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Hinführung – Merkmale von Bildung
Der gebildete Mensch kann sich also in der Welt zurechtfinden und angemessen mit dieser umgehen: Er kann sein Leben verantwortlich und selbstbestimmt gestalten und seine Individualität entfalten.
Doppelseitige Erschließung
Bildung kann als doppelseitige Erschließung gesehen werden. Einerseits meint Bildung die Erschließung der Welt für den einzelnen Menschen: Durch Bildung kann der Mensch die Welt verstehen und begreifen. Soziale, politische, technische etc. Gegebenheiten können angeeignet und verstanden werden, damit das Leben so gemeistert werden kann. Andererseits ist Bildung auch die Erschließung des Menschen für die Welt. Der Mensch lernt sich selbst und seine eigene Rolle in der Welt zu begreifen und zu reflektieren. Dem Menschen wird bewusst, dass er einen Beitrag für die Gesellschaft zu erfüllen hat und dass er sich davon nicht ausklammern darf. In diesem Prozess, in dem sich der Mensch die Welt erschließt und für die Welt erschließt, eignet er sich Kenntnisse und Kompetenzen an: Der Mensch entwickelt seine eigenen Anlagen und Fähigkeiten (weiter), zum Beispiel im Bereich der Sprache, der Urteilsfähigkeit…Diese doppelseitige Erschließung geschieht durch die aktive Auseinandersetzung mit der Welt.
Prozess (sich bilden) als auch Ergebnis (gebildet sein)
Bildung kann sowohl als Prozess (sich bilden) als auch als Ergebnis (gebildet sein) dieser Erschließung betrachtet werden. Die Nachsilbe „-ung“ verdeutlicht meist einen gewissen Prozesscharakter, weshalb man nicht sagen kann, dass man zum Zeitpunkt XY vollständig gebildet ist und nichts mehr für seine Bildung leisten muss (insbesondere im Bereich technischer oder gesellschaftlicher Neuerungen): Bildung ist also ein lebenslanger Prozess. Andererseits kann Bildung auch als Ergebnis gesehen werden. Der gebildete Mensch kann demnach immer auf das zurückgreifen, was er kann und was er weiß. Dabei meint Bildung jedoch nicht eine bloße Anhäufung von (spezialisiertem) Wissen oder Belesensein, sondern ein grundsätzliches und umfassendes Verständnis von Zusammenhängen, einen angemessenen und verantwortlichen Umgang mit der Welt und sein Leben selbst gestalten bzw. sich verwirklichen zu können.
Bildung auch allein (durch Selbstbildung)
Anders als Erziehung ist Bildung auch allein, also durch Selbstbildung, möglich. Während es bei der Erziehung ein Zusammenspiel zwischen Erzieher und zu Erziehendem gibt, können Bildungsprozesse auch allein geleistet werden. Man kann jeden Sachverhalt googeln und sich in Fachbüchern weiterführend darüber informieren, man kann sich auf YouTube Anleitungen ansehen, wie man eine Glühbirne wechselt usw. Bildung vollzieht sich im Sinne einer Entfaltung der eigenen Individualität und des „Menschseins“ also grundsätzlich am Menschen selbst.
Bildung im Zusammenhang mit Erziehung
Bildung sollte jedoch im Zusammenhang mit Erziehung gesehen werden. Die deutsche Sprache unterscheidet die Begriffe „Erziehung“ und „Bildung“. Im Englischen (und in den meisten anderen Sprachen) wird dieser Begriff nicht gesondert differenziert, sondern durch den Begriff „education“ zusammengefasst. Mit Hilfe der Erziehung gelingt es jedoch zielführender, dass die Welt für den Menschen so erschlossen wird, damit sich der Mensch für die Welt erschließen kann. Denn die Erziehung kann den Menschen durch beabsichtigte Lernhilfen bei der aktiven Auseinandersetzung mit der Welt unterstützen.