Förderbedarf, Kinder mit nichtdeutscher Erstsprache, Kinder aus bildungsfernen Familien
Für diese Kinder ist eine gute Übergangsbegleitung und Kooperation noch bedeutsamer.
Diese Standards sollten (laut Kron) gelten:
Zusammenarbeit über persönliche Ebene hinaus
Unterstützung auf politisch-rechtlicher Ebene (Verlass darauf, dass Unterstützung gewollt ist und notwendige Ressourcen zur Verfügung gestellt werden)
Vorbereitende und ungünstige Startbedingungen ausgleichende Wirkung von Kindertageseinrichtungen (z.B. Sprachförderung)
Weiterer Aspekt der Kooperation von Grundschule und Jugendhilfe: Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf werden durch „nicht-Lehrpersonal“ unterstützt (Integrationshelfer, Schulassistenten usw.) – Es existieren noch keine Standards für diese Profession, weder für Tätigkeitsinhalte noch für Ausbildung.
Fazit
Kooperation zwischen Grundschulen und Kindertagesstätten ist vor allem im Sinne der Bildungsbiographie jedes Kindes bedeutsam
Mit dem Übergang in die Schule und ihren Funktionen treten neue Anforderungen an Kinder heran
Seit Jahrzehnten finden sich politische & wissenschaftliche Aktivitäten die die Zusammenarbeit der Institutionen regeln. In den Lernbereichen beziehen sich Aktivitäten v.a. auf Sprachförderung mit besonderem Augenmerk auf Kinder mit nichtdeutscher Erstsprache.
Blick auf Kinder mit anderen Förderbedarfen ist noch zu schärfen
Kooperation der Institutionen im Bezug auf Ganztagsschulen ist auszubauen und zu gestalten, viele hochwertige Angebote werden nicht integriert und es werden Modellversuche durchgeführt, es fehlt jedoch noch an politisch struktureller Umsetzung und intensiver Forschungstätigkeit
Kooperation scheint der Schlüssel für viele pädagogische Innovationen zu sein, funktioniert jedoch nur auf Augenhöhe der beteiligten Institutionen und mit politischer, finanzieller, struktureller Unterstützung
2. Geschichte der Grundschule
- 1919 Verankerung der Schulpflicht im Rahmen der Weimarer Nationalversammlung in der Verfassung der ersten deutschen Demokratie (Weimarer Schulkompromiss) und Ankündigung einer für alle gemeinsame Grundschule in Artikel 146
Demokratische Revolution auch in der Schulpolitik – Kinder aus allen Bevölkerungsschichten kamen nun in derselben Schule zusammen (führte in den verschiedenen Schichten auch zu Protest)
Weimarer Verfassung
1919 Weimarer Verfassung – Weimarer Schulkompromiss
1920 Einführung der Grundschule als undifferenzierte Elementarschule für alle schulpflichtigen Kinder (Reichsschulgesetz vom 28.April.1920)
Aufgabe der Grundschule seitdem:
Vermittlung Grundlegender Bildung, die jedem Schulkind grundsätzlich jede Form weiterführender Bildung ermöglicht
Vor 1919
Grundschule teils dem niederen (Elementar-/ Volksschulwesen) und teils dem höheren Schulwesen (Vorschule höherer Lehranstalten) zugeordnet
Grundschule als Organisation folgt der allgemein politisch-historischen Entwicklung:
Spiegel der ständischen Prägung
Spezifische Bildungsbegrenzungen nach sozialer oder regionaler Herkunft, Konfession, Geschlecht
Volksschule – Vorschule
Vorschule
v.a. in Preußen schulgeldpflichtige Vorschulen, die auf den Besuch einer höheren Schule vorbereiten, eigene auf das Gymnasium zugeschnittene Lehrpläne, Betonung des Sprachunterrichts, Vernachlässigung des Sachunterrichts
- Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts umstritten
- gilt als Standesschule des gehobenen Bürgertums
- Verhindert Ausbau Volksschulwesen
3. Ideengeschichtliche Wurzeln der Grundschule
Einheitsschulbewegung
Grundlegend und wegbereitend für die Einrichtung der obligatorischen Grundschule
Eigene Strömung innerhalb der Schulreformpläne des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts
Getragen von Lehrervereinen, Wissenschaftlern und der deutschen Sozialdemokratie
Motive der Einheitsschulbewegung
Zunächst religiös
Dann politisch-ethisch
Und national
Einheitsschulimpulse
Seit 1848: ausgehend von der Lehrervereinsbewegung und Sozialdemokratie, werden von der Restauration mit den „Stiehlschen Regulativen“ (1854) zerschlagen
Ab 1885: Einheitsschule und Anerkennung der Volksschule als allgemeine Grundschule werden zentrale und unermüdliche Forderungen des Lehrervereins
Einheitsschulgedanke: schulpolitische Forderungen der SPD auf dem Parteitag in Erfurt: 8jährige gemeinsame Grundschule (wesentlicher Teil des Programms)
Mehrzahl der Grundschulgegner kam aus den Reihen des höheren Schulwesens
Argumentation: höhere Schule und Volksschule seien wesensverschieden
Gemeinsame Beschulung von Kindern auf geistig hochstehendem und einfachem, gar ungepflegtem Milieu sei höchst bedenklich
Befürworter der Grundschule
William Stern, Paul Natorp, Friedrich Naumann u.a.
Gegenargument: Allgemeinheit bedarf aller Begabungen
„Aufstieg der Begabten“ soll kein Zufall bleiben; Sozialethische Verpflichtung, die Anlagen jedes Individuums zu entwickeln
Getrennte Schulbildung von Anfang an, hält die Massen geistig kurz & vertieft Gräben zwischen den Ständen
4. Reformpädagogischer Einfluss
Starker Einfluss der Reformpädagogik
Starker Einfluss in der Gründungszeit der Grundschule
Kunsterziehungsbewegung
Pädagogik vom Kinde aus
Arbeitsschulbewegung
Gesamtunterrichtliche Bewegung
Kritik an der Schule
„Seelenmorde in den Schulen“ (Ellen Key 1849-1926)
Schülerdasein als physisches und psychisches Leiden
Ursachen: harte Ungerechte Behandlung und Furcht vor Strafen oder Misserfolg bei Prüfungen
Kritik: „Die Zwangsschule“
im Kasernenstil gebaute Schulgebäude
Ordnung, Selbstbeherrschung, Pflichttreue & Ehrlichkeit werden aufgezwungen
„Stoffschule, Buchschule, Lernschule“
Lehrstoff hatte absolute Herrschaft über Schüler & Lehrer
Mechanisches Lernen auf Vorsagen und Nachsagen
„lebensfremde Schule“
Forderungen:
Erneuerungen der schulischen Bildungs-, Erziehungs-, und Unterrichtsarbeit
Heterogene Forderungen
Ziel im Wesentlichen bei allen: Umwandlung von Unterrichtsanstalt in kind- und jugendgemäße Lebensstätte
Ziel verbunden mit:
Ganzheitlichem Bildungsanspruch
Pflege spielerischer, kreativer, sozialer Aktivitäten
Auf Selbsttätigkeit basierender Wissenserwerb
Anschauung
Lebensnähe
Entwicklungsgemäßheit
5. Grundschule in der Weimarer Republik
Politischer Systemwechsel 1918/19 Reichsgesetzlicher Grundlagen für die Einführung einer allgemeinen obligatorischen Grundschule
Weimarer Verfassung 1919 Gesetz für Grundschulen und zur Aufhebung der Vorschulen vom 28. April 1920
„Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut das mittlere und höhere Schulwesen auf“
Vorausgehende heftige Kontroversen
Pflichtcharakter?
Dauer?
Weltanschauliche Neutralität? (Verhältnis Staat & Kirche)
Weimarer Schulkompromiss
Einheitsschule – für alle Kinder verpflichtend Gleiche Ausgangslage für alle Kinder zum Besuch höherer Schulen (Artikel 146: Allein nach „Anlage und Neigung“)
Aber: Klausel in Artikel 146 garantiert Einzugsberechtigten ein Antragsrecht zur Einrichtung von Bekenntnisschulen – dadurch Legitimation der bekenntnismäßigen Trennung von Kindern (Grundschulen vielerorts werden faktisch rein katholisch, evangelisch oder jüdisch)
Großes Grundschulgesetz von 1920
Bekräftigt Monopolanspruch der Grundschule zur Ableistung der Schulpflicht
Wird kritisiert als Erziehungsrechtverletzender Zwang des Staates
Mind. 4 Jahre; institutionelle Zuordnung zur Volksschule
Doppelfunktion
Grundbildung vermitteln
Voraussetzungen für höhere Schulen schaffen
Gleichheit-Differenz, Fördern-Auslese
Zum Teil massive Widerstände und Versuch der Umgehung der Grundschulpflicht durch privilegierte Eltern
Trotz Verbots Weiterexistenz und sogar Ausbau der Vorschulen
Trotz Widerstand, Entwicklung der Grundschule in den 1920er Jahren zu allgemein anerkannten Institutionen
1921 47% der Schüler in höheren Schulen stammen aus Grundschulen
1926 91% der Schüler höherer Schulen stammen aus Grundschulen
Gründe Überzeugende pädagogische Arbeit der Grundschullehrkräfte, aber auch: soziale Zusammensetzung an höheren Schulen ändert sich nicht merklich (1926 nur 5% aus Arbeiterfamilien)
Pädagogisch-didaktisches Profil der Weimarer Grundschule
Kind im Mittelpunkt des Interesses
Heimat im Mittelpunkt des Unterrichtes
Gewissens- und Gemütsbildung (gefühlsmäßiges Erleben, Erziehung zum braven Menschen)
Kreativitätsbildung (musische Bildung, schöpferisches Tun)
Schule als Schonraum
Pflege des Gemeinschaftsgedanken (Schulleben)
6. Grundschule in der Weimarer Republik
- grundlegende Bildung
- Bildungsinhalte nicht nur äußerlich aneignen, sondern auch innerlich erleben und selbstständig erwerben
- Auswahl: Angleichen an den Entwicklungsstand der Grundschüler, Lebensbedeutsamkeit
- nicht nur traditioneller Wortunterricht, sondern Spiel, Lernwanderungen, künstlerische/ musische Aktivitäten etc.
- Gesamtunterricht mit heimatkundlichem Anschauungsunterricht als Mittelpunkt (ab 3. Klasse zunehmend durch fachlich gegliederten Unterricht abgelöst (Deutsch, Religion, Kunst, Rechnen etc.)
7. Grundschule im Nationalsozialismus
- in dieser Zeit (ab 1936) konkurrenzlose öffentliche Pflichtschule
- 10. April 1937: Richtlinien für den Unterricht in den vier unteren Jahrgängen der Volksschule – Rechtseinheitliche curriculare Regelung
- Wird am 15.12.1939 in die Richtlinien für die gesamte Volksschule eingearbeitet
- Eigenprofil der Grundschule (zugeschnitten auf spezifische kindliche Entwicklungsbedürfnisse) wird abgelehnt
- 1933 vorgehen gegen jüdische Schüler und Lehrer in den Staatsschulen
- geschlechtsspezifische Differenzen (Ziel für Frauen ist kommende Mutter zu sein)
- Fibeln der Grundschule ausgerichtet & umgeschrieben auf Führerkult, Militarismus und geschlechtsspezifische Rollenklischees
- Erziehung der Schüler zu „fanatischen“ Nationalsozialisten durch körperliche Erziehung & Ertüchtigung, sowie Förderung seelischer und charakterlicher Werte
Alle Schulfächer sollten politische Themen beinhalten und an rassistischen Inhalten sollte gearbeitet werden
Trotz keiner Veränderungen in Schulpolitik und Reform des Schulsystems, in den ersten Jahren, Ziel: Konfrontation der Schüler mit nationalsozialistischer Weltanschauung
Ideologisierung der Grundschulerziehung
Aufwertung und Politisierung der Schulfeier
Körperliche Tüchtigkeit als schullaufbahnentscheidendes Auslesekriterium am Ende der Grundschulzeit (Priorität biologischer über geistige Werte)
Weltanschaulich bedingte Eingriffe in Deutsch, Heimatkunde, Musik
Inhalte & Ziele aus Weimarer Zeit werden ideologiekonform angepasst
8. Rekonstruktion und Reform nach 1945
Aber: Kalter Krieg
Einheitsschule gerät unter Kommunismusverdacht
Westliche Besatzungsmächte: konservative Kräfte werden gestärkt
Demokratische Schulreformen können sich nicht durchsetzen, werden teilweise zurückgenommen und traditionell gegliedertes Schulsystem mit vierjähriger Grundschule wird rekonstruiert
Kontroverse Reformdiskussion von 1945 bis 1950:
Entscheidung zwischen Restauration alter Unterrichtsformen, partiellen Innovationen oder Radikaler Neubeginn
Wiederaufnahme der:
Kulturkritisch-retrospektiven Heimatidee
Endogenen Reifungstheorie und des statistischen Begabungsbegriffs
alten methodisch-didaktischen Prinzipien
Stützende pädagogische Argumentation: Wilhelm Flitner, Ewald Spranger (Geisteswissenschaftliche Pädagogik)
pädagogische Konzeption knüpft an Weimarer Konzeption an
Grundschule als Lebensstätte des Kindes
Ganzheitliche Bildung und Erziehung
Unterricht und Gespräch, Spiel, Feier als Bildungsformen
Bedeutsame Rolle der Selbsttätigkeit
Musische Erziehung wichtig
Gesamtunterricht mit Heimatkunde als Zentrum
Ganzheitliche Lese-, Schreib-, Rechenlehrgänge
Schonraum
Phasentheorien der Entwicklungspsychologie stützen diese Vorstellung
Wandel im Begabungsbegriff
Neue Befunde nach Bloom in den 1960er Jahren:
Menschliche Intelligenz ist in den ersten Lebensjahren in hohem Maße flexibel
Abhängig von Faktoren des soziokulturellen Milieus & Spielraum ihrer externen Beeinflussbarkeit
Am größten in den ersten vier bis sechs Lebensjahren
9. Kritik und Reform ab 1965
Neue Begabungstheorie + Sputnik-Schock = Bildungsreform (z.B. Boom an Vorschulprogrammen, Schuleingangsstufe)
1964 Bundesweite Aufgliederung der Volksschule in Grund- und Hauptschule
Ab 1965 Modernisierungsdruck im Bildungswesen
Grundschulkritik und Grundschulreform
Grundschule rückständig
Konfessionell zersplittert
Dörfliche Zwergschule
Keine soziale Integration (weil homogene Einzugsgebiete)
Auslese statt individueller Begabungsförderung
Undifferenzierte Schulorganisation
Befunde u.a. zu
Zusammenhang von Sozialschicht, Sprachniveau und Bildungschancen
Notwendigkeit frühkindlicher Lernförderung
Problemen der Einschulungs- und Übertrittspraxis
Nachteilen des Gesamtunterrichts
Reformdokumente
Strukturplan des deutschen Bildungsrates (1970)
KMK-Empfehlung „Zur Arbeit in der Grundschule“ (1970)
Strukturplan empfiehlt:
Einschulung nach dem 5. Lebensjahr, dann 2 jährige Eingangsstufe zum Aufbau unterschiedlicher Lernvoraussetzungen
Stärkere Individualisierung und Differenzierung
Einbeziehung der Orientierungsstufe in die Grundschule
Kompensatorische Förderung
Selbstständiges, kooperatives und entdeckendes Lernen
Elternarbeit
Wissensorientierung
Anfänge moderner Mathematik
Erste Fremdsprache
Kritik Greifen zum Teil zu weit und gehen zum Teil an der Realität vorbei
Entwicklung der Oberstufe der Polytechnischen Oberschule in der DDR
Orientierung an Marxismus- Leninismus
Bildungspolitische Zielsetzung, ein einheitliches Bildungssystem zu schaffen
Schulgesetz von 1946: achtjährige Grundschule als Pflichtschule
Ab 1959 zehnklassige Polytechnische Oberstufe (Schuljahr 1-3 Unterstufe, 4 Übergangsjahr zur Mittelstufe
Grundfertigkeiten in Lesen, Schreiben, Mathematik nehmen ¾ der Stundentafel ein, zur zeitlichen Entlastung der Mittel- und Oberstufe um Platz für berufliche Grundbildung & fakultativen Unterricht zu schaffen (weitere Fächer: Schulgartenunterricht, Werken, Zeichnen, Musik)
Alle Schulanfänger waren in vorschulischer Förderung (Kindergarte 90% Bildungs- und Erziehungsplan, 2 tägliche Beschäftigungszeiten à 20 Minuten, Vorformen der Lehrgebiete der Unterstufe)
Hohes Maß an Kooperation
Kindergarten, Schule, Hort häufig in einem Gebäude
Gemeinsame Ausbildung von Unterstufenlehrern und Hortnern
Kindergartengruppen wechseln oft geschlossen in erste Klasse
Unterrichtsarbeit bestimmt von:
Lehrplan
Einfluss schulpolitischer Führungsorgane
Erzieherisches Selbstverständnis eher streng, frontal
10. Öffnung von Schule und Unterricht in der 1980er/1990er Jahren „Pädagogische Wende“
- Kritik an geschlossenen Lehrplänen und deren Überfrachtung
- Wachsende Erziehungsaufgaben der Schule
- Offene Unterrichtsformen (Freiarbeit, Projekte etc.)
Reformen nach PISA – seit ca. 2000
Stellenwert von Unterricht und Unterrichtsqualität
Nationale und internationale Leistungsvergleichsuntersuchungen
Bildungsstandards und Kompetenzen
Outputorientierung statt Inputorientierung
Reduzierung der Schulzeit (s. Gymnasien)
Frühzeitige Einschulung
Grundschule Reformpädagogik
Ideen der Reformpädagogen vom Anfang des 20. Jahrhunderts findet man heute in vielen allgemeinbildenden Schulen
Bedeutung
Es gibt keine einheitliche Definition von „Reformpädagogik“, die theoretische Fundierung der einzelnen Strömungen ist sehr heterogen, alle sehen sich jedoch als Gegenentwurf zur Regelschule.
Reform Definition: etwas Bestehendes wird umgestaltet und damit verbessert – reformiert
Geschichte der Reformpädagogik
klassische Reformpädagogik ist Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt (damals Regelschule als autoritäre Pauk- und Drillschule kritisiert und als reformbedürftig angeklagt)
Übereinstimmend gültige Reformideen für die Reformpädagogik:
Orientierung am Kind
Handlungsorientierung
Selbsttätigkeit
Reformiert wurden:
Schulorganisation und -system (z.B. Abkehr von Fremdbewertung durch Noten)
Didaktik
Zugrundeliegende Bildungs- und Lerntheorie
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gab es viele reformpädagogische Strömungen, die heute im Allgemeinwissen nicht mehr präsent sind (z.B. Kunsterziehungsbewegung, Landerziehungsheimbewegung)
Viele Ideen konnten sich didaktisch halten oder kehrten wieder z.B.:
Arbeiten in „Vorhaben“ - heute Projekte
Betonung des Schullebens
Verbindung von schulischem und außerschulischem Lernen
Jahrgangsmischung
Freiarbeit
Ideen beeinflussen den Unterricht in Regelschulen bis heute vor allem methodisch
Bis heute gibt es die Ideen der klassischen Reformschulen, welche Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurden – sie sind i.d.R. mit den Namen berühmter Pädagogen verknüpft
Montessori-Schulen
Waldorf-Schulen
Schulen nach dem Dalton-Plan
Jenaplan-Schulen
Etc.
Maria Montessori
Maria Montessori (1870-1952) war italienische Ärztin und studierte als eine der ersten Frauen Italiens Medizin und setzte sich hierbei gegen enorme Widerstände durch.
Arbeitete mit Kindern in der Psychiatrie und erkannte, dass diese Anregung und Förderung bedurften
Griff auf Ideen von Jean Itard & Edouard Séguin zurück, die Materialien mit eingebauten Erfolgskontrollen entwickelt hatten
1899 gründete sie ein heilpädagogisches Institut und entwickelte viele der bekannten Montessori-Materialien
1901 studierte sie weiter: Anthropologie, Psychologie & Erziehungsphilosophie
Meilenstein: Casa die Bambini – Kinderhaus gegründet in einem römischen Armenviertel geleitet von Maria Montessori (machte viele ihrer wichtigen Beobachtungen)
u.A. Entdeckung: Montessori-Phänomen: Polarisation der Aufmerksamkeit
Polarisation der Aufmerksamkeit:
Ein Kind welches das passende Material/ Tätigkeit für sich entdeckt hat, kann sich damit in tiefer Konzentration, über langen Zeitraum beschäftigen. Phänomen wird mittlerweile auch in der Psychologie bestätigt – entspricht dem „Flow“ (nach Mihaly Csikszentmihalyi)
ihre Methode war für Kinder mit geistiger Behinderung sehr hilfreich
Als in Italien Faschisten an die Macht kamen unterstützte Mussolini Maria Montessori – Methode wurde flächendeckend übernommen
Musik, Uniformen & Gruß der Faschisten sollten in den Schulen eingeführt werden – Durch den Widerstand Maria Montessoris mussten nach 1934 aufgrund der Differenzen die Montessori Schulen geschlossen werden
In verschiedenen Ländern arbeitete sie weiter, in Indien entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Sohn die Kosmische Erziehung
1952 starb sie in Holland
Prinzipien der Montessori-Pädagogik:
Selbsttätigkeit der Kinder in der vorbereiteten Umgebung
Erwachsene rücken in den Hintergrund (bieten der Entwicklungsphase des Kindes entsprechend didaktisches Material an und beobachten)
Material wird in offenen Regalen auf Augenhöhe angeboten, sodass die Kinder selbst wählen können
Material nur einmal vorhanden, sodass es ordentlich zurückgebracht werden muss, um anderen die Arbeit zu ermöglichen
Selbstkontrolle und Isolierung der Schwierigkeit im Material
Material weist immer nur eine Schwierigkeit auf – „Isolierung einer Schwierigkeit“ (z.B. Schwierigkeit: Größe; Form und Farbe bleiben gleich)
Materialien ermöglichen Selbstkontrolle, um das Kind von Lob und Tadel zu emanzipieren
Entwicklung des Kindes in sensiblen Phasen
Sensible Phasen nach Montessori: Zeiten der kindlichen Entwicklung mit besonderer Bereitschaft bestimmte Dinge zu lernen
In diesen Phasen sind die richtigen Angebote wichtig
Grundschulalter: Bildungshunger, Abstraktionsfähigkeit, moralisches Bewusstsein (kosmische Erziehung spielt hier große Rolle)
Maria Montessori entwickelte/adaptierte für alle Phasen Material, welches sich in 5 Bereiche einteilen lässt:
Übungen des täglichen Lebens
Vor allem für das Kinderhaus gedacht
Kinder lernen zunächst mit isolierter Schwierigkeit, einfache Tätigkeiten auszuüben, die sonst Erwachsene ausüben
Z.B. sich pflegen, Verrichtungen wie Verschlüsse schließen, usw.
Sinnesmaterial
Sinne des Kindes sollen gefördert werden
Isolation der Eigenschaften besonders evident
Schulung immer ausschließlich eines Sinnes und Aspektes (nur Gehör, Haptik, Geschmack etc.)
Sprachmaterial
Ca. ab 4 Jahren
Führt in die Welt des Lesens und Schreibens ein (Sandpapierbuchstaben, bewegliches Alphabet)
Grammatische Einheiten wie Wortartensymbole, Hilfen zur Satzzerlegung und Satzgliedanalyse
Mathematikmaterial
Kann vom handelnden Erleben vieler komplexer mathematischer Phänomene bis hin zum Bruchrechnen & Wurzelziehen führen
Kosmische Erziehung
Es geht um „Zusammenschau von Welt und Mensch im allumfassenden Universum“
Bereich des Sachunterrichts enthält eine vernetzte und religiöse Dimension
Das Denken der kosmischen Erziehung ist vergleichbar mit Bildung für nachhaltige Entwicklung (abgesehen von der religiösen Konnotation)
Montessori aus heutiger Sicht
Beeinflusste die Schule bis heute wie kaum eine andere reformpädagogische Strömung
Kritik an der theoretischen Fundierung
Biologischer Reifungsgedanke, der wenig Entwicklungsspielraum sieht
Nahezu religiöser Blick auf das Kind
Äußerst Einflussreich und Gewinnbringend in der praktischen Umsetzung
Freiarbeit, strukturiertes Material, Zutrauen zum Kind als Gestalter des eigenen Lernen sind positive Aspekte die sich durch heutige Theorien bestätigen lassen
Die Waldorf Pädagogik
Name stammt von der „Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik“ in Stuttgart, wo am 7.September.1919 die erste derartige Schule für die etwa 250 Arbeiterkinder gegründet wurde
Einheitsschule (alle Kinder unabhängig von Geschlecht, Stand, Bekenntnis und Begabung)
Förderung stand vor Auslese – damals völlig neuartig
Geht auf die Prinzipien von Rudolf Steiner zurück
Rudolf Steiner war vor allem für die Entwicklung der Anthroposophie (spirituelle Bewegung) bekannt – geht über Pädagogik hinaus
Spirituelle Grundlagen der Waldorfpädagogik - 4 Wesensglieder des Menschen sind elementar:
Der physische Leib
Der Ätherleib/ Lebensleib
Astralleib/ Empfindungsleib
Ich-Leib / das Ich
Der Mensch besitzt die 4 Wesensglieder von Anfang an, sie sind von schützenden Hüllen umgeben, die in der Abfolge von sieben Lebensjahren abgestreift werden; in jedem Lebensjahrsiebt, wird ein neuer Leib geboren
-im Grundschulalter (zweites Lebensjahrsiebt) ist das der Ätherleib – Denk-, Lern-, und Gedächtnisfähigkeiten werden frei, das Kind benötigt eine Lehrkraft mit echter Autorität zu der es aufschauen kann.
Diese Sichtweise ist eine der Grundlagen der Waldorfpädagogik – drückt sich auch architektonisch aus – organische Formen, möglichst wenige Ecken/ rechte Winkel, es dominieren Pastelltöne, die ineinander verlaufen (Ausdruck vom Übergang vom Seelisch-Geistigen zur Wirklichkeit)
Merkmale
Künstlerischer Ausdruck spielt große Rolle
Eurythmie (anthroposophische Bewegungskunst) – eigenes Schulfach an Waldorfschulen
Seelisch-geistige Inhalte, Laut und Sprache werden durch Bewegung ausgedrückt (z.B. tanzen des Namens)
Freie selbstverwaltete Einrichtungen ohne Schulleitung
Klassenlehrerprinzip (normalerweise 8 Jahre lang gleiche Lehrkraft)
Dauer 12 Jahre
Keine Noten, sondern verbale Beurteilungen, der Schulabschluss wird i.d.R. an einer externen staatlichen Schule abgelegt
Künstlerische & praktische Fächer spielen eine große Rolle
Erste beide Stunden = Epochenunterricht (Vertiefung eines Themas über 3-4 Wochen)
Keine Schulbücher – Kinder führen selbst Epochenhefte, schreiben und malen ihre Schulbücher
Kritik
Unwissenschaftliche Weltanschauung
Leicht totalitär auslegbar, denn Steiner erlangte seine Erkenntnisse „übersinnlich“ – somit heute schwer zu widerlegen
Heute
Praxis beinhaltet Elemente die durchaus auch heute wichtig sind (z.B. Bedeutung des Ästhetischen und praktische Tuns.)
Bedeutung der Lehrkraft als langjährige Bezugsperson mit positiver Autorität
Waldorfpädagogik hat Einfluss auf das Regelsystem genommen (vor allem im Kindergarten mit Materialien und Holzspielwaren)
Im Vergleich mit der Montessori-Pädagogik fallen Unterschiede sofort auf und es wird deutlich, dass Reformpädagogik nicht gleich Reformpädagogik ist
Reformpädagogik – Bedeutung für die Grundschule
Alle reformpädagogischen Strömungen sind sehr verschieden, auch wenn es Gemeinsamkeiten gibt
Kritische Punkte:
Privatschule nimmt ganzheitlich das gesamte Kind in den Blick, was die Emanzipation von dieser erschwert (z.B. meldet man sein Kind bei der Waldorfschule an, muss man auch den Einfluss der Anthroposophie auf die Persönlichkeit des Kindes in Kauf nehmen)
Gerade Grundschulen waren und sind an der klassischen Reformpädagogik orientiert
Reformpädagogische Ideen prägen den Unterricht (vor allem methodisch) bis heute durch Ideen wie Freiarbeit, Jahrgangsmischung und insgesamt die Sichtweise einer Pädagogik vom Kinde aus.
Geschichte der Kindheit
Entwicklung der Sicht auf das Kind
Frühes Mittelalter (bis 13. Jh.)
Persönlichkeit: keine Unterscheidung zum Erwachsenen
Erziehung: Lehrverhältnis zwischen Erwachsenen und Kind
Bedeutung des Kindes: Fortbestand des Familienhaushaltes
Spätes Mittelalter (14.-18. Jh.)
Persönlichkeit: Anerkennung eines spezifischen Kindlichen Wesens
Erziehung: aufkommendes Interesse an Erziehung und Bildung des Kindes, das Kind als Objekt der Erziehung
Bedeutung des Kindes: Familienmitglied und soziale Zukunftssicherung
Industrielles Zeitalter (19. Jh.)
Persönlichkeit: Anerkennung der kindlichen Eigenständigkeit
Erziehung: gezielte Bildung & Ausbildung, zugleich Ausbeutung der Arbeitskraft des Kindes
Bedeutung: Kind als versorgendes Familienmitglied
Heutige Zeit (20. Und 21. Jh.)
Persönlichkeit: Anerkennung kindlicher Individualität & Subjektivität
Erziehung: nur teilweise Erziehung in der Familie, Schule & Kindergarten als Sozialisationsinstanzen
Bedeutung: Emotionaler Wert des Kindes als Sinnerfüllung im Leben der Eltern; Kind als Kostenfaktor
Moderne Kindheit
Kindheit wie wir sie heute kennen entstand in einer neuen Phase, welche um die Wende des 18. Zum 19. Jahrhunderts begann.
Kindheit als Familienkindheit
Kindheit als Schulkindheit
Kennzeichen der Moderne
Mensch und Welt als Produkt eigener Praxis und nicht mehr allein mythologisch
Gelehrte und Kleriker (kirchliches Amt Ausübende) differenzieren sich – damit auch Wissen und Glauben
Erziehung wird als mündliche Überlieferung von Lebensformen neben Religion und Tradition ausgeprägt
Aufwachsen von Kindern in der feudalistischen und agrarischen Gesellschaft
Das „ganze“ Haus: Einheit von Arbeiten, Leben, Wohnen, Erziehen, Freizeit
Umfasste nicht nur leibliche Familie (Mutter, Vater, Kind), sondern auch Mägde, Knechte, Hausmütter und deren Kinder
Familie im heutigen Verständnis existierte nicht
Beziehungen waren bestimmt von der Arbeitsorganisation statt vom Verwandtschaftsverhältnis (unscharfe Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit)
Keine Trennung der Lebenswelt von Kindern und Erwachsenen (alle Lebensereignisse)
Keine intentionale Erziehung, niemand ist speziell verantwortlich
Bürgertum ab Beginn des 19. Jahrhunderts
Berufstätigkeit des bürgerlichen Mannes verlagert sich nach außen
Neue Familienstruktur: Kleinfamilie – gefühlsmäßige, statt sachliche Bindungen
Neue Definition von Geschlechterrollen (Mann als Ernährer; Frau als Hausfrau und Erzieherin)
Erziehung im Bürgertum
Literatur, bildende Kunst, Musik als Transportmedium der neuen Geschlechter- und Erziehungsideologie
Erster Erziehungsroman „Emile“ scheint heute noch relevant; ABER: Konzeption der Mädchenbildung auf Zwang und Unterwerfung ausgelegt
Charakteristisches Erziehungsklima: strenger Vater, liebende Mutter (Vermittlerfunktion), „kindgemäßer“ Lebensraum (Kinderzimmer, Spielsachen usw.)
Erziehung soll Kinder an die elterlichen Normerwartungen anpassen
Beginn der Kindheit als Schulkindheit
Leistung statt Geburtsprivilegien
Bürgertum setzt sich von niedrigen Schichten durch die Vergabe von Zertifikaten an Jungen des Bürgertums ab
Beginn der Gymnasialbildung für Jungen ab der 1. Klasse, Mädchen und niedrige Stände wurden ausgeschlossen
Beginn von Lernen auf Vorrat – Lernen für spätere Berufe war nichtmehr duch Nachahmung möglich (Kultur, Politik, Ökonomie)
Bis ins 19. Jahrhundert gibt es für einen großen Teil der Bevölkerung keine Kindheit (Tagelöhner, Bauern, Kleinhandwerker, Industrieproletariat)
20. Jh. In Europa, Erkennen der Kindheit als dem Lernen, Spielen & Entwicklung dienender Lebensraum, befreit von Erwerbsarbeit
Bäuerliche und proletarische Kindheit
Niedriges Schulwesen
Mancherorts katastrophale Verhältnisse: Unterricht nur im Winter (Wanderlehrer)
Lange Schulwege (teils Grund Schule nicht zu besuchen)
Zum Teil Schulbesuch nur für 2-3 Jahre
Ziel: Integration in herrschende Klassenstrukturen (Disziplin, religiöse Unterweisung & bisschen schreiben, rechnen, lesen)
Ambivalente Sichtweise bei den Kindern damals – einerseits Zwang & Dressur, andererseits ausbrechen aus häuslicher Arbeit und Enge
Kindheit im Mittelalter
Keine Pädagogischen Einrichtungen
Lebenssphäre von Kindern und Erwachsenen nicht getrennt (gemeinsamer Raum, Bett, arbeiten, kochen etc.)
Kinder in Probleme mit einbezogen (finanziell, Arbeit)
Im Laufe des 16. Und 17. Jh.:
Ausgliederung der Kinder aus dem Leben der Erwachsenen
Spezielle Kleidung, Spielzeug
Tendenz zur Übergabe der Kinder in spezifische Institutionen
Interpretation von Ariès:
„Entdeckung der Kindheit“
Leidenszeit der Kinder Dressur in Schule und Kleinfamilie
Unterdrückung kindlicher Emotionalität und Ursprünglichkeit
Bis ins 17. Jh. Kinder weitgehend schutzlos
Kindersterblichkeit
Mangelhafte Ernährung
„Geburtenkontrolle“ durch Kindstötung oder Aussetzung (z.B. Hänsel und Gretel)
„Entdeckung der Kindheit“ Interpretation von deMause:
Entwicklung weg von Disziplinierung und fremdbestimmten Formungsabsichten
Hinzu befreiter Kindheit – Empathie & Unterstützung
17. Jahrhundert: Beginn moderner Erziehungslehre
- Beobachtung von Kindern
- Verständnis für die Art des Aufwachsens von Kindern
- Zusammenhang von Kindheit und späterer Persönlichkeit
- Pädagogen wie Comenius & Rousseau
„Das Verschwinden der Kindheit“
Zunächst (bis Mittelalter) kein Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen
Erfindung des Buchdrucks (Kinder müssen lesen erst lernen = kein Zugang)
Kindheit als Raum ohne Zugang zu den Geheimnissen der Erwachsenen
Erziehung & Bildung werden notwendig und definieren Kindheit
Fernsehen: Medium, welches ohne Bildung/ Erziehung zur Verfügung steht
Bedingt gesellschaftliche Veränderungen & tragen so zur Auflösung der Kindheit bei (Kindheit als Raum ohne Zugang zu Geheimnissen der Erwachsenen)
Verschwinden der Kindheit
Kindheit bis Pubertät wird immer kürzer, Eintritt ins Erwachsenenalter immer später
Je höher der Bildungsabschluss, desto länger die ökonomische Abhängigkeit von den Eltern und desto später Zeitpunkt des Verlassens des Elternhauses
Die 5 Generationen der Nachkriegszeit
Nachkriegsgeneration (1925-1940)
1968er Generation (1940-1955)
Babyboomer (1955-1970)
Generation X (Generation Golf) (1970-1985)
Generation Y (1985-2000)
Generation Z (2000-…)
Kindheit im Wohlfahrtsstaat
Institutionalisierte Altershierarchie
Pädagogisierung
Scholarisierung
Familiarisierung
Umgang mit Heterogenität
Reaktionsformen auf Heterogenität
Grundschule als gemeinsame Schule für alle Kinder
Die formale Gleichbehandlung aller Kinder produziert auf gesellschaftlicher Ebene Ungleichheit
Heterogenität entsteht durch gleiche Anforderungen an Kinder mit unterschiedlichen Vorbedingungen: Heterogenität ist die Kehrseite der Homogenisierung
Umgang mit Heterogenität
4 Reaktionsmöglichkeiten
Passive Reaktionsform – ignorieren der Lern- und Leistungsunterschiede
Substitutive Reaktionsform – Anpassung der Schüler an die Anforderungen des Unterrichts
Aktive Reaktionsform – Anpassung des Unterrichts an die lernrelevanten Unterschiede zwischen den Schülern
Proaktive Reaktionsform – gezielte Forderung der einzelnen Schüler durch adaptive Gestaltung des Unterrichts
Verwandte Konzepte
Individualisierter Unterricht einzelne Schüler
Differenzierter Unterricht Gruppen
Offener Unterricht Schüler wählen (z.B. Stationenlernen, Projekte, Lernzirkel)
Adaptiver Unterricht Einzel- und Gruppenarbeit variabel (Lernstoff wird auf Schüler angepasst)
Kooperativer Unterricht Teams
2.1 Differenzierung in der Grundschule
Definition Differenzierung
Differenzierung bezeichnet alle Maßnahmen schul- und unterrichtsorganisatorischer Art, die zur Förderung von Schülern/ Lerngruppen aufgrund unterschiedlicher Merkmale unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes ergriffen werden, was zu einer Individualisierung des Unterrichts beiträgt.
Äußere Differenzierung = Differenzierung im Schulsystem
Interschulisch: Schulformen wie z.B. Mittelschule, Gymnasium, Realschule usw.
Intraschulisch: Kurse nach Schulleistung, in den Kernfächern z.B. A-, B-, C-Kurse
Profilbildung: Schulen mit besonderer Ausrichtung z.B. musisches oder humanistisches Gymnasium, Montessori- oder Waldorfschule
Innere Differenzierung = Differenzierung innerhalb einer Klasse & des gemeinsamen Unterrichts
Unterrichtsorganisatorisch: z.B. nach Zielen, Inhalten, Sozialformen usw.
Didaktisch: z.B. nach Lerntempo, Lerninteresse usw.
Dimensionen der inneren Differenzierung
Unterrichtsorganisatorische Dimension Differenzierung nach:
Zielen
Inhalten
Methoden und Medien
Sozialformen (Beziehungen im Unterricht durch z.B. Sitzordnung)
Lernvoraussetzungen
Organisation und Zufall
Didaktische Dimension Differenzierung nach:
Lerninteresse
Lernbereitschaft
Lerntempo
Lernstil
Unterrichtsdimension
Individualisierter Unterricht (z.B. Freiarbeit, Wochenplan)
Kooperativer Unterricht (z.B. Projektarbeit, Gruppenunterricht)
Gemeinsamer Unterricht (z.B. Klassenunterricht)
Blended Learning (computergestütztes + klassisches Lernen)
Kompetenzdimension
Entscheidungskompetenzen
Fachkompetenzen
Sozialkompetenzen
Selbstkompetenzen
Handlungskompetenzen
Wie kann differenziert werden?
Durch Unterrichtsmethoden, Medien, Begleitung & Beratung, usw.
Wonach kann differenziert werden?
Nach Interesse, Einstellungen, Vorwissen und Lernwege, usw.
Was kann differenziert werden?
Aufgabenmenge, Sozialform, Inhalte, Lerntempo, usw.
Ziel der Binnendifferenzierung:
Chancengleichheit
Förderung der Persönlichkeit
Förderung Selbstständigkeit
Förderung sozialer Kontakte
2.2 qualitative Differenzierung
Hilfsmittel Legematerial, Bilder, Zahlen
Schwierigkeit/ Komplexität enge Vorgaben, Vorgaben, keine Vorgaben
Sozialformen Arbeit mit Tutoren, Arbeit alleine, Arbeit als Tutor
Zuwendung Eins-zu-Eins-Situation mit Lehrkraft, selbstständiges Arbeiten mit punktueller Unterstützung, selbstständiges Arbeiten
Zone der nächsten Entwicklung
Kann das Kind schon
Kann das Kind mit Hilfe, kann es als nächstes Lernen
Kann das Kind nicht, muss es noch lernen
2.3 Individualisierung in der Grundschule
Definition Individualisierung: Ein tatsächlich auf den Einzelnen zugeschnittenes/ von ihm selbst gewähltes Lernangebot, das von dem der anderen Schüler abweicht
Verschiedenheit von Schülern einer Lerngruppe wird berücksichtigt, um allen Lernenden optimale Fortschritte zu ermöglichen
Indikatoren
Individuelle Betrachtung der Lernstände, Leistungsfähigkeit, Interessen, Neigungen und Persönlichkeiten der Schüler
Unterricht:
Unterschiedliche Aufgaben & Lehrmaterialien
Anregung zur Reflexion des Arbeitsfortschritts, Selbsteinschätzungsbögen
Impulse setzen, damit Schüler ihr Lernen selbst steigern & verantworten, sowie eigene Schwerpunkte bearbeiten
Ergänzende Hilfen für leistungsschwache, zusätzliche Herausforderungen für besonders leistungsstarke Schüler
2.4 Adaptiver Unterricht
Definition adaptiver Unterricht Anpassung des Unterrichts an die individuellen Lernvoraussetzungen der Lernenden. (Prof. Dr. Franz Wember)
Versuch die didaktischen Hilfen so auf die kognitiven, motivationalen und affektiven Unterschiede zwischen Lernenden abzustimmen, dass alle möglichst optimal profitieren und jeder einzelne bestmöglich gefördert wird. (Prof. Dr. Franz Weinert)
Makroadaption
„Generalschlüssel“
Auf klassenebene
In verschiedenen Unterrichtsphasen
Formen z.B.:
Differenzierungsphasen
geöffnete Unterrichtsformen
heterogenisierte Settings
zeigt kleine bis keine Effekte
Öffnung von Unterricht – keine Effekte, die auf die strukturelle Form des Unterrichts hindeuten
Inklusion als heterogenisiertes Setting – gleichwertige Effekte im Leistungs- und Persönlichkeitsbereich der Grundschulkinder
Jahrgangsgemischtes Lernen als heterogenisiertes Setting – gleichwertige oder geringfügig positive Effekte im Leistungs- und Persönlichkeitsbereich
Individualisierung und innere Differenzierung – geringe Effektstärken und abhängig von der Gruppenzusammensetzung
Es kommt nicht auf die Form, sondern auf die Qualität an
Mikroadaption
„Einzelschlüssel“
auf Schülerebene
Unterstützung des Lernenden
Formen z.B.:
Higher-Order-Questions (Fragen, die höheres Maß kognitiver Flexibilität erfordern)
Feedback, Scaffolding (schrittweise aufbauend sprachliche Hilfestellungen)
Formative Assessment (fortlaufende Beurteilung der Lernfortschritte)
Zeigt mittlere bis große Effekte
Formatives Assessment zur individuellen Lernzieloptimierung:
ATI-Ansatz (Aptitude Treatment Interaction)
ALEM (Adaptive Learning Environment Model
Scaffolding und Formative Assessment
Ermutigende Effekte, jedoch an Bedingungen geknüpft
Kognitive Strukturierung:
Konstruktion braucht Instruktion
High-Order-Questions/ -Impulse
Feedback
Effektstärken im mittleren bis hohen Bereich
Adaptiver Unterricht als Königsweg?
Organisation adaptiver Lerngelegenheiten in der Grundschule
Unterschiedliche Aufgabenblätter für unterschiedliche Schülergruppen
Variation der Lernzeit
Kooperatives Arbeiten in heterogenen Gruppen: Peer Learning, Gruppenpuzzle
Abgestufte Verständnishilfen (kognitive Strukturierung)
2.5 Offener oder geöffneter Unterricht
Schulische Alltagspraxis
Reformpädagogisches Konzept zur individuellen Förderung
Den Lernenden wird eine Vielfalt von Lernangeboten, Lernwegen und Methoden angeboten
Selbstständigkeit als Zentrales Prinzip: Freiarbeit, Projektarbeit, Lernen nach Jahres- und Wochenplan, Lernen in Stationen
Kann adaptiv sein (durch Steuerung durch die Lernenden selbst + Beratung & Unterstützung)
Vielfältige Lernwege durch offenen Unterricht
Kritisch:
-Grad der Öffnung wird häufig überschätzt
- Öffnung beinhaltet nicht zwangsläufig individuelle Förderung
- Fachliches Verständnis wird nicht zwangsläufig gefördert
Lernumgebung: „Churermodell“: Der Raum
Umstellen des Zimmers, Inputs im Sitzkreis, freie Platzwahl (kein Persönlicher Arbeitsplatz)
Offene Lernformen unterstützen primär die Motivation der Lernenden, für den Aufbau „intelligenten Wissens“ sind sie nur wenn sie mit klarer Strukturierung und herausfordernden, kognitiv aktivierenden Inhalten einhergehen.
Beispiel:
Gute, offene Aufgabe, die verschiedene Möglichkeiten der Lösung auf verschiedenen Niveaus ermöglicht (z.B. Rechendreiecke mit ungeraden Außenzahlen; finden möglichst vieler verschiedener Lösungen)
Wann ist offener Unterricht Lernförderlich?
Wenn die Lehrkraft den Unterrichtsgegenstand so strukturiert, dass Schüler:
Neue Inhalte mit bestehendem Wissen verknüpfen, Konzepte erweitern und umstrukturieren können
Es kommt auf die Mikrostrukturen der Lernangebote an!
Fazit
Offene Unterrichtssituationen und offene Aufgaben können differenziert und lernwirksam sein, aber müssen sehr gut strukturiert werden. Gerade Schüler mit schwächeren Lernausgangslagen profitieren von strukturiertem und lehrerzentriertem Unterricht.
2.5 Forschung zu Binnendifferenzierung, Individualisierung und offenem Unterricht
Verbreitungsgrad
IGLU 2001-2021: Immer noch viel zu wenig Differenzierung in Deutsch, v.a. zu wenig Förderung der Kinder, die Förderbedarf hätten
TIMMS 2019: Verbreitung von Differenzierung im Mathematikunterricht stimmt optimistisch
Wirkung
Hattie 2009: Direkte Instruktion ist sehr effektiv. Differenzierung zeigt keine Effekte
Für die Grundschule: Kombination von Differenzierung und direkter Instruktion. Gut sind sowohl leistungshomogene Gruppen als auch leistungsheterogene Gruppen.
Positive Auswirkungen der Differenzierung auf das Selbstkonzept der Kinder
Herausforderungen für die Praxis
Berücksichtigung der Basisdimensionen von Unterricht:
Klassenführung
Konstruktive Unterstützung
Kognitive Aktivierung
Projekt Ada*Q untersucht „Adaptivität und Unterrichtsqualität im individualisierten Unterricht“
Bedeutsam sind:
Lernbegleitende Diagnostik
Selbstreguliertes Lernen
Kooperatives Lernen
Flexibilität von Lerngruppen
Räumliche Flexibilität
Zeitliche Flexibilität
Fächerübergreifender Unterricht
Team-Teaching
Entwicklung und Lernen
Begriff „Lernen“
Ziel pädagogischen Handelns: Schüler möglichst effektiv & nachhaltig zum lernen anzuregen.
Definition „Lernen“ Obwohl Lernen in der Psychologie der meist untersuchte Gegenstand ist, gibt es keine einheitliche Definition, denn der jeweilige lerntheoretische Hintergrund beeinflusst Sichtweise und Schwerpunktsetzung dessen, was unter dem Begriff verstanden wird.
Definition auf einer sehr allgemeinen Ebene Prozess, bei dem es zu überdauernden Änderungen im Verhaltenspotenzial als Folge von Erfahrung kommt. (Potenzial, weil das Lernergebnis nicht unmittelbar an konkret beobachtbares Verhalten gebunden sein muss)
Prozess des Lernens unterscheidet sich von anderen Veränderungsprozessen durch z.B. Reifung, durch die Notwendigkeit von Erfahrung(en) im Lernprozess.
Es muss eine Instanz vorhanden sein, die das Gelernte konserviert – das Gedächtnis
Neurowissenschaftliche Basis
Lernen auf der neurowissenschaftlichen Sicht: Wissensaneignung, aufgrund derer sich das Gehirn ein Modell der Umwelt aufbaut, das als Grundlage für weitere Handlungsplanung dient
Zentral für das Lernen: Hippocampus
fungiert als Neuigkeits- und Aufmerksamkeitsdetektor
beurteilt alle einkommenden Informationen auf ihren Neuigkeitswert & Relevanz
nimmt diese in der Funktion eines Kurzspeichers auf
Schädigungen dieser Hirnregion führen beim Menschen zur Unfähigkeit, neues Wissen auf Dauer zu lernen
Fähigkeit erworbenes Wissen abzurufen = Gedächtnis
Kurzzeitgedächtnis
Langzeitgedächtnis
Verbindung von Theorie und Praxis
Für die pädagogische Praxis sind 3 grundlegende psychologische Lerntheorien von großer Bedeutung
Behaviorismus
Kognitivismus
Konstruktivismus
unterscheiden sich vor allem in einer veränderten Rolle des Lernenden – weg vom passiven hin zum aktiven Lerner
Theorien fußen letztlich auf gemeinsamen neurobiologischen Grundlagen – bilden wiederum den theoretischen Ausgangspunkt für zahlreiche Lehr-Lern-Modelle, die die moderne didaktische und pädagogische Literatur prägen
diese Ansätze bilden den Hintergrund für die Ausgestaltung von Unterricht (Unterrichtsmethoden lassen sich jedoch nicht mehr eindeutigen Theorien & Modellen zuordnen)
Klassische Lerntheorien
Definition Lerntheorien Konstrukte die versuchen, Lernen, mit möglichst einfachen Prinzipien und Regeln, psychologisch zu beschreiben und zu erklären. Die Lernpsychologie entwickelt solche Theorien und überprüft mit Hilfe empirischer Untersuchungen ihren Gehalt.
Theorien der Lernpsychologie sollten als Ideengeber dienen, nicht als Beschreibung gesicherter Fakten angesehen werden (Experimenten in Laboren fehlen Faktorenvielfalt der realen Lehr-Lern-Praxis)
Alle drei Theorien bauen aufeinander auf und ergänzen/schließen sich in Teilen aus. Es ist unmöglich ein Urteil darüber zu bilden welche Theorie Lernen „am besten“ erklärt
Behaviorismus
Auffassung über Lernen
Lernen wird als Bilden von Assoziationen verstanden, die durch positive Verstärkung gefestigt werden
Wissen gilt als von außen gesetzt und wird kleinschrittig erworben
Das Lernergebnis zeigt sich in der Wiedergabe granularisierter (kleine, zerlegte) Wissenseinheiten
Rolle des Lerners
Lernende = „Black Box“
Passive Rolle – Wissen muss nicht verstanden, sondern nur wiedergegeben werden
Bekommt granularisierte Wissenseinheiten vom Lehrer oder medial aufbereitet präsentiert
Rolle des Lehrers
Bereitsteller stark granularisierter Wissenseinheiten
Bereitsteller von verstärktem Feedback
Kognitivismus
Auffassung über Lernen
Lernen = zielgerichtet, systematisch
Interne kognitive Prozesse wie Verstehen, Denken und Problemlösen laufen dabei ab
Lernen wird als von außen steuerbar aufgefasst
Rolle des Lerners
Insofern aktiv, dass er neu zu erwerbendes Wissen intern verarbeitet, interpretiert und mit vorhandenem Wissen vernetzt
Bekommt das Wissen jedoch systematisch vom Lehrer angeboten
Rolle des Lehrers
„didactic leader“ bzw. Tutor
Bereitsteller von Wissenseinheiten, die sich am Vorwissen und den vorhandenen Kompetenzen des Lerners orientieren
Legt den Lernstoff in seiner zeitlichen Reihenfolge fest
Konstruktivismus
Auffassung über Lernen
Lernen als individueller Konstruktionsprozess
Wissen kann nicht durch Vermittlung von außen nach innen transportiert werden“ sondern wird aktiv durch den Lernenden selbst konstruiert
Rolle des Lerners
Der Lerner konstruiert sich selbstständig auf der Basis bereits vorhandenen Wissens eine Auffassung über die Wirklichkeit, die durch gemeinsame Kommunikationsprozesse Verbindlichkeit erlangt
Der Lerner holt sich aktiv die Informationen die er dazu benötigt
Rolle des Lehrers
Coach bzw. Mentor
Bereitsteller von Lerngelegenheiten, die sich in möglichst authentischen und komplexen Situationen widerspiegeln, die für den Lerner Relevanz besitzen und zum eigenständigen Erkennen und Lösen von Problemen anregen
Reflektiert gemeinsam mit dem Lerner das neu erworbene Wissen
Folgerungen für Didaktik und Methodik
Lerntätigkeit lässt sich auf Grundlage behavioristischer, kognitivistischer und konstruktivistischer Auffassungen von Lernen begründen und gestalten
Lehr-Lern-Modelle (z.B. Auswendiglernen, Kontextlernen, systematisches Lernen usw.) lassen sich relativ leicht den entsprechenden Lerntheorien zuordnen
Orientierung an Ziel und Inhalt
Beim Ziel möglichst effizienter Gestaltung des Unterrichts, muss bedacht werden, welche Lernziele vermittelt werden sollen
Unterschiedliche Arten von Wissen (Methodenkompetenzen, Aufbau sozialer Verhaltensweisen usw.) sind nicht durch ein und dieselbe Lernform zu erwerben
Diese Grundlage erklärt auch Vereinbarkeit von Instruktion (Wissensvermittlung durch Lehrende) und Konstruktion (aktiver, selbstgesteuerter Lernprozess) im gemäßigten Konstruktivismus
Unterrichtsmethoden
Bestimmte Unterrichtsmethode kann nicht per se einer konkreten Lerntheorie zugeordnet werden
Beispiel: Gruppenarbeit kann wegen verstärkter Schüleraktivität als konstruktivistisch angesehen werden, kann jedoch auch zum gegenseitigen Abfragen von Vokabeln im Sinne des Behaviorismus eingesetzt werden
Moderne Didaktik ist gekennzeichnet von konstruktivistischen Ideen
Dennoch wird neben behavioristischen Aspekten im Bereich des Erwerbs von Fachwissen das Wechselspiel zwischen konstruktivistischen Phasen und Phasen strukturierten Lernens für unverzichtbar gehalten
Dies zeigt sich in Unterrichtshilfen, Prüfungsformen & Lehrplänen
Lehrpläne
Lehrpläne in Bayern heute einerseits weitgehend vom Schüler aus formuliert (beschreiben zu erwerbendes Faktenwissen und Kompetenzen)
Betonen Schüleraktivität
Höherer Abstraktionsgrad lässt zunehmend Freiräume für eine am Lernenden und dessen Lernvoraussetzungen orientierte Unterrichtsgestaltung
Frühere Lehrplankonzepte: kleinschrittige, an behavioristische Ideen erinnernde Vorgaben
Andererseits nach wie vor stringenter Aufbau bzw. klare Progression in inhaltlicher Hinsicht und bezüglich des Schwierigkeitsgrades
Geht einher mit zunehmender Orientierung am Lernergebnis (Output)
Aufgabenkultur
Moderne Aufgabenkultur & damit Prüfungsformen richten sich verstärkt nach kognitivistischen & konstruktivistischen Aspekten
Durch zunehmend offene und variantenreiche Aufgaben sowie durch Diskussion verschiedener Lösungswege
Anwendung des Gelernten auf neue Fragestellungen und unterschiedliche Kontexte spielt stärkere Rolle
Auf Phasen kleinschrittiger Übung des neu Gelernten kann nicht verzichtet werden, aber durch Anwendung des Gelernten auf neue Fragestellungen & unterschiedliche Kontexte wird über reine Routinebildung („träges Wissen“) heraus gezielt und dafür gesorgt, dass auf Wissen der Schüler Können wird.
Zusammenhang von Wissen und Können wird verstärkt im Zuge der Vereinbarung von Bildungsstandards diskutiert
Bedingt, dass: realitätsnahe, für Schüler bedeutsame Anwendungssituationen integriert werden – in unterschiedlichem Maße je nach Schulart und Jahrgang (z.B. situiertes Lernen (unmittelbarer Praxisbezug) im Bereich beruflicher Ausbildung bestimmt in höherem Maße den Unterricht als am Gymnasium)
Selbst- und Sozialkompetenz
Realitätsnahe & im Erfahrungsraum des Schülers liegende Anwendungssituationen und moderne Unterrichtsformen:
Dienen der Aneignung von Methoden- und Fachkompetenzen
Stärken vernachlässigte, für das spätere Arbeitsleben relevante Bereiche wie Selbst- und Sozialkompetenz
Eigenständigkeit, Sorgfalt, Ausdauer – durch selbstständige Aufgabenbearbeitung
Fähigkeit zur Kommunikation, Kritik, Hilfsbereitschaft – durch Arbeit im Team
Leistung und Leistungsbeurteilung
Definition Leistung
Leistung ist das Ergebnis und Vollzug einer zielgerichteten Tätigkeit, die mit Anstrengung und gegebenenfalls mit Selbstüberwindung verbunden ist und die beurteilt wird.
Gütemaßstäbe:
Grad der Übereinstimmung mit dem Vorbild
Exaktheit und Präzision
Kreativität
Richtigkeit
Fremd- oder Selbstbestimmt?
Physik: Arbeit pro Zeit
Verteilungsprinzipien
Drei aktuell gültige Verteilungsprinzipien:
Leistungsprinzip
Bedarfsprinzip
Egalitätsprinzip
Grundlage der Verteilung von (materiellen) Gütern, Positionen, Einkommensverteilung
Leistungsprinzip als Verteilungsprinzip: zunächst emanzipatorische Funktion
Das Kriterium der Leistung wurde erfunden um die Position in einer Gesellschaft aufgrund individuell erbrachter Leistungen, statt über Geburt und Geld zu vergeben.
Andere Prinzipien, die noch gültig sind:
Vorrechte der Geburt
Loyalitätsprinzip
Bekanntheits- oder Beliebtheitsprinzip
Sozialprinzip
Phasen der Leistungsbeurteilung in der Schule
Leistungsfeststellung
Grundlage der Bewertung (Auf welchem Weg gelange ich zur Feststellung der Leistung?)
Leistungsbeurteilung
Wahl des Maßstabes (An welchen Kriterien orientiere ich mich bei der Bewertung?)
Darstellungsform der Leistungsrückmeldung
Darstellungsform der Leistungsrückmeldung (Wähle ich Ziffern/ Anzahl der richtigen Lösungen/ sprachliche Formulierungen)
Leistungsfeststellung
Gütekriterien und Prinzipien bei der Leistungsmessung
Trennung von Leistungsfeststellung und -beurteilung
Leistungsfeststellung: Zunächst Erfassung in möglichst wertfreiem Vorgang
Leistungsbeurteilung: erst anschließend Bewertung der Schulleistungen
Was wird beurteilt?
Systematische, nachvollziehbare Leistungsfeststellung setzt voraus, dass der zu erfassende Aspekt von der Schulleistung präzise festgelegt & beschrieben wird
Aus didaktischer Sicht sind Schubleistungen das Ergebnis planmäßig intendierter Lehr- bzw. Lernprozesse
Daher korrespondiert schulische Leistungsbeurteilung mit den Curricula bzw. deren Umsetzung in Form von Lernzielen
Leistungserfassung
Feststellung der Leistung durch mündliche & praktische Verfahren und Formen der Beobachtung (zur Feststellung kognitiver Leistungen) – diese setzen sich zusammen aus einer großen Anzahl spezifischer Indikatoren, die einen bestimmten Lerninhalt/ Kompetenz repräsentieren sollen.
Wichtige Grundsätze
Grundsatz der proportionalen Abbildung Indikatoren repräsentativ für den jeweils erteilten Unterricht – stellen ein verkleinertes Abbild dar, das seine „ursprünglichen Proportionen und Gewichtungen wahrt“
Grundsatz der Variabilität Alle Modalitäten bevorzugen/ benachteiligen bestimmte Schüler, weshalb Prüfungen abwechslungsreich gestaltet werden müssen „Formenreichtum hinsichtlich der Prüfungs- und Aufgabenformen, Umfang und Komplexität der Aufgaben“
Testgütekriterien
Objektiv Lehrerunabhängig (mehrere Lehrer gelangen unabhängig voneinander zum gleichen Urteil)
Zuverlässig/ Reliabel Beurteilung kann reproduziert werden, d.h. Lehrkräfte kommen in vergleichbaren Situationen zu gleichen Urteilen
Valide Urteil gibt Leistung inhaltlich korrekt wieder – Test misst was er testen soll (und nicht etwa z.B. Lese- oder Stressbewältigungskompetenz)
Formen von Leistungserhebungen
Mündliche Leistungserhebungen
Vortrag
Buchvorstellung
Argumentationen
Präsentation von Arbeitsergebnissen
Praktische Leistungserhebungen
Darstellungen, Konstruktionen
Darstellendes Spiel/ Rollenspiel
Schülerversuche
Schriftliche Leistungserhebungen
Probearbeiten
Texte (erzählend, informierend, argumentierend)
Sachkarteien
Grafiken, Zeichnungen
Mehrdimensionale Schülerprodukte, Leistungserhebungen z.B.:
Lernplakat
Portfolio
Lapbook
Schriftliche Arbeiten
unmissverständliche Formulierung
begründete Aufgabenformen
Aufgabenumfang
Reihenfolge
Schwierigkeitsgrad
Testgütekriterien Aufgabenschwierigkeit, Trennschärfe
Informelle Testverfahren
Frage ob Klassenarbeiten den Gütekriterien der klassischen Testtheorie genügen
Mündliche Leistungen
Mangel an empirischen Untersuchungen zur Erfassung mündlicher Leistungen
Kritik
Nur sprachabhängige Leistungen sollten mündlich erfasst werden, systematische Konzeption erforderlich
Bewertung mündlicher Leistungen stellt ein Problemfeld der schulischen Bewertungspraxis dar
Flüchtigkeit der Situation
Zeitlicher Abstand vom Geschehen zur Dokumentation
Keine Möglichkeit zur Wiederholung
Bewertung mündlicher Mitarbeit wird durch zahlreiche Merkmale beeinflusst:
Schülerpersönlichkeit (z.B. lebhaft, lernender Auftritt)
Persönlichkeit Lehrperson (Aufrufverhalten, Anzahl & Schwierigkeit der Fragen)
Situative Gegebenheiten (z.B. Sitzordnung)
Schülergesteuerte Selektion lernende mit höherem Vorwissen & ohne Migrationshintergrund beteiligen sich öfter
Lehrergesteuerte Selektion von den Schülern die sich melden, werden jene mit höherem Vorwissen & Sprachverständnis drangenommen
Beobachtungen
Erforderlich z.B. im Bereich der sozialen Kompetenzen
Notwendig sind Beobachtungsinstrumente mit systematisch & inhaltlich begründeter Zusammenstellung von Kriterien (z.B. Tabelle zum Ankreuzen z.B. lautes sprechen: immer-fast immer-nie)
Produktorientiert – Prozessorientiert
Produktorientiert
Traditionelle Praxis der Erhebung & Beurteilung punktueller Schulleistungen eines Schülers die zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelt werden (z.B. Klassenarbeit)
Ausschnitthafte Momentaufnahme (summativ)
Prozessorientiert
Nimmt Bezug auf die Lern- bzw. Leistungsentwicklung des Schülers
Spezifische Zeiträume – Sequenz temporärer Zwischenergebnisse (formativ)
Subjektiv – Objektiv
Subjektiv
Klassenarbeiten
Mündliche Prüfungen
Verschiedene Verfahren der Verhaltensbeobachtung
Objektiv
Standardisierte Schulleistungstests, eingesetzt für:
Normorientierten Leistungsbewertung
Kriteriumsorientierten Leistungsbewertung
Leistungsbeurteilung
Kompetenzorientierter Blick auf die Schülerleistungen; Berücksichtigung von fachspezifischen & überfachlichen Kompetenzen:
Verknüpfung von Wissen & Können
Reflexionsfähigkeit
Argumentationsfähigkeit
Urteilsfähigkeit
Problemlösefähigkeit
Motivationale Aspekte
Gezielte Erhebung des Lernstandes, bezogen auf vorhergehenden Unterricht
Voraussetzung für systematische & nachvollziehbare Bewertung:
Bezugsnorm macht Bewertung der ermittelten Leistungen & Zuordnung eines Wertes der eine spezielle Bedeutung repräsentiert, möglich
Soziale Bezugsnormen (bezugsgruppenorientiert bzw. interindividuell)
Vergleich der individuellen Leistung des Schülers mit einer ausgewählten „sozialen“ Referenzgruppe
Vergleich mit:
Leistungen einer bestimmten Klasse (Klassennorm)
Bestimmter Klassenstufe (Jahrgangsnorm)
Gruppe Gleichaltriger (Altersnorm)
Klassennorm ist für Lehrer leicht festzulegen, daher häufiger Einsatz im Unterrichtsalltag
Sachliche Bezugsnormen (ideale, kriteriale/ kriteriumsorientierte Bezugsnormen)
Anwendung wird problematisiert – Leistungsbewertungen in versch. Gruppen & Schulklassen nicht vergleichbar (Bewertung abhängig von der Leistung anderer – je besser die anderen, desto schlechter ist man selbst, obwohl die Leistung vielleicht gar nicht so schlecht war)
Essenziell für Diagnostik von
Sonderpädagogischen Förderbedarf (repräsentative Schülerstichproben)
Kompetenzentwicklung (Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten)
ABER: Bezugsnormeffekte bzgl. Selbstkonzept (bessere/ schlechtere Einschätzung der eigenen Leistung bei schlechterer/ besserer Leistung des Umfelds)
Kriteriumsorientierte Bezugsnorm
Bewertung individueller Leistung anhand eines sachlich/ inhaltlich genau festgelegten Anforderungskriterium
Kriterium wird in Form einer fixierten prozentualen Mindestanzahl (z.B. richtig gelöster Aufgaben) angegeben (Idealnorm)
Anwendung kriterialer Normen ist schulgesetzlich vorgeschrieben
Festlegung der Kriterien liegt im Ermessen der Lehrkraft (variiert je nach Lehrkraft)
Kriterien sollten auf einer sorgfältigen Lehrzielanalyse basieren
Individuelle Bezugsnormen (intraindividuelle/ prozessorientierte Bezugsnormen)
Bewertung temporärer Leistungsveränderungen eines Schülers
Maßstab für aktuelle Leistung: Leistung zu einem frühen Zeitpunkt
Pädagogisch sinnvoll – spezifisches Eingehen auf individuelle Lernentwicklung, motivationssteigernd – jedoch Umschlageffekt zu sozialer Bezugsnorm
Berücksichtigung kleiner Lernfortschritte in der Bewertung
Die verschiedenen Bezugsnormen machen verschiedene Seiten des selben Ereignisses sichtbar (z.B. der Schüler steigerte sich in der Leistung im Vergleich zum letzten Mal, schneidet jedoch im sozialen Vergleich schlechter ab – weil sich die anderen noch viel mehr verbessert haben)
Verschiedene Lehrertypen
Reine Typen (Orientierung an einer Bezugsnorm)
Mischtypen ohne Dominanz (keine Bezugsnorm überwiegt)
Mischtypen mit Dominanz (soziale oder individuelle Bezugsnormen dominieren)
Tendenz zu verschiedenen Bezugsnormen ist situativ bedingt
Transparente Bewertungskriterien, die den Schülern bekannt sind, sind Grundlage für alle Bewertungen, kriterienorientierte Bezugsnorm ist ausschlaggebend für alle Bewertungen.
Die Bewertung der Leistung muss, mit oder ohne Ziffernnotenvergabe den Vorgaben (Art. 52 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG)) entsprechen.
Definition der Noten laut Kultusministerkonferenz (1968)
1 = sehr gut – Leistung entspricht den Anforderungen in besonderem Maße
2 = gut – Leistung entspricht voll den Anforderungen
3 = befriedigend – Leistung entspricht im Allgemeinen den Anforderungen
4 = ausreichend – Leistung weist zwar Mängel auf, entspricht aber im Ganzen noch den Anforderungen
5 = mangelhaft – Leistung entspricht nicht den Anforderungen, lässt jedoch erkennen, dass trotz deutlicher Verständnislücken die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind
6 = ungenügend – Leistung entspricht nicht den Anforderungen und lässt selbst die notwendigen Grundkenntnisse nicht erkennen
Anforderungsbereiche
Anforderungsbereich „Wiedergeben“ (AB 1) Wiedergabe bekannter Informationen und Anwendung grundlegender Verfahren und Routinen
Anforderungsbereich „Zusammenhänge erstellen“ (AB 2) Bearbeitung vertrauter Sachverhalte durch Anwendung erworbenen Wissens und bekannter Methoden und deren Verknüpfung
Anforderungsbereich „Reflektieren und Beurteilen“ (AB 3) Bearbeitung neuer Problemstellungen, die eigenständige Beurteilungen & Lösungsansätze erfordern
Anforderungsbereiche Mathematik
Reproduzieren (z.B. Zahlenmauer: Anwendung des 1+1 bis 20 und deren Umkehrungen)
Zusammenhänge erstellen (z.B. Zahlenmauer: nutzen von Rechenstrategien)
Verallgemeinern und Reflektieren (z.B. Zahlenmauer: nutzen von Rechenstrategien, Bewertung Rechenstrategien und Begründen der Vorgehensweisen)
Beurteilungsfehler
Beurteilungsfehler sind un- /bewusste Verfälschungen durch den Beurteiler im Rahmen der Leistungs- oder Verhaltensbeurteilung
Stabile Beurteilungstendenzen
Milde-Effekt
Beurteiler bewerten Personen die sie gut kennen/ die als positive Verstärker wirken besser als andere (z.B. beliebte Schüler = leicht überhöhte Noten)
Der Lehrer ist gutmütig und beurteilt mild
Strenge Effekt
Beurteiler beurteilen unbekannte/ auf sie negativ wirkende Personen schlechter als andere
Lehrer erwartet grundsätzlich eine überdurchschnittliche Leistung und bewertet streng
Tendenz zur Mitte
Beurteiler meiden Extremwerte und tendieren zur Mitte
Pygmalion-Effekt
=Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung im Unterricht
Erwartungen einer Person (Lehrer) wirkt sich auf Verhalten/ Leistung einer anderen Person (Schüler) positiv/negativ aus
Bedingungen:
Kausalattribuierung (Konzept beschreibt wie Menschen Ursachen für Ereignisse/Erfolge/Misserfolge klären) und starre Leistungserwartung
Zeitintervall, über welches sich eine Erwartung erstreckt
Flexible & kurzfristige oder starre & langfristige Erwartung
Erwartungen hängen von der Erklärung des Ereignisses ab
Individuelle Unterschiede in der Erwartungsbildung
Unterschiedliche Ursachenzuschreibung je nach Bezugsnorm – Orientierung
Lehrer mit sozialer Bezugsnorm sehen Schulleistungen abhängig von zeitstabilen Faktoren, Lehrer mit individuelle Bezugsnorm nicht
Pygmalion-Effekt lässt sich hauptsächlich an Lehrern mit soziale Bezugsnorm nachweisen
Halo-Effekt
Von einem hervorstechenden Merkmal (z.B. äußeres Erscheinungsbild, Verhalten, frühere Leistung) wird auf andere Persönlichkeitsmerkmale geschlossen
Kann zu Verzerrung der Bewertung führen
In der Schule:
Mitarbeit
Sprachfertigkeit
Handschrift
Höflichkeit
Ordentlichkeit
Usw.
Beeinflussen Notengebung
Logischer Fehler
Aus Beobachtungen werden Erkenntnisse abgeleitet, die zwar logisch erscheinen, aber trotzdem falsch sind
Beispiel:
Schüler ist gut in Mathe – Annahme: muss auch gut in Physik sein
Schüler ist Unordentlich – Annahme: ist nicht fleißig
Schüler spielt gern allein – Annahme: Schüler ist schüchtern/ unglücklich
Ähnlichkeitsfehler (unbewusst positivere Beurteilung wegen ähnlichen Eigenschaften/ Verhaltensweisen; z.B. Bevorzugter Schüler, weil dieser ähnliche Interessen wie der Lehrer hat)
Kontrastfehler (Beurteilung einer Person wird von einer anderen Person beeinflusst, die zuvor bewertet wurde; z.B. Schüler A war sehr gut, Schüler B war durchschnittlich aber eigentlich gut – Schüler B wirkt im Vergleich schwächer und wird unbewusst schlechter bewertet)
Reihungsfehler
In einer Reihe von schlechten Noten werden die Arbeiten zunehmend besser bewerten und umgekehrt.
Einfluss von Vor- und Zusatzinformationen
Positive/ negative Zusatzinformationen über einzelne Schüler können die Bewertung durch den Lehrer beeinflussen – sogar in problemlos bewertbaren Bereichen wie Rechtschreiben/ Mathematik
Lehrer weiß ob es sich um das Heft eines Sitzenbleibers, fleißigen, häufig unaufmerksamen usw. handelt (Lehrer hat oft auch Informationen über außerschulische Bedingungen) – All dies kann die Korrektur beeinflussen
Darstellungsform der Leistungsrückmeldung
Schulgesetzgebung: Bewertung in der Grundschule anhand von Schulnoten oder alternativ in Form von Verbalbeurteilungen.
Verbale Gutachten wurden 1970 von der Kultusministerkonferenz empfohlen und sind zumindest inzwischen in allen Bundesländern in den ersten Jahrgangsstufen der Grundschule eingeführt worden
Zensurengebung
Ziel der traditionellen Notengebung:
Sachgerechte Abbildung der Leistungsveränderung
Zusammenfassende Bewertung von komplexen Leistungsformen
Suggerieren präzise & vergleichbare Informationen zu vermitteln
Aber: fehlende Transparenz – entscheidende & zugrundeliegende Auswahl-, Gewichtungs-, und Bewertungsfaktoren sind nicht erschließbar
Verbalbeurteilung
Soll Mängel der Zensurengebung aufheben & pädagogisch effektiver sein
Leistungsentwicklung & Fortschritte werden stärker in den Blick genommen
Worte können (im Unterschied zu Noten) auf den Entwicklungsprozess und Lernstand eingehen
Transparenter als Noten
Chancen der Verbalbeurteilung
Beschreibung individueller Stärken & Schwächen
Hilfen für den Lernweg können ausgesprochen werden
Positive Wirkungen:
Verringerung der Chancenungleichheit
Verringerung der Schulangst & Leistungsdruck
Erhöhung von Motivation, Selbstvertrauen, Kooperationsbereitschaft
Grenzen der Verbalbeurteilung
Fehlurteile bei Noten gibt es auch bei Verbalbeurteilungen bei mangelhafter Ausführung (keine andere Auswirkung auf Selbstkonzept & Lernfreude als Notenzeugnisse)
Standardisierte/ missverständliche Formulierungen (Beschönigungen, Notenähnliche Formulierungen)
Vorzüge werden bislang nicht ausreichend realisiert
Geringe Akzeptanz des Verbalzeugnisses (Eltern bevorzugen Noten)
Standardisierung der Aussagen durch Nutzung von Textbausteinen
Studien
Mehrheit der Kinder möchte keine Notenzeugnisse
Eltern schätzen Noten (angeblich objektiv, kurz, informativ – Kinder sollen sich an Noten gewöhnen)
Mehr Lehrkräfte aus Grund- und Sonderschulen (60%) befürworten Verbalzeugnisse als Lehrkräfte von Realschulen (21%) & Gymnasien (28%)
Vorzüge der Berichtszeugnisse werden bislang nicht ausreichend realisiert
Berichts- /Notenzeugnisse ergeben keine Unterschiede in den Schulleistungen – Kinder lernen auch ohne Noten
Der Pädagogische Leistungsbegriff
Gesellschaftlicher und pädagogischer Leistungsbegriff wiedersprechen sich
Gesellschaftlicher Leistungsbegriff
Leistungsgesellschaft
Noten
Ausleseorientierung
Vergleich der Leistungen mit den Klassenkameraden
Selektionswirksame Leistungsorientierung, Ausleseorientierung
ABER: Ungleichheit der Bildungschancen, der Voraussetzungen und Möglichkeiten
Pädagogischer Leistungsbegriff („neue Lernkultur“)
Individueller Maßstab
Frage nach Anstrengung, Fortschritten, Lernwegen
Keine Defizitorientierung und Auslese, sondern Förderung & Ermutigung
Gilt v.a. für Grundschule als wichtig
Grundannahmen der neuen Lernkultur um Sinne des Konstruktivismus:
Lernen ist situations- und kontextgebunden
Lernen ist ein aktiver, konstruktiver Prozess
Lernen ist ein selbstgesteuerter Prozess
Lernen ist immer soziales Aushandeln von Bedeutungen
Motivation ist eine zentrale Bedingung für Lernen
Die Lernenden sollen eine aktivere Rolle übernehmen. Unterrichten ist eher im Sinne von Unterstützen, Anregen, Bereitstellen günstiger Lernsituationen und Beraten zu sehen.
Beispiele der „neuen Lernkultur“ für die 3 Phasen
Leistungsfeststellung Präsentationen, Projektarbeiten, Portfolios, Lapbook
Leistungsbeurteilung (Dokumentation der Lern- und Entwicklungsprozesse) individuelle Bezugsnorm, Selbstbeurteilung, Peer Feedback, Lernlandkarte und Tests am selbstgewählten Zeitpunkt (Checker), Lernleiter
(Stärkenorientierte & prozessbegleitende) Leistungsrückmeldung Lernentwicklungsgespräch, dialogische Rückmeldung, Verbalrückmeldung
Beispiel für Leistungserhebung: Portfolio
Kompetenzbereiche
Anwendung von Lernstrategien
Fähigkeit zur Selbstregulation
Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen
Es sollen nicht nur Lernprodukte, sondern auch Lernwege einbezogen werden
Portfolio in der Schule
Zielgerichtete individuelle Sammlung von Arbeiten der Schüler
Schüler wählen selbst und stellen damit ihre Anstrengungen & Leistungen exemplarisch dar
Meist gibt es Zwischengespräche und eine Abschlusspräsentation
Bestandteile des Portfolios
Verpflichtende und freiwillige Bestandteile (z.B. Deckblatt, Lernstandsfeststellung, schriftliche & praktische Arbeitsergebnisse, Feedback usw.)
Verschiedene Arbeitsaufträge (von Lehrkraft oder selbst gestellt) sollen:
Offen und vielfältig sein (auf unterschiedlichen Leistungsniveaus bearbeitbar)
Versch. Grundlegende Arbeitstechniken & fachspezifische Arbeitsweisen einfordern (z.B. experimentieren, betrachten, recherchieren, usw.)
Bearbeitung der Aufgaben in versch. Sozialformen (Gruppenarbeit, Bearbeitung im Klassenverband, usw.)
Möglichst Eigenverantwortliche Vorgehensweise bei der Erstellung spiegelt individuelle Herangehensweise und den Lernprozess jedes Kindes wieder und macht diesen transparent und nachvollziehbar
Selbsteinschätzungsbogen
Forschungsergebnisse
Schüler empfinden Rückmeldung als aussagekräftig (können Stärken & Schwächen richtig einschätzen)
Empfinden beratende Auseinandersetzung als positiv (Wertschätzung der Reflexion des eigenen Lernens)
Soziale Bezugsnorm wird durch Schüler nicht eingenommen
Lernlandkarten
Umfassen vorgegebene & gemeinsam vereinbarte Kriterien (Kriterien sind den Kindern bekannt)
Geben Möglichkeit eigene Könnenserfahrungen zu formulieren
Zeigen Entwicklungen im Lernprozess auf
Ermöglichen sprachliche/ nicht sprachliche Reflexion (mittels Farben, Icons usw. je nach Jahrgangsstufe und Leistungsstand)
Unterstützen kriterienorientierte Selbst- und Fremdeinschätzung
Lernen und Leisten wird zur Sache des Kindes
Forschungsergebnisse
Formale Aspekte des Lernens dominieren gegenüber der Thematisierung von Inhalten
Konstrukt „Lernentwicklung“ wird von Teilnehmenden vornehmlich im Sinne einer (Weiter-)entwicklung gefüllt, die eine Optimierung des schulischen Selbst der Kinder anstrebt
Rückmeldung in Lernentwicklungsgesprächen wird (von externen und am Gespräch beteiligten) als lernunterstützend und hilfreich, informativer und gewinnbringender als ein Zwischenzeugnis wahrgenommen
Wichtige Begriffe (Zusammenfassung)
Abschauen beim Zusammenschreiben der Karteikarten
Inhalte des Grundschulunterrichts
Die Grundschule als grundlegende Schule
Mit der Grundschule beginnt die organisierte Zusammenfassung und verpflichtende Kollektivierung Gleichaltriger zum Zwecke gemeinsamen, systematischen und zielführenden Lernens.
Ziel: Gewährleistung anschlussfähiger Bildungsprozesse, vor allem in der soliden Grundlage für das Lernen an weiterführenden Schulen
Doppelschichtige Aufgabe
Vorbereitung auf Schule (Schulpropädeutik)
Selbst schon Schule sein
Erstes Spannungsverhältnis unterschiedlicher Ansprüche:
Zubringerfunktion für weiterführende Schulen einerseits
In sich geschlossener Bildungsauftrag andererseits
Die Grundschule als Basis des Bildungssystems
Unterschiedliche Formen der Systemverknüpfung
Verknüpfung mit dem Vorschulbereich
vollständig getrennte Institutionen (z.B. Deutschland)
getrennte aber unter derselben Schulverwaltung stehende Institutionen (z.B. Frankreich)
einheitliches System einer integrativen Elementar- bzw. Basisbildung (z.B. Niederlande, England)
Verknüpfung mit dem Sekundarbereich
Selektion im Hinblick auf ein schulartendifferenziertes weiterführendes Schulsystem (z.B. Deutschland)
Vorbereitung auf einheitliche Sekundarstufe 1/ Gesamtschule (z.B. Frankreich, England)
Grundschule und untere Sekundarstufe als integriertes Einheitsschulsystem (z.B. Schweden)
Deutsche Grundschule hebt sich im europäischen Vergleich durch geringeren Integrationsgrad ab – relativ eigenständige Schulform im Bildungssystem mit ausgeprägtem pädagogischem Profil
Strukturbedingter Nachteil: verstärkte Übergangsprobleme (nicht so sehr Bindeglied zwischen Elementar- und Sekundarbereich sondern eher geschlossene Einheit)
Ursachen
Relativ kurze Grundschuldauer von 4 Jahren (Berlin & Brandenburg 6 Jahre)
Relativ starres Jahrgangsstufensystem (& Klassenlehrersystem)
Relativ große Klassenstärken
Vorgaben erzwingen geradezu Konzentration auf das „Wesentliche“ & ein internes pädagogisches Organisationskonzept, das stark auf zeitsparende Bewältigung schulstufeneigener Probleme ausgerichtet ist
Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für die Grundschule (1921)
Bildung für alle
Vermittlung von Grundbildung in den ersten 4 Schuljahren
Ausrüsten mit Kenntnissen & Fertigkeiten, die als Grundlage für jede Art weiterführender Bildung erforderlich sind
Wecken & schulen aller geistigen & körperlichen Kräfte der Kinder
Grundschule ist nicht nur Subsystem oder Puzzle-Teil neben anderen, sondern Grundlage für das gesamte Bildungssystem
Pädagogische Prämisse: Grundschulzeit als „Eigenwert“ mit Doppelaufgabe
Erschließung der Lebenswirklichkeit des Kindes & Hilfe bei der Bewältigung seiner Lebensaufgaben
Vorbereitung des Kindes auf Angebote & Anforderungen weiterführender Schulen
Bildung ist nicht Verdienst sondern Leistung und lässt sich wie folgt bestimmen (nach Oelkers):
Bildung bezieht sich auf Aufbau & fortlaufende Qualität des persönlichen Wissens & Könnens
Verlangt wird nicht nur anfängliche, sondern die fortgesetzte Initiation in symbolische Welten, die für Verstehen & öffentliche Verständigung unerlässlich sind
Der Prozess und sein Verlauf sind abhängig von gestuften Schwierigkeiten
Qualität der Bildung besteht letztlich in der Akzeptanz von Niveaus & Standards, die das persönliche Urteil und den individuellen Geschmack bestimmen
Mischung aus normativem Anspruch des Bildungsbegriffs einerseits und institutioneller Funktionsbestimmung andererseits kennzeichnet den spezifischen Bildungsauftrag der Grundschule
Bildungsauftrag – geht von „gestuften Schwierigkeiten aus und grenzt grundlegende von weiterführender Bildung ab
Der Auftrag Grundlegender Bildung
Begriff „Grundlegung“ hat Rückwirkungen auf das pädagogische Selbstverständnis, je nachdem wie Akzente gesetzt werden:
Grundlegung als Basis für etwas – Grundschule orientiert sich an den Anforderungen weiterführender Schulen und leitet ihre Aufgaben im Sinne eines deduktiven Modells (von oben nach unten) ab
Grundlegung als gelegter Grund – weiterführendes Schulsystem richtet sich an den gegebenen Voraussetzungen aus, kumulatives Modell (Aufbau von unten nach oben)
Diese Differenzierung spiegelt sich auch hier wider:
Grundlegung der Bildung konzentriert sich mehr auf Grundlegung/ Vorbereitung des Bildungsprozesses („Fundament“ – hat zwar tragende Funktion aber noch keinen eigenen Gebrauchswert) – suggeriert relativ genaue Bestimmbarkeit, wann „Grundlegung“ aufhört und „eigentliche“ Bildung anfängt
Grundlegende Bildung Akzent liegt stärker auf „Bildung“ – Grundschule von vornherein gleichwertige Bildungseinrichtung, die das Kind beim langfristigen Prozess des Hereinwachsens in die objektive Kultur begleitet
Kein unvereinbarer Gegensatz, sondern zwei Seiten einer Medaille:
Einerseits definierte Grundlage, Schulbefähigung & Zubringerfunktion
Andererseits Kontinuität und Öffnung im/ für den weiteren Bildungsgang
Bildungsbegriff beschreibt nicht nur Qualitätsmerkmale der Persönlichkeit, sondern auch ihre Beziehung zur Umwelt
Bildung als „Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen“ (starke Persönlichkeit und gute Moral)
Bildung umfasst das, was über den Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten hinausgeht und den Aufbau von Verständnis und Einsicht, die Anerkennung von Werten, moralische Urteilsfähigkeit sowie ein konstruktives Wirklichkeitsverständnis ermöglicht.
Leitziele der Grundschule
Über Bestehendes aufklären
Für Neues öffnen
Zum Handeln ermutigen
Sinnvolle Zugangsweisen ermöglichen
Eigene grundschulspezifische Kernaufgabe grundlegender Bildung
Grundschulkind ist noch stark auf Erziehung (als transitiver Vorgang) nagewiesen, daher: Bildungs- und Erziehungsbegriff liegen enger beisammen als bei weiterführenden Bildungsprozessen
So geht es unter dem Erziehungsaspekt mehr darum Hilfen zu geben bei:
Erwerb kultureller Lebensweise
Sozialer Einstellungen & -haltungen
Selbstständig und mündig werden
„Fürsorge - Unterstützen – Gegenwirken“ = notwendige, wenn auch stetig abzubauende Bestandteile grundlegender Bildung
Bildungsideale (nach Wilhelm v. Humboldts)
Individualität – Totalität – Universalität (sind maßgebend für alle Schulsysteme geworden)
Comenius: Omnes Omnia Omnino – alle sollen alles in einer auf das Ganze, das Wesentliche bezogene und naturgemäße Weise lernen
Verfahrensweisen umfassender Bildungsarbeit
Kind-, Sach-, und Zielgemäßheit
Planung zwischen Festlegung und Offenheit
Einbettung ins Schulleben
Auftrag ausgewogener Bildung hat weiterhin und sogar vermehrt zukunftsweise Bedeutung (zunehmende Privatisierung in den USA)
Demokratisch Verfasste Verantwortung, allen Kindern des Volkes gleiche Bildungschancen zu gewähren
Gefahr einseitiger Ausrichtungen unter privaten Schulträgern (z.B. Richtung musischer-, naturwissenschaftlicher-, leistungssportlicher „Grundbildung“)
Gefahr weltanschaulich ideologischer Verzerrungen (z.B. pädagogische Modeerscheinungen)
Staatlich verfasste & kontrollierte Bildungspläne sind nicht interessenfrei, jedoch demokratisch angelegter Entscheidungsprozess („Gemeinsinn“)
Verfrühte Spezialisierung & Expertenzüchtung widerspricht dem anliegen grundlegender Bildung ebenso wie Beliebigkeit des Bildungsangebots!
Klassisch-aufklärerisches Bildungsdenken (kritisch-konstruktiv angeknüpfte Weiterführung Klafki 1992)
Bildung für alle
Bildung im Medium des Allgemeinen (Aneignung der die Menschen gemeinsam angehenden Frage- und Problemstellungen)
Bildung in allen Grunddimensionen menschlicher Interessen und Fähigkeiten (kognitiv, handwerklich-technisch, sozial, ästhetisch, ethisch-politisch)
Allgemeinbildung
Aspekt des „Allgemeinen“ im Bildungsbegriff ist konstituierend für das Anliegen grundlegender Bildung – im Grunde 2 Aspekte der gleichen Sache:
„Allgemeinbildung“ = mehr auf das Ziel bezogen
„grundlegende Bildung“ = mehr auf den Anfang bezogen
Kombination beider Aspekte = grundlegende Bildung als Anfang der Allgemeinbildung
Grundlegende Bildungsinhalte
Grundschulpädagogik ist noch nicht zu einer eigenen „Theorie der Bildungsinhalte“ vorgedrungen
Vorschlag zu Zusammenstellung (Hendricks 1989):
Vermittlung grundlegender Lerntechniken (z.B. Protokollieren, richtiges Fragen, genaues Hinsehen usw.)
Entfaltung fachbezogener Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Begabungen (z.B. Lesen, Schreiben, Rechnen, musische Bildung usw.)
Vermittlung grundlegender Kenntnisse und Einsichten (z.B. Rechtschreibung, Lieder, Folgen der Umweltverschmutzung usw.)
Einübung grundlegender Handlungen (Respekt, Verantwortung, Toleranz, Hilfsbereitschaft usw.)
Bei dieser „Grundbildung“ geht es um sog. Basisqualifikationen die gesellschaftlich unentbehrlich sind und die für ein späteres Leben nützlich sein sollen
Erziehungssystem soll auf etwas vorbereiten, dass man noch nicht kennt: die Zukunft
Daher zurückgreifen auf Strukturen, von denen man annimmt, dass sie langfristig Bestand haben werden – Schulfächer als grundlegende Inhalte sollen ihre Bedeutung behalten, da sie exemplarisch für bewährte Wege der Welterschließung und sinnstiftenden Ordnung von Erfahrungen stehen.
Insbesondere werden genannt:
Deutsch
Mathematik
Natur- und sozialwissenschaftlich orientierter Sachunterricht
Kunst
Musik
Sport
Religion
Lernbereiche sollen in Lehrpläne aufgenommen werden & strukturierend wirken (z.B. Spracherziehung, Medienerziehung, ästhetische Erziehung usw.)
Gefahr, Blick auf das im Bedingungsrahmen Umsetzbare zu verlieren – es muss noch genügend Zeit bleiben, dass Gelernte zu üben, festigen & zu vertiefen
immer neue Teilaufgaben werden additiv hinzugefügt, ohne dass ein begrenzendes bildungstheoretisches Konzept vorliegt
Grundlegende Bildung als „kategoriale Bildung“
Vielfalt verschiedener Konzeptionen
Zersplitterung der Wissensbereiche
Immer neue Zielkataloge für das Schullernen
Bildung als Kristallisationspunkt (zentrale Zielkategorie)
Die Bemühung um strukturierte Auffassung, die eine sachgerechte & sinnvolle Erschließung weiterer Sachverhalte ermöglicht, zentriert sich im Begriff der kategorialen Bildung
Entsprechende Didaktische Analyse erschließt geeignete Situationen & exemplarische Inhalte, die ermöglichen sollen, Strukturzusammenhänge selbstständig zu erfassen:
Das Fundamentale, das Exemplarische, das Typische, das Klassische, das Repräsentative, die einfachen Zweckformen, die einfachen ästhetischen Formen
Die Bemühung um das Elementare = Kernaufgabe der Grundschuldidaktik und ihrer beteiligten Fachdidaktiken, dazu bedarf es Vertiefung in bestimmte Lernaufgaben und -gebiete, die nur durch Beschränkung auf ausgewählte Themen erreichbar ist
Konzentration auf das Exemplarische – besonders im Sachunterricht – Vermittlung einer Vielzahl an sach- und sozialbezogener Inhalte in wenigen Wochenstunden
Grundlegendes Lernen muss sich auf die exemplarische Auswahl & Behandlung von Inhalten & Arbeitsweisen beschränken, welche eine möglichst weitreichende Erschließungsfunktion haben
Problemorientiertes Vorgehen am Anfang möglichst „packendes Problem“ – bleibt während der gesamten Unterrichtseinheit im Bewusstsein – am Ende hinreichend begründete Antwort auf Kernfrage
Das Allgemeine sollte vom Besonderen abgehoben, die gewonnenen Einsichten auf andere Fälle übertragen werden können; Erkenntnisweg, der zur Problemlösung führt, sollte beispielhaft fachgemäße Denk- und Arbeitsweisen aufzeigen
Fächerübergreifender Unterricht bereits in der Grundschule
Gefahr, dass ein von Schülerinteressen geleiteter Unterricht:
Beliebigkeit der Stoffauswahl
Aktionismus & ungezieltes Hantieren
Verwässerung der Fächer als „geistige Grundrichtungen“
Nach sich zieht
Resignation bei der Bemühung um Elementarisierung und Grundstrukturen käme jedoch didaktischer Bankrotterklärung gleich
In der Grundschule wird zunächst vorfachlich/ „auf die Fächer zu“ gearbeitet, bevor eine anspruchsvollere überfachliche Sichtweise gelingen kann (Kindern muss erst die fachliche Brille aufgesetzt werden)
Wenn in der Hauptschule „fächerübergreifende Bildungsaufgaben“ im Vordergrund stehen, obliegt der Grundschule vermehrt die Aufgabe fachlicher Grundlegungsarbeit
Grundlegungsarbeit
Ausrichtung an Lebensbedingungen, Interessen, Bedürfnissen des Kindes
Notwendige Vernetzung von Leitthemen
Anspruch prinzipieller Fachorientierung und Wissenschaftsnähe
Einführung in die „Kulturtechniken“
Kultur wird durch Bildung aufrechterhalten und Bildung findet in Kultur ihre Inhalte
Einführung in die Kulturtechniken = traditionelle Kernaufgabe für die Grundschule
Doppelte Funktion
Erwerb der Schrift-/ Sprache als Voraussetzung für die Teilhabe an der Kultur (die eine Schriftkultur ist)
Muss entscheiden welche Schriften & Texte gelesen werden sollen und fragt damit nach bildungswürdigen Inhalten
Es geht nicht nur darum, dass gelesen wird, sondern auch was gelesen werden soll – bei aller Bemühung um eine solide Lesetechnik, darf die Sinnkomponente nicht vernachlässigt werden (bereits Fibeltexte sind Bildungsinhalte religiöse, moralische, politische usw. Themen)
Die Aneignung der Kulturtechniken übt bedeutsamen Einfluss auf den Erziehungs- und Bildungsprozess aus
Kritische Reflexion des Zusammenhangs zwischen Schrifterwerb als Kulturaneignung und der Ausbreitung neuer Medien
Bei Aneignung der Schriftsprache lernt das Kind nicht nur Lesen und Schreiben, sondern erfährt auch erstmals den Zwang der Selbstbildung und eine Form des Erwachsenseins wird eingeleitet, die nicht an biologische Reifungsvorgänge gebunden ist, sondern das Erreichen einer Kulturstufe bedeutet
Kind wird frei von (selektiver) mündlicher Information durch Erziehungspersonen und damit freu für den Weg der Selbstbildung
Fernsehen & Video gegenüber der Schrift als Kommunikationsmedium zum Enkulturationsproblem (neue Medien zerstören Schriftlichkeit einer Kultur enthaltenen Prozesse der Individualisierung und Formierung des Charakters
Grundschulpädagogik muss sich mit der Aufgabe der Traditionssicherung und mit den Fragen der Kulturmodernisierung & Kulturkritik auseinandersetzen
Fazit
Zu gewährleisten ist in jedem Fall die solide Grundlegung der Kulturtechniken
Eine Kernaufgabe grundlegender Bildung: Vermittlung sicherer Beherrschung kultureller Basiswerkzeuge (in erster Linie mündliche, schriftliche Sprache und hinreichende Vertrautheit mit mathematischen Symbolen)
Kerncurriculum und Bildungsstandards
Pflicht des Staats:
Chancengleichheit & Bildungsgerechtigkeit
Lehrplanvorgaben (vorgeschriebene Inhalte, Lernziele, Reihenfolge & schulspezifische Auswahl)
Damit wird umrissen, welche schulischen Lernanforderungen die Gesellschaft an die nachfolgende Generation stellt
Entstehung der Lehrpläne steht somit in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung des Schulwesens
Lehrplantheorien
Traditionelle geisteswissenschaftliche Lehrplantheorie (Staat als „neutrale Macht“ nimmt regulierende Funktion ein und legt das „Bildungsideal“ fest)
Curriculumtheorie (1960/70er Jahre – Hauptmaximen: Aktualisierung der Inhalte, Hierarchisierung, Operationalisierung, Kontrolle der Lernziele, permanente Evaluation und Revision der Curricula – großer Einfluss auf Entwicklung der Grundschullehrpläne)
Bewegung des „offenen Unterrichts“ (Ergebnis einsetzender Kritik – forderte mehr Freiraum für Lehrer und Schulen & ausgewogeneres Verhältnis von Kind- und Wissenschaftsorientierung)
Aktuelle Lehrplan-/ Curriculumentwicklung – stark geprägt von bildungspolitischen Auswirkungen der Ergebnisse internationaler Schulleistungsvergleichsstudien wie TIMSS & PISA
In Deutschland derzeit starker Einfluss auf den traditionellen Bildungsbegriff durch Methoden der empirischen Sozialforschung (Bildung wird in Kompetenzen zerlegt und diese auf wiederum wenige messbare skills reduziert)
Derzeitige Kritik
Reduzierung von Schulleistung auf abfragbares Wissen
Uniformität statt Individualität
Sekundärmotivation (Belohnung & Auszeichnung) statt Eigenverantwortung
Testvorbereitung statt nachhaltiger Unterricht
Diskriminierung benachteiligter Schulen & Schüler
Vorteile
Verlässlichkeit & Anschlussfähigkeit der Lernbestände
Zielorientierung für alle Beteiligten
Realistische Akzeptanz gesellschaftlicher Bildungserwartungen
Sicherung eines gemeinsamen kulturellen Bildungsgrundniveaus
Übereinstimmung in der Festlegung folgender Basiskompetenzen
Beherrschung der Verkehrssprache
Mathematische Mitteilungsfähigkeit
Selbstregulierung des Wissenserwerbs
Beherrschung moderner Informationstechniken
Fremdsprachenkenntnisse
Die Weiterentwicklung muss systemkritisch gesehen werden: Bildungsstandards dürfen nicht nur als Zuordnungen zu bestehenden Institutionen des Schulsystems gesehen werden, sondern verstärkt auch als variable Bildungsgänge
Grundschule wird nicht als eine „für immer“ festgelegte Institution definiert, sondern als „offenes System“ für grundlegende Bildungsgänge, das sich um steten Ausgleich von Spannungsfeldern bemüht:
Akzeptanz von Heterogenität & Gewährleistung gleicher Bildungsstandards
Spielraum für individuelle Entwicklungen & Einhaltung von Bildungsstandards
Pädagogische Freiräume für die einzelne Schule und Selbstverpflichtung zur Einhaltung vergleichbarer Leistungsmaßstäbe
Fehlt: Übergänge in die Grundschule, den Sekundarbereich, Jahrgangsmischung, Ganztagsschulen